Pirmasens Regenbogen-Kinderhilfe wird aufgelöst, Kimmle-Stiftung übernimmt Gebäude

Die Regenbogen-Kinderhilfe macht die Schotten dicht.
Die Regenbogen-Kinderhilfe macht die Schotten dicht.

Die Regenbogen-Kinderhilfe gibt auf. Der 1993 gegründete Verein wird aufgelöst, die Heinrich-Kimmle-Stiftung übernimmt die Gebäude in der Erlenbrunn. Grund dafür sind fehlende Helfer, Corona hat dem Kinderhilfe-Team schließlich den Rest gegeben.

Nach fast 30 Jahren wissen Gerhard Gundlach und Anneliese Rether, gleichberechtigte Vorsitzende des Vereins, nicht mehr weiter. Sie selbst wollten kürzer treten, ehrenamtliche Helfer waren aber nicht in Sicht. Dabei zählt der Verein mit 500 Mitgliedern zu den größeren in der Stadt. Aus diesem Grund hat der Verein in der Mitgliederversammlung beschlossen, die Regenbogen-Kinderhilfe aufzulösen. Und das kurz nachdem der Verein eine Freiluft-Bühne angeschafft hatte, um auch anderen Vereinen Raum für Auftritte anzubieten. „60.000 Euro hat uns das Ding gekostet“, ärgert sich Gundlach.

Die Heinrich-Kimmle-Stiftung wird das Gebäude in der Erlenbrunner Straße übernehmen, um dort einen regelmäßigen Freizeittreff für Menschen mit Behinderung zu etablieren, die von der Stiftung ambulant in eigener Wohnung betreut werden. Der Kontakt zur Kimmle-Stiftung kam über Steuerberater Karsten Volberg zustande, der sich ehrenamtlich um die Buchführung des Vereins kümmerte. Einmal die Woche soll dort gemeinsam gekocht, Kicker gespielt oder einfach miteinander erzählt werden. Auch Tanzveranstaltungen seien in Planung, im Grunde soll es ein Betrieb wie in einer Kneipe sein. Aber das sei nur der Anfang, kündigt Stiftungsvorstand Marco Dobrani an, der das Angebot an dem Bedarf der Teilnehmer orientieren will.

Angebot wie bisher wird es nicht mehr geben

Der Plan sei, das Gebäude effektiv und noch viel effizienter zu nutzen, als dies bisher der Regenbogen-Kinderhilfe möglich war, kündigt er an. „Ein Angebot für Kindergarten- und Schulkinder ist im Gespräch“, verrät Dobrani. Bauliche Veränderungen will die Kimmle-Stiftung aber nicht vornehmen; und wenn, dann nur in energetischer Hinsicht. „Vielleicht wäre eine Fotovoltaikanlage sinnvoll“, überlegt Dobrani. Im Inneren werde das Gebäude lediglich angepasst, weil es in einem sehr guten Zustand sei.

In Visier hat der Vorstandsvorsitzende außerdem, ein Elterncafé anzubieten, Aktionstage für Werkstattsbeschäftigte, die dort grillen oder Zeit miteinander verbringen können. Auch Angebote für Kindergärten will Dobrani prüfen, damit das Spielzimmer der Regenbogen-Kinderhilfe auch weiterhin genutzt werden könne. Das Angebot für Kinder und Jugendliche, wie es die Regenbogen-Kinderhilfe angeboten hat, wird es nicht mehr geben. „Vielleicht können wir eine Hilfe in abgewandelter Form punktuell fortführen“, überlegt Dobrani. In der gewohnten Manier sei sie allerdings nicht möglich. Über die „Aktion Mensch“ soll aber eine Koordinationskraft gewonnen werden, die über die Stiftung refinanziert wird und das Konzept erarbeiten und umsetzen kann.

Vereinsvermögen wird verteilt

Corona sei nicht der ausschlaggebende Punkt für die Entscheidung zur Vereinsauflösung gewesen, sagt Gundlach. Allerdings habe der Verein die Hüpfburgen verkaufen müssen, weil sie nach den zwei Jahren der Schließung unbrauchbar geworden seien. Zudem hätte er mit Anneliese Rether die gesamten Aktivitäten komplett neu aufbauen müssen.

In den verbleibenden Monaten werde es nur noch Zuwendungen für die Kinder geben, die bis zuletzt bei der Regenbogen-Kinderhilfe waren. „Die Kinder und ihre Familien bekommen Lebensmittel oder Schulbedarf“, erklärt Gundlach. Eine Familie habe auch Freikarten für den Holiday-Park erhalten. In der Jahreshauptversammlung am vergangenen Freitag hat der Verein das weitere Vorgehen von seinen Mitgliedern absegnen lassen: Der Verkauf des Gebäudes mit Inventar und des Geländes samt Bühne zum Preis von 220.000 Euro an die Heinrich-Kimmle-Stiftung sowie die Verteilung des Vereinsvermögens. Das werde der Heinrich-Kimmle-Stiftung, der Pirmasenser Tafel, dem Kinderschutzbund sowie der Jugend- und Kinderarbeit beim FKP zukommen, erzählt Gundlach. Immerhin seien dort 200 Jugendliche, die Fußball spielen, begründet Gundlach die Entscheidung, den Fußballverein zu bedenken.

Ein Lebenswerk geht zu Ende

„Für mich war das kein Spaß-Ding mit der Regenbogen-Kinderhilfe“, sagt Gundlach, der im November 75 Jahre alt wird. Die Angelegenheiten des Vereins habe er so ernst genommen, als sei es sein Beruf. Nur so könne man eine Vereinsarbeit aufbauen, die für ihn sein Lebenswerk bedeute. Das gleich gilt für Rether. Leid tut es ihm für den Musiklehrer Sebastian Sommer, der lange Jahre im Verein unterrichtet hat, und auch für Sebastian „Sebi“ Schmitt, dem Gundlach und Rether eigentlich einen festen Job als Heim- und Jugenderzieher anbieten wollten. Er ist quasi in der Regenbogen-Kinderhilfe aufgewachsen und hat sich dort um die Freizeiten gekümmert.

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