Pirmasens RHEINPFALZ Plus Artikel „Pro Presbyterium“ warnt: Vermögen und Entscheidungen wandern ab

Die Kirche steht unter Spardruck. Gegen Reformen regt sich jedoch Widerstand.
Die Kirche steht unter Spardruck. Gegen Reformen regt sich jedoch Widerstand.

Die geplante Verfassungsreform der Evangelischen Kirche ist ein Streitpunkt. Mögliche Folgen hat die Initiative „Pro Presbyterium“ in der Pirmasenser Markuskirche diskutiert.

Die Landeskirche will bis 2035 rund 60 Millionen Euro einsparen. Kern der Reform ist die Reduzierung der derzeit 15 Kirchenbezirke auf vier große Einheiten bis 2029. Nach Angaben der Kirchenleitung sollen Verwaltungsstrukturen verschlankt, Doppelzuständigkeiten vermieden und personelle sowie finanzielle Ressourcen stärker auf Seelsorge, Bildung, Diakonie und die Arbeit vor Ort konzentriert werden. Die neuen Bezirke sollen jeweils rund 75.000 Gemeindeglieder umfassen; vorgesehen ist unter anderem eine Einheit aus den Regionen Homburg, Pirmasens und Zweibrücken.

Umstritten ist der Vorschlag, den Kirchengemeinden den Status einer Körperschaft des öffentlichen Rechts zu entziehen. In der Folge würden sie zentrale Rechte verlieren und ihre Finanzen sowie Gebäude nicht mehr eigenständig verwalten. Gebäude, Grundstücke und Rücklagen gingen an vier neu zu bildende Großdekanate über. Zudem sollen Pfarrerinnen und Pfarrer ihre feste Bindung an eine Gemeinde verlieren und künftig in regionalen Teams arbeiten.

Gegen diese Pläne regt sich seit längerem Protest in mehreren pfälzischen Gemeinden, auch in Pirmasens. Im August des vergangenen Jahres gründete sich die Initiative „Pro Presbyterium“, die nach eigenen Angaben inzwischen rund 70 Mitglieder aus verschiedenen Gemeinden zählt. Am Donnerstagabend erläuterte Pfarrer Martin Henninger aus Frankenthal vor mehr als 50 Zuhörerinnen und Zuhörern in der Markuskirche auf dem Sommerwald die Kritikpunkte.

Pfarrer aus Frankenthal übt Kritik

Henninger sprach von einer Macht- und Vermögensverlagerung zulasten der Kirchen in Stadt und Dorf. Der von der Landessynode im November 2025 beschlossene Entwurf einer neuen Kirchenverfassung nehme den Kirchengemeinden nicht nur ihren Status als Körperschaften des öffentlichen Rechts, sondern beschneide auch wesentliche Entscheidungsbefugnisse. „Pro Presbyterium“ bemängelt zudem, der Schritt bringe nur Einsparungen von rund 900.000 Euro und damit etwa 1,5 Prozent des Sparziels. Darüber hinaus wirft die Initiative der Landeskirche vor, die Gemeinden als Basis der kirchlichen Arbeit nicht frühzeitig und ausreichend in die Diskussion eingebunden zu haben.

In der anschließenden Diskussion betonten Gemeindemitglieder, dass die evangelische Kirche vor Ort lebe. Presbyterien seien mehr als ein Ortskirchengemeinderat, der mit zugewiesenem Budget Bastelmaterial und Kekse kaufe. Gefordert wurde außerdem, dass alle Pfarrerinnen und Pfarrer in der Kirchengemeinde verankert bleiben und alle Kirchengemeinden in der Bezirkssynode Stimmrecht behalten. Entscheidungen sollten dort fallen, „wo Gottes Geist wehe“ – in der Gemeinde, im Presbyterium, vor Ort.

Kirche steht unter Druck

Hintergrund der Reformpläne sind rückläufige Mitgliederzahlen und der zunehmende Pfarrermangel. Ende 2024 verzeichnete die Evangelische Kirche der Pfalz rund drei Prozent weniger Mitglieder als im Vorjahr. Nach Prognosen der Landeskirche wird sich die Zahl der Pfarrerinnen und Pfarrer in den kommenden zehn Jahren von derzeit etwa 260 auf rund 120 nahezu halbieren.

Die Kirchengemeinden haben bis Ende 2026 Gelegenheit, Stellung zum Reformentwurf zu nehmen. Die endgültige Entscheidung über die neue Kirchenverfassung soll im Frühjahr 2027 fallen.

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