Fussball / Handball
Schiedsrichter zweier Sportarten tauschen sich in Videokonferenz aus
Über 30 Balltreter loggten sich ein, darunter Gäste von der Westpfalz bis nach Hamburg. Lehrwart Julian Kuhn (Otterstadt) initiierte den Abend, um Parallelen auszuloten und Erfahrungen aus der Halle mit auf den Rasen zu nehmen. „Er hat schon einiges erreicht“, stellte er den 19-jährigen Gast vor.
Schwarz, der bis zur Jugend-Ober- und Herren-Pfalzliga pfeift, zum Förderkader zählt und schon selbst den Nachwuchs schult, erläuterte kurz die Regeln der Ballwerferei. Hier zweimal 30 Minuten statt zweimal 45, zweimal fünf statt 15 Verlängerung, Sieben- statt Elfmeter, passives Spiel, weniger bedeutsame Gelbe Karten, dafür Blaue für besondere Vermerke im Spielbericht, Zeitstrafen. Doch im Fußball? Schwarz: „Das ist individuell zu sehen. Sie kann Störenfriede aus dem Spiel nehmen. Sie wäre ein gutes Hilfsmittel.“
Beide Seiten finden: Alles Ermessenssache
Was dem Fußballer sein Handspiel, ist dem Handballer das Fußspiel. Eine erste Gemeinsamkeit einer kniffligen Entscheidungsfindung: der Ermessensspielraum. „Wir sanktionieren bei aktiver Bewegung und klarer Torchance“, sagte der junge Schiri vom TV Dahn, der für seinen Verein auch in der Verbandsliga spielt.
„Sollen wir besser jedes Fuß- und Handspiel pfeifen?“, fragt der Otterstädter Kuhn. Schwarz findet: „Dann gehen Dynamik und Spielfluss verloren. Es wird als taktisches Mittel missbraucht und raubt dem Fußball die Attraktivität.“
Beide Seiten bedienen sich der Zeichensprache. Hier zupft Schwarz an der Trikottasche, um eine Strafe anzuzeigen. Dort deutet Kuhn in seinem Gespann dezent in diese Richtung, macht einen Fingerzeig, oder der Schiri dreht den Körper beim Einwurf entsprechend.
Kicker-Referees fänden Wiedereinführen von vorübergehenden Hinausstellungen gut
Da wirft auch Jochen Julino (Harthausen) ein: „Im Handball ist der Ball zu 80 Prozent in der Höhe.“ Beim Fußball sei es 50:50: „Das macht es schwerer.“ Schwarz kontert: „Bei uns gibt es Bodenpässe, und es wird schnell an den Kreis oder auf Außen gespielt. Das gibt es auch oft.“
Nächstes Thema: die ewigen Diskussionen im Fußball nach Freistoßentscheidungen. Schwarz stellt auch in seinem Sport eine negative Entwicklung fest. Kuhn würde die Regel gerne übernehmen, dass das Spielgerät sofort liegengelassen werden muss. Schwarz, der bei Missachtung zwei Minuten verhängt: „Es muss in die Köpfe der Spieler.“ Julino: „Zwei Minuten fallen eher ins Gewicht als Gelb.“ Und weiter: „Rot ist zu hart, und Zeitstrafen haben wir nicht.“ Auch seine Kollegen sprachen sich für die Wieder-Einführung der vorübergehenden Hinausstellung aus, nicht zuletzt aufgrund der Erfahrung bei der Jugend.
Fußball ist beim Videobeweis weiter
Anzahl der Regeländerungen, Vorteilsauslegung, Kommunikation mit Trainern, Rudelbildung, Nachwuchsgewinnung, Coaching – all das kam zur Sprache. Dann wollte es Kuhn wissen: „Was kann der Handball vom Fußball übernehmen?“ Der Experte: „Beim Videobeweis ist der Fußball weiter.“
Ob er mal eine Fußballpartie leiten will? „Ich habe mich schon mit dem Gedanken beschäftigt.“ Aber in einer unteren Liga unter angespannter Atmosphäre sei es auf sich allein gestellt wohl schwierig.