Hauenstein
„Schuhmeile wird Kunstmeile“: Lob und Kritik nach der Premiere
Die „Schuhmeile wird zur Kunstmeile“ heißt ein neues Event in Hauenstein, das am Pfingstwochenende Premiere feierte. Organisiert hat die Veranstaltung Sonja Spieß, Leiterin des Hauensteiner Tourist-Informations-Zentrums (TIZ). Mit dabei waren 14 Kunstschaffende aus der Pfalz. Die Resonanz war ermutigend: Rund 2000 Besucher, so schätzt Spieß, fanden den Weg nach Hauenstein.
Entstanden sei die Idee, „Schuhe am Fuß, Kunst im Kopf“ zu einem Event zu verbinden, in der Corona-Zeit. Einerseits sollen davon die ansässigen Unternehmen profitieren, auf der anderen Seite will man damit den „Gast der Zukunft“ anlocken, ganz nach dem Motto „Bewegte Urlaubsregion Hauenstein“. Doch die Umsetzung gestaltete sich nicht ganz so einfach, wie Spieß zugibt. Zwar habe man viele Künstler angesprochen, die allerdings bereits verplant waren. Dennoch ist sie zufrieden, einige bekannte Akteure wie den Bildhauer und Maler Franz Leschinger aus Lug, Sabrina Esposito von „Espo.Sa-Art“ mit ihren Blumenbildern, gekrönt von Edelsteinsplittern, aus Deidesheim sowie Erwin Würth mit seiner Holzkunst aus Petersbächel gewonnen zu haben. Doch der Wunsch, die Schuhfachschule in Pirmasens mit ins Boot zu nehmen, scheiterte sowohl an den Pfingstferien als auch an den anstehenden Prüfungen. Trotzdem lässt sich die Leiterin des TIZ nicht entmutigen: „Erstlingswerke müssen sich zunächst etablieren.“ Immerhin haben sich rund 2000 Besucher die Veranstaltung nicht entgehen lassen, zu deren Höhepunkt der Auftritt der faszinierenden Maschinenwesen „Foolpool“, Installationen aus recycelten Fahrrädern, zählte. Zufrieden zeigten sich laut Sonja Spieß die Einzelhändler nach diesen beiden verkaufsoffenen Pfingsttagen. Kaum ein Kunde, der mit leeren Händen die Geschäfte verließ. Das sei wichtig, denn: „Wir brauchen ja die Läden als Location, um die Werke der Teilnehmer zu präsentieren.“ Auch mit ihnen suchte die TIZ-Leiterin das Gespräch und konnte so manches Lob ernten..
Schuhkauf im Mittelpunkt
Doch es gab auch viel Kritik, wie die RHEINPFALZ bei einem Rundgang über die Schuh- und Kunstmeile feststellte. Sehr unzufrieden sind August Eberle und Roland H. Küster vom Kunschdraum Pirmasens, die ihre Werke in einem der Stores präsentierten. „Für die Besucher stand der Schuhkauf im Mittelpunkt, für unsere Arbeiten hatten sie keinen Blick“, so ihre enttäuschende Bilanz. Man habe gehofft, mit den Menschen ins Gespräch zu kommen, „wir wollten ja nicht unbedingt etwas verkaufen“, erklärt August Eberle, dessen übermalte Bilder mit Acrylfarben sowie KI-Fotografie trotz Farbenprächtigkeit im Meer der bunten Schuhe untergingen. Das gleiche Schicksal ereilte Roland Küster mit seiner Nass-in-Nass-Technik. Zufriedener ist dagegen Kunschdraum-Kollegin Rita Hupfer, deren größere Gemälde nicht im Laden unterzubringen waren und die auf dem Außengelände postiert war. Stolz erzählt sie, dass sie sogar ein Bild verkauft hat.
Nicht ganz zufrieden mit dem Geschäft ist Michael Frey aus Landau. Den großen Gewinn hat er bei diesem Event mit seiner Modern Art nicht gemacht, trotzdem lobt er die Organisatoren, dass sie im Gegensatz zu anderen Veranstaltern keine Standgebühren verlangt hätten. Seine Verbesserungsvorschläge für kommende Veranstaltungen: „Mehr Künstler einladen – und die Werbung nicht nur auf den Schuhverkauf begrenzen.“ Die Aktion an sich sei gut, doch die Umsetzung sehr mangelhaft, sagt Martin Lorenz aus Hauenstein: „Da wusste die linke Hand oft nicht, was die rechte tut.“ Auch war die Planung, die im Februar begann, sehr kurzfristig. Das sei beispielsweise beim Keschdemarkt in Edenkoben, wo Lorenz seine Gemälde und Dekoartikel aus polierter Bambuswurzel mit Erfolg anbietet, viel besser geregelt.
Auch positives Feedback
Von einer „tollen Veranstaltung“ schwärmt dagegen Hildegard Adam aus Hauenstein, die mit ihrer abstrakten Malerei im Shoe City einen perfekten Präsentationsplatz gefunden hatte und sich nicht über mangelnde Resonanz beklagen kann. Diese Meinung kann Armin Hott aus Kandel, bekannt für seine humorvollen „Raben-Bilder“, nicht teilen. Der 63-Jährige, der sich seit 40 Jahren der Kunst verschrieben hat, lebt vom Verkauf seiner Werke. Zwar habe er zwei kleinere Bilder verkauft, doch „das Interesse hat sich in Grenzen gehalten“. Dann verrät er noch, dass er sich eine Lederjacke gekauft hat: „Die brauche nämlich, um mich warm anzuziehen.“ Denn der allgemeine Trend sei für Kunstschaffende wenig positiv.
Einen Höhenflug erlebte dagegen die 75-jährige Mechthild Gairing aus Bad Dürkheim, deren Pfalz-Pop-Art sie von Paris über Hauenstein nach New York führt: „Meine Kunst findet so großen Anklang, dass ich viele Auftragsarbeiten erhalte.“ Die Künstlerin „ohne Dollarzeichen in den Augen“ hat erst mit 70 Jahren ihre Passion entdeckt und ist seitdem mit viel Freude und Kreativität dabei: „Meine Bilder wecken Gefühle.“ So mancher Betrachter schöpfe neuen Mut aus den Kunstwerken, meint die gelernte Heilpraktikerin.