Pirmasens RHEINPFALZ Plus Artikel Rundgang: Was hat es mit der Mythologie der Bäume auf sich?

Martina Wagner (grüne Jacke) führt die Winzler Landfrauen über den Alten Friedhof und erklärt ihnen dabei die Mythologie von ver
Martina Wagner (grüne Jacke) führt die Winzler Landfrauen über den Alten Friedhof und erklärt ihnen dabei die Mythologie von verschiedenen Baumarten.

Warum haben unsere Vorfahren Bäume verehrt? Und welche Bedeutungen haben die verschiedenen Arten in der Mythologie? Diese Fragen hat Martina Wagner, Fachkraft für Natur- und Umweltkunde, den Winzler Landfrauen bei einem Spaziergang über den Alten Friedhof beantwortet.

Sie entstanden vor mehr als 300 Millionen Jahren, haben Kriege, Unwetter und Epidemien überstanden: Bäume gehören zu den ältesten Lebewesen auf der Erde. Erst sehr viel später kam der Mensch hinzu, der nach der nordischen Mythologie aus Bäumen - der Mann aus der Esche und die Frau aus der Ulme - geschaffen wurde. „Bäume haben eine gewisse Symbolik“, erklärt Martina Wagner. Mit den Gewächsen sei Harmonie, Stille und Schutz verbunden. Bäume spielen nicht nur in der nordischen Mythologie eine Rolle. Bei den Germanen und Kelten kam ihnen ebenfalls eine wichtige Bedeutung zu. Dort wurden sie religiös verehrt. Besonders Eichen, Eschen, Linden, Buchen und der Holunder hatten ein hohes Ansehen.

„Es gibt viele Facetten, für die ein Baum stehen kann“, berichtet Wagner. In der nordischen Mythologie sei „Yggdrasil“ der Wichtigste. Der Weltenbaum soll den ganzen Kosmos verkörpern sowie Himmel, Mittelwelt und Unterwelt verbinden. Nach dieser ersten Einführung beginnt Wagner vom Carolinensaal aus über den Alten Friedhof zu spazieren. An einer Eibe hält sie inne. „Dieses Nadelgewächs steht für den alten, weisen Mann“, erzählt Wagner. Die Eibe steht für ewiges Leben, Auferstehung, Wiedergeburt und Erneuerung. An ihrem Stamm soll sich deshalb der Mythologie zufolge das Tor zur Unterwelt befinden.

Die Winzler Landfrauen flanieren weiter. An einem Holunderbusch stoppt die Gruppe. „Der Holunder hat mehrere Bedeutungen“, erklärt die Fachkraft für Natur- und Umweltkunde. Bei den Kelten verkörperte er die Unendlichkeit des Lebens: Im Winter war der Baum „tot“ - im Frühjahr erwachte er zu neuen Leben.

Die Gruppe schlendert weiter zu einer Rotbuche, die in der Mythologie als Trägerin des Lebens bekannt ist. Aus der Buche schnitzten die Germanen zudem ihre Runen für das Orakel. Ein passender Zeitpunkt für Wagner, um das keltische Baumhoroskop aus der Tasche zu ziehen. Das entstand damals durch die Betrachtung der Menschen im Einklang mit der Natur. Die besonderen Eigenschaften der Bäume übertragen sich demnach auf die Menschen, die im Zeichen des jeweiligen Baumes geboren wurden. Von Wagner bekommen die Landfrauen anhand des Baumhoroskops je nach Geburtsdatum einen Baum zugewiesen, der die Eigenschaften, Stärken und Schwächen der Person beschreiben soll.

Bei den Eichen am Ehrenfriedhof halten die Landfrauen erneut inne. „Diese Baumart hat in der Mythologie schützende Eigenschaften“, erklärt Wagner. Die Eiche steht für Dauer sowie Beständigkeit und soll Energie, Kraft und Ruhe spenden. „Deshalb lade ich Sie ein, sich eine Eiche zu suchen, um sich dort anzulehnen“, sagt Wagner. So sollen die Landfrauen die Energie des Baumes spüren.

Zum Abschluss zeigt Wagner den Teilnehmern noch die Birke. Sie soll Unheil abwenden und während der Walpurgisnacht dämonische Wesen abhalten. Unter den vier Birken auf dem Alten Friedhof gibt es eine Besonderheit: eine Papierbirke. Sie streift beim Wachsen ihre äußere Rinde ab, die sich dann wie Pergament benutzen und beschriften lässt.

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