Pirmasens Projekt frühkindliche Karies in Pirmasens: Auf den Milchzahn gefühlt
Mit dem Projekt „Frühkindliche Karies vermeiden“ wollen Zahn- und Kinderärzte die Zunahme von Karieserkrankungen bei Kleinkindern stoppen. Gestartet wurde das Pilotprojekt in der Südwestpfalz vor rund zwei Jahren von der Kassenzahnärztlichen Vereinigung (KZV) und der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Rheinland-Pfalz zusammen mit Gesundheitspartnern (wir berichteten). Nun engagiert sich auch der Pakt für Pirmasens bei dem Projekt.
Gemeinsam mit den „Zahnärzten am Exe“ bietet der Pakt am Samstag, 14. April, in der Praxis, Ringstraße 60, eine Aufklärungsveranstaltung für Familien an. Zwischen 14 und 18 Uhr informiert das Team um Mehran Andabili und Pascale Monsieur zusammen mit Kinderarzt Tamir Biran (Medicenter) zu den Themen Zahnvorsorge und Gesundheitsprävention bei Kindern und Jugendlichen. An vier Stationen können sich Mädchen und Jungen, aufgeteilt nach Altersklassen, zusammen mit ihren Eltern über Ernährung, Sport und Gesundheit, Zahnpflege sowie über regelmäßige Arztbesuche informieren. Die Teilnehmer erhalten Tipps zum richtigen Zähneputzen, zur Schnuller-Entwöhnung oder zu gesunden Lebensmitteln.
Karies bei Klienkindern nimmt kontinuierlich zu
Laut KZV nimmt die „Early Childhood Caries“ (ECC), also Karies bei Kleinkindern, kontinuierlich zu. Fast die Hälfte aller kariösen Defekte, die bei der Einschulung festgestellt werden, ist in den ersten drei Lebensjahren der betroffenen Kinder entstanden. Laut KZV tragen fehlende zahnärztliche Früherkennungsuntersuchungen bei Kleinkindern erheblich zu dieser Entwicklung bei. Die gesetzlichen Krankenkassen bieten derzeit Präventionsleistungen ab dem 30. Lebensmonat an – zu spät, finden die Projektverantwortlichen. Neben dem Konzept der Aufklärung von Eltern spielen bei dem Projekt „Frühkindliche Karies vermeiden“ deshalb zusätzliche zahnärztliche Früherkennungsuntersuchungen zwischen dem 6. und dem 29. Lebensmonat eine wichtige Rolle. Drei zusätzliche Untersuchungen wurden eingeführt, sie werden im gelben Kinderuntersuchungsheft vermerkt. Dabei ist die Zusammenarbeit zwischen Zahn- und Kinderärzten wichtig, betont Peter Matovinovic, Vorsitzender der KZV Rheinland-Pfalz, denn der Kinderarzt verweist die kleinen Patienten verbindlich an den Zahnarzt. 31 Zahnärzte und neun Kinderärzte beteiligen sich in der Region Südwestpfalz an dem Pilotprojekt. „Das Projekt wird sehr gut in der Region angenommen“, sagt Matovinovic.
Schon 1.000 Untersuchungen
Rund 1000 zahnärztliche Früherkennungsuntersuchungen wurden seit Beginn des Projekts durchgeführt. „Einige Kinder haben es nur aufgrund des Aufklebers im Untersuchungsheft in die Zahnarztpraxis geschafft“, so Matovinovic. In Einzelfällen bestand schon bei den Jüngsten Handlungsbedarf: „In drei Fällen mussten bei Patienten im Alter von sechs bis neun Monaten therapeutische Fluoridierungen durchgeführt, also erste Anzeichen von Karies bekämpft werden.“ Je früher Karies bekämpft wird, desto besser, sagt der Zahnarzt. „Wir können auch Kinder mit drei, vier Jahren therapieren. Das ist aber nicht immer unproblematisch, in manchen Fällen ist eine Narkose notwendig.“ Fast 60 Prozent der zahnärztlichen Untersuchungen bei dem Projekt kamen infolge eines Verweises durch den Kinderarzt zustande, sagt Matovinovic. „Das zeigt, wie wichtig die Zusammenarbeit zwischen Kinder- und Zahnärzten ist und wie sinnvoll es ist, diese Untersuchungen fest im Untersuchungsheft zu verankern.“ Matovinovic und seine Kollegen arbeiten daran, dass die Untersuchungen bundesweit eingeführt und von allen Krankenkassen übernommen werden. Derzeit wird das Thema im Gemeinsamen Bundesausschuss (GBA) verhandelt , der den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung festlegt. Mit einer Entscheidung rechnet Matovinovic, der selbst einer entsprechenden Arbeitsgruppe des GBA angehört, nicht vor Ende des Jahres.
Angestrebt: Aufnahme in den Leistungskatalog der Krankenversicherung
Damit eine neue Leistung in den Katalog aufgenommen wird, muss ihre Wirksamkeit wissenschaftlich nachgewiesen werden. Da es in dem Bereich wenige Studien gibt, hat die KZV selbst eine Studie in Auftrag gegeben. „Wir versprechen uns davon, dass wir zeigen können, dass der Verweis des Kinderarztes auf den Zahnarzt was bringt. Vielleicht gibt es in zehn Jahren mehr Studien dazu, wir wollen aber nicht so lange warten, sondern den Kindern jetzt schon helfen.“
Info
Der Pakt für Pirmasens bittet für die Aufklärungsveranstaltung am 14. April um Anmeldung. Auskunft erteilt das Koordinationsbüro, Telefon: 06331/1444740; E-Mail: pakt@pirmasens.de. Die Teilnahme an der Veranstaltung gilt als Vorsorgeuntersuchung. Kinder erhalten einen Stempel in ihr Vorsorgeheft. Weitere Informationen im Netz unter www.pakt-für-pirmasens.de.