Pirmasens
Profine-Chef bekennt sich zu Standort Pirmasens
„Pirmasens ist stabil“, sagt der Konzernchef – und schickt hinterher: „Trotz aller Schwierigkeiten mit dem Standort Deutschland.“ Denn diese Nachteile – angefangen von den hohen Energiekosten bis zum Bürokratieaufwand – gelten auch für die beiden deutschen Produktionsstandorte Pirmasens und Berlin. Selbst der Fachkräftemangel ist in Pirmasens ein Problem, trotz der hohen Arbeitslosenquote: Manchmal fehlte die Qualifikation, manchmal der Wille zur Arbeit, merkt Mrosik kritisch an. Um überhaupt noch Personal zu bekommen, zeigt sich Profine flexibel, bietet auch einmal alternative Schichtmodelle an, die jüngeren Beschäftigten mit den heutigen Freizeitvorstellungen entgegenkommen.
An der Beschäftigtenzahl hat sich wenig geändert in Pirmasens: 1200 Mitarbeiter zählt das Stammpersonal, hinzu kommen etwa 300 Leiharbeiter. Zwar werden aufgrund der deutschen Standortnachteile Produktionsmengen in ausländische Profine-Werke verschoben, macht Mrosik deutlich, aber er geht nicht von signifikanten Mengen aus, glaubt auch an wieder steigende Nachfrage in Deutschland, sodass Produktion und Beschäftigung in Pirmasens – und Berlin am zweiten deutschen Standort – weitgehend stabil bleiben.
2025 sollen Arbeiten auf Flächen nördlich der B10 beginnen
Der Konzernchef kündigt auch weitere Investitionen in Pirmasens an, die Logistik und Energieversorgung betreffen. Konkret geht es um das Gelände nördlich der Bundesstraße 10 zwischen dem Müllheizkraftwerk und der Bundesstraße 270, das vor sieben Jahren Profine von der Stadt gekauft hat. Schon länger sind Erschließung und Nutzung dieser Flächen geplant, aktuell wartet das Unternehmen auf die Baugenehmigung. Mrosik: „Die finale Genehmigung war bis Jahresende 2024 noch nicht eingetroffen.“ Wenn sie nun in diesem Jahr kommt, beginnen auch die Bauarbeiten, daran lässt der Profine-Eigner keinen Zweifel. Investiert wird einmal in die Logistik. Wenn Profine 2025/26 wieder wachsen wird, wie Mrosik anstrebt, müsse gerade auch die Logistik gerüstet sein.
Der zweite Investitionsschwerpunkt liegt in der erneuerbaren Energie. Mrosik will den gesamten Konzern bis 2027 durch erneuerbare Energie selbst versorgen – und sieht sich dabei auf einem guten Weg. Auch in Pirmasens wurde schon damit begonnen, die Gebäudedächer mit Photovoltaik auszustatten. Dieser Weg soll weitergeführt werden, indem nördlich der Bundesstraße 10 ein Solarpark geschaffen wird. Konkret spricht Mrosik davon, dass die Parkplätze überdacht und darauf Photovoltaikelement montiert werden. Momentan wird auch mit den Pirmasenser Stadtwerken verhandelt über einen Batteriespeicher mit der gewaltigen Kapazität von 40 Megawatt, um den Solarstrom für das Werk auch zu Zeiten vorhalten zu können, an denen die Sonne nicht scheint.
Kunststoff-Recycling spielt immer größere Rolle
Während diese Investitionen noch anstehen, hat sich ein Projekt aus dem vergangenen Jahr schon als Erfolgsgeschichte erwiesen: die weltweit modernste Recyclinganlage für Kunststofffenster mit einer Kapazität von 18.000 Tonnen jährlich. Mrosik macht deutlich, dass die Wiederverwertung alter Kunststofffenster längst eine tragende Rolle bei Profine spielt, 35 bis 40 Prozent der produzierten Kunststoffprofile stammen aus Recyclingmaterial. „Der Vorteil von PVC ist, dass recyceltes Material keine Qualitätseinbußen verursacht“, betont der Profine-Eigentümer. Sein Unternehmen kauft inzwischen sogar alte Kunststofffenster aller Hersteller von Handwerkern an, zerlegt sie in ihre Einzelkomponenten und führte diese der Verwertung zu. Neben Pirmasens hat das Unternehmen an mehreren europäischen Standorten solche Recyclinganlagen in Betrieb. Die Kapazität in der Horebstadt reiche momentan noch, erklärt Mrosik, geht allerdings von einer Erweiterung in zwei Jahren aus, wenn das Geschäft wieder anzieht.
Neben dem Kunststoff-Recycling spielt bei Profine auch die Produktion von nachhaltigem PVC eine immer größere Rolle, ergänzt Mrosik. Statt fossilem Öl wird zur PVC-Herstellung etwa Kieferöl verwendet. In Zeiten stärkeren Umweltbewusstseins steige auch die Nachfrage nach diesen Kunststoffprofilen.

