Pirmasens Reifen lagern im Naturschutzgebiet

Michelin hat 6,3 Hektar Land von Privatleuten und Landwirten in Bornheim gekauft. Sollte die Firma ihr Landauer Logistikzentrum
Michelin hat 6,3 Hektar Land von Privatleuten und Landwirten in Bornheim gekauft. Sollte die Firma ihr Landauer Logistikzentrum erweitern dürfen, will sie 90 zusätzliche Arbeitsplätze schaffen.

Darf Michelin sein Reifenlager auf Bornheimer Gemarkung erweitern? Das sollen Behörden prüfen. Das vorgesehene Areal liegt in einem Naturschutzgebiet. Daher sind Bedenken laut geworden. Die Firma betont: Es gibt keine unüberwindbaren Hürden.

6,3 Hektar Land – darum geht es. Auf dieser Fläche möchte die Firma Michelin auf Bornheimer Gemarkung ihr Landauer Reifenlager auf Bornheimer Gemarkung erweitern. Sollte die zuständige Verbandsgemeinde Offenbach ein Zielabweichungsverfahren bei der Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Süd in Neustadt beantragen, wird die Behörde prüfen, ob das Projekt in die Realität umgesetzt werden könnte. Ein Selbstläufer wird das nicht. Das ins Auge gefasste Grundstück liegt in zwei europäischen Natura-2000-Schutzgebieten, wie die SGD auf Anfrage der RHEINPFALZ mitteilt. Konkret geht es um die Gebiete „Bellheimer Wald mit Queichtal“ und „Offenbacher Wald, Bellheimer Wald und Queichwiesen“. Zudem befindet sich die Erweiterungsfläche in einem landesweiten Biotopverbund. Daher würde auch geprüft, „ob das Vorhaben zu erheblichen Beeinträchtigungen der Erhaltungsziele der Schutzgebiete führen kann“, erklärt die SGD. Der Bund für Umwelt- und Naturschutz hat derweil betont, da die Schutzgebiete in der Obhut der Europäischen Union seien, müsste Brüssel gefragt werden. Dieser These widerspricht die SGD teilweise: „Die Einschaltung der EU ist aus unserer Sicht hier noch nicht erforderlich, da zunächst eine Natura-2000-Verträglichkeitsprüfung durchzuführen ist.“ Nach Eingang eines Antrags für ein Zielabweichungsverfahren würde die Prüfung laut SGD maximal ein halbes Jahr dauern. Sollte diese positiv verlaufen, hätte der Bornheimer Rat das letzte Wort in der Causa Michelin. Nach Auskunft der Kreisverwaltung Südliche Weinstraße entsprechen die Michelin-Pläne auch nicht den Zielen der Raumordnung. Nach den Vorgaben des Einheitlichen Regionalplans Rhein-Neckar ist das Bornheimer Areal als landwirtschaftliche Fläche ausgewiesen, zudem liegt dieses in einem Grünzug. Daraus ergibt sich, dass Michelin „nicht einfach bauen kann“. Warum will Michelin erweitern? Die Lagerkapazitäten im Landauer Logistikzentrum seien erschöpft, teilt das Unternehmen mit. Deshalb müssten diese vergrößert werden. Zudem liege der südpfälzische Standort mit Blick auf Europa sehr zentral und sei verkehrstechnisch extrem gut vernetzt. Laut Michelin lagern in Landau die Reifen aus dem Werk in Karlsruhe und alle Importreifen aus Übersee. Zudem sei der Standort Distributionslager für die Auslieferungen nach Ostfrankreich, Mittel- und Süddeutschland, Westösterreich und die Nordschweiz. Derzeit arbeiten dort 300 Menschen in drei Schichten. Michelin hatte eigenen Angaben zufolge ein externes Umweltbüro aus Kaiserslautern damit beauftragt, das geplante Erweiterungsgebiet in Bornheim mit Blick auf den Natur- und Gewässerschutz zu untersuchen. Dabei sei herausgekommen, dass es keine unüberwindbaren Hindernisse gibt. Diese müssten jedoch im dem angestrebten Zielabweichungsverfahren durch die zuständigen Behörden weiter geprüft werden, teilt Michelin mit.

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