Pirmasens „Raubritter aus Hinterweidenthal“

Zwei Tage früher als gewohnt, zwei Tage vor dem sprichwörtlichen 11. 11., dem Tag, der den Start der närrischen Jahreszeit markiert, haben die Hääschdner Needingsterzer mit der Erstürmung des Rathauses, mit der Übernahme der Kasse und des Rathausschlüssels und mit der Absetzung von Bürgermeister Bernhard Rödig die Session 2014/2015 eröffnet.
Sie steht unter dem Motto „Burgen, Ritter, Hexerei – die Needingsterzer sind dabei“. Und dem Motto entsprechend stellte Ober-Needingsterzer Winfried Heinrich das Regierungsprogramm im Stil der „Oid’n Ritterleit“ vor: „Ja, so sind, ja so sind die Hääschdner Ritter heut“ – den Refrain sangen Elferrat und die (wenigen) Passanten lauthals mit. „Ergeben hat sich ohne Blut der Herr von diesem großen Gut, der große Ritter Bernhard, weil er unsern Ouzo gern hat“, so beschrieb Heinrich die kampflose Übergabe von Kasse und Regierungsmacht durch den Ortschef, der als bekennender Griechenland-Fan bekannt ist: Und darauf wurde – selbstverständlich mit einem Ouzo – angestoßen. Er gehe jetzt in Urlaub, konstatierte Rödig, und wünsche den neuen Regenten eine glückliche Hand. Er übergab die große Gemeindetruhe, die freilich bis auf süße Schokoladenmünzen gähnend leer war. „Schau ich nun auf unsre Beute, muss ich lauthals lachen heute. Ritter Bernhard hat’s doch schwer, seine Kasse ist halt chronisch leer“, kommentierte Heinrich. Sein Rezept, sie aufzufüllen: „Vielleicht mit Müllgebühren, so wie das andere probieren.“ Die Raubritterei habe ja Tradition: „Nach Hans Trapp vom Dahner Tal haben wir nun einen Raubritter aus Hinterweidenthal …“ Ansonsten schwor Ober-Ritter Heinrich seine närrischen Vasallen auf die fünfte Jahreszeit ein: „Ach Gott, wär das ein schönes Leben, würd’ es keinen Aschermittwoch geben.“ Und: „Für Wein, Weib und Gesang schwärmt ein jeder Rittersmann. Schwärmt er für Gesang allein, kann er wohl kein Needingsterzer sein …“ (ran)