Pirmasens RHEINPFALZ Plus Artikel Schottergärten sollen grundsätzlich unzulässig sein

Der Trend zu Schottergärten hält an, sie gelten als schick und pflegeleicht. Aber sie sind nicht umweltfreundlich.
Der Trend zu Schottergärten hält an, sie gelten als schick und pflegeleicht. Aber sie sind nicht umweltfreundlich.

Die Schottergärten spalten den Hauptausschuss. Nicht die Abneigung gegen die ideenlose Vorgartengestaltung, sondern das Wie im Kampf dagegen, sorgte am Montag für Diskussionen. In Neubaugebieten soll künftig ein kompletter Schottergarten verboten sein. Es darf aber weiterhin ein bisschen geschottert werden.

Die Stadtverwaltung will Schottergärten nicht prinzipiell in neuen Baugebieten verbieten. In den Satzungen soll hingegen künftig stehen, dass sie „grundsätzlich nicht zulässig“ sind, in Ausnahmefällen jedoch möglich, wenn 75 Prozent der Fläche bepflanzt ist. Wobei bei den Pflanzen auf eine Pflanzliste des Garten- und Friedhofsamts zugegriffen werden sollte.

Mit dieser Formulierung reagiert die Stadtverwaltung auf einen Antrag der Fraktion „Die Linke“, die ein generelles Verbot der Schottergärten gefordert hatte. Die neue Formulierung unterscheidet sich jedoch nicht wesentlich von den bisher üblichen Satzungstexten. Es wird lediglich „grundsätzlich“ deren Zulässigkeit verneint und nur in Ausnahmefällen noch schottern erlaubt. Davor wurde ebenfalls darauf verwiesen, dass 75 Prozent zu bepflanzen sind. Außerdem ist in der neuen Formulierung der Einbau von wasserundurchlässigen Folien verboten, zudem werden Abdeckungen aus organischem Material wie beispielsweise Rindenmulch denen mit Schotter gleichgesetzt. Diese sind nun auch nicht mehr erlaubt.

„Kunstrasen ist noch eine Stufe schlimmer“

„Der Stein ist dominant in Pirmasenser Vorgärten“, konstatierte am Montag Gartenbauamtsleiter André Jankwitz, der zudem den Trend zu Kunstrasen für die Gartengestaltung erkennen kann, was noch eine Stufe schlimmer als Schotter sein soll.

Die Verwendung von Schotter, Kies oder Schieferplatten will Jankwitz nicht generell verbieten. Für Wege zwischen den Pflanzen sei dies durchaus nötig und werde auch von seinen Mitarbeitern so gemacht. Als Beispiele nannte Jankwitz die Gestaltung des Vorplatzes der Alten Post oder den Robert-Schelp-Platz, der auch eine größere Fläche von Schotter aufweise, die jedoch nicht mehr als ein Viertel der Gesamtfläche sei.

Auch Schottergärten sind nicht pflegeleicht

Grundsätzlich seien reine Schottergärten abzulehnen, da sie zur Aufheizung des Kleinklimas beitrügen. Im Klartext: In einer Straße mit vielen Schottergärten heizt sich im Sommer die Luft stärker und länger anhaltend auf, als in Straßen mit vielen wild bepflanzten Vorgärten. Der Schotter müsse zudem aufwendig abgebaut und über weite Strecken transportiert werden, was für den Klimaschutz schlecht sei, argumentierte Jankwitz weiter. Der größte Nachteil sei die praktisch tote Schotterfläche, während abwechslungsreich bepflanzte Beete vielen Insekten und damit Vögeln und Reptilien Nahrung und Lebensraum böten. Jankwitz trat auch dem vermeintlichen Vorzug eines Schottergartens in puncto Pflegeleichtigkeit entgegen. In Schattenlagen bildeten sich Algen und Moose, das Laub werde zwischen die Steine geweht, Staub lagere sich ab und wenn nicht regelmäßig gereinigt werde, komme es dennoch zu Bewuchs. Mit Stauden und Hecken lasse sich ein Vorgarten anlegen, der nicht mehr Pflegeaufwand wie der Schotter verlange, behauptete Jankwitz.

Darüber herrschte im Hauptausschuss auch Einigkeit. Die AfD lehnte jedoch ein Verbot ab und würde unverbindliche Beratung vorziehen. Den Grünen ging die Formulierung nicht weit genug. Jürgen Bachert (Grüne) forderte das konsequente Verbot wie in Speyer auch für Pirmasens. Und dies sollte auch bei Umgestaltungen von Gärten gültig sein und nicht nur in neuen Baugebieten. „Das ist so zu schwammig“, meinte Bachert. Ein generelles Verbot ohne Ausnahme wie in Speyer sei rechtlich zu unsicher, fand jedoch Oberbürgermeister Markus Zwick. Die SPD wollte vor einem Beschluss nochmal in der Fraktion beraten und den Grünen-Vorschlag prüfen, was der OB jedoch ablehnte. Mit sieben Ja-Stimmen gegen sechs Nein-Stimmen wurde die Formulierung von Jankwitz so beschlossen.

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