Pirmasens Reise durch Dialekte
Es war ein kurzes aber intensives Vergnügen. Nur eineinhalb Stunden inklusive Pause dauerte die „Kathistrophe“ im Pünktchen & Anton am Freitagabend. Die Künstlerin Kathrin Wolf musste gleich wieder weiter zum Filmfestival nach Saarbrücken, wo ihr der renommierte Max-Ophüls-Preis verliehen wurde. Im ausverkauften Pünktchen & Anton hinterließ sie ohne Zugabe aber dennoch ein begeistertes Publikum.
Die Interaktion der Schauspielerin und Kabarettistin mit dem Publikum funktionierte gleich vom Start weg. Kathrin Wolf weiß, wie die Zuschauer aktiviert werden. So findet sich beispielsweise immer ein Schwabe im Publikum, der bei der schwäbelnden Phase des Abends mitagieren kann. Im Gepäck hatte sie klassische Schwabenwitze wie den Spruch: „Mir gebet nix, aber das gern.“ Und fiel gleich mit äußerst intimen Themen ins Haus mit der ihrer Meinung nach schönsten Sache der Welt, dem Stuhlgang. In ihrem Programm „Kathistrophen“ reiht Wolf Scherze und Anekdoten munter aneinander ohne einen wirklich roten Faden, konnte aber den Eindruck der Beliebigkeit geschickt vermeiden. Die einzige Linie im Programm ist der wechselnde Dialekt. Da wird zuerst geschwäbelt, was die Kabarettistin als Muttersprache in ihrer schwäbischen Heimat mitbekommen hat. Dann geht es weiter nach Bayern und Köln. Chinesische Touristen kommen ebenfalls zu Wort. Berlin und Sachsen dürfen in den „Kathistrophen“ auch nicht fehlen. Richtig intellektuell wird Kathrin Wolf als Rapsängerin mit fein ausgearbeiteten Texten und einer Prise Kapitalismuskritik, kann aber auch ein bisschen zotig werden, wenn sie erklärt, wie der Schwabe mit einem Blatt Klopapier sein Geschäft erledigt. Die Scheinheiligkeit von Secondhandveganern wird erklärt, die über die vegetarische Ernährung der Kuh ihren eigenen Fleischkonsum beschönigen. Dann geht es weiter zu verzogenen Kindern, die in Form eines „Alpha-Kevin“ an jeder Schule zu finden seien. Der Mann bekam natürlich auch sein Fett weg. „Ein Mann ist wie ein Muttermal, das kriegste nur mit dem Messer weg.“ Politische Diskussionen wurden mit dem Bayer integriert, der das Einwanderungsproblem mit einer Flüchtlingsmaut lösen will, während die Chinesen immer lächelten, weil sie noch immer die Mauer haben. Die üblichen Klischees vom Berliner, der etwas gegen Einwanderer aus Schwaben hat, und von Sachsen, denen ein bebildertes Grundgesetz mal die Grundlagen der Demokratie vermitteln könnte. Beim Auftritt am Freitagabend wurde leider zu wenig gesungen. Die ausgebildete Sopranstimme Kathrin Wolfs macht sich sicher auch ohne Kabarett sehr gut. Die Texte waren sehr ausgefeilt, ohne einstudiert zu wirken. Die 30-jährige Künstlerin hat ihr Metier gelernt, was vor allem bei den Improvisationen mit dem Publikum deutlich wurde. Die Vielseitigkeit mit den wechselnden Dialekten ließ zudem keine Spur von Langeweile aufkommen und die Besucher im Pünktchen & Anton hätten sich sicher noch ein halbes Stündchen länger die ein oder andere „Kathistrophe“ angehört. Wenn jedoch im nahen Saarbrücken ein renommierter Filmpreis winkt, muss der Künstler Prioritäten setzen.