Pirmasens Premieren in Russland und Pirmasens

Mit Vorfreude gehen sie in den russischen Katastrophenfilm „Abgerissen“ ins Pirmasenser Walhalla (von links) Nadja Del, Natalja
Mit Vorfreude gehen sie in den russischen Katastrophenfilm »Abgerissen« ins Pirmasenser Walhalla (von links) Nadja Del, Natalja Molleker, Johann Del und Alexei Krenz.

Sie heißen „Abgerissen“, „Naughty Grandma 2“ oder „Yolki 7“ und laufen im Pirmasenser Walhalla-Kino. Filme, die hierzulande wohl kaum jemand kennt. Es sei denn, man spricht russisch und ist mit der aktuellen russischen Filmszene vertraut. Und davon gibt es in Pirmasens so viele Menschen, dass regelmäßig bis zu 80 Cineasten die in russischer Originalsprache gezeigten Filme besuchen.

Eigentlich war es nur als Versuch des Pirmasenser Kino-Betreibers Theo Sieber gedacht. Vor zwei Jahren habe ihn eine Frau aus dem Pirmasenser Ausländerbeirat angesprochen, sie würde gerne einmal einen Film in russischer Sprache im Walhalla zeigen. Sieber nahm die Idee auf, und es kamen gleich um die 100 Besucher. Im August hatte Sieber dann bei der Filmmesse in Düsseldorf Kontakt zum Stuttgarter Filmverleih Kinostar geknüpft, der Filme in fremden Sprachen anbietet. „Ich wusste ja durch den ersten Film vor zwei Jahren, dass es auf der Husterhöhe in Pirmasens eine große russische Gemeinde gibt, dass dort viele Russlanddeutsche leben.“ Und so hat Sieber einen weiteren Testlauf gewagt, einen zweiten und auch noch einen dritten Film nachgeschoben – und siehe da, was ihm Kinostar-Chef Michael Rösch prophezeit hatte, traf auch tatsächlich ein. „Es funktioniert ganz gut, das Echo ist sehr gut“, registriert Sieber nun schon zum wiederholten Mal. Gezeigt werden die Filme nur in einer einzigen Vorstellung jeweils am frühen Sonntagabend. An welchem Sonntag das ist, kann Sieber nicht lange im Voraus sagen. „Eine gewisse Regelmäßigkeit wäre mir da lieb“, sagt der Kino-Betreiber und liebäugelt mit einer Vorstellung im Monat. Für häufigere russische Kinoabende sieht er dagegen kein Potenzial in der Stadt. „Jede Woche ein Film – das würde sich totlaufen“, glaubt Sieber. So aber kommen jedesmal zwischen 30 und 80 Besucher – „ein ordentlicher Zuspruch“. Seit eineinhalb Jahren bietet Michael Rösch mit seinem Verleih Kinostar Filme in fremden Sprachen an – vor allem russische und türkische Filme. Ein Angebot, das bundesweit zwischen 100 und 150 Kinos annehmen. So kommen manche Filme auf bis zu 40.000 Besucher, was, so Rösch, einen positiven Effekt für die Kinos biete, denn so können die Kinos auch für ihre sonstigen Filme neue Besucher gewinnen. Zu verdanken, so Rösch, sei der Erfolg der russischen Filme in deutschen Kinos der Partnerschaft mit dem russischen Pay-TV-Sender Kartina TV, der in Deutschland viele Zuschauer habe. Dort würden aktuelle russische Filme vorgestellt und „massiv“ beworben. Insgesamt biete sein Verleih pro Jahr 25 bis 30 russische Filme an; abhängig sei dies von der Beliebtheit der Streifen in Russland. In Deutschland werden diese Filme zeitgleich zum Filmstart in Russland gezeigt – „maximal eine Woche später“, sagt Rösch. Möglich sei all dies erst durch die Digitalisierung der Filme geworden. Früher, als noch ganze Filmrollen verschickt werden mussten, habe das den Kino-Betreiber pro Film 800 bis 1000 Euro gekostet. Das sei für eine einzige Vorstellung zu viel gewesen. Um andererseits einen russischen Film eine Woche laufen zu lassen, sei nicht genug Publikum nicht da. Die Kosten heute seien dagegen überschaubar und das Risiko für den Kino-Betreiber recht gering. So würden die Kosten zwischen Verleih und Ausleiher „gesplittet“. Zum Beispiel indem sich beide die Einnahmen an der Kinokasse teilen. (Noch) nicht gezeigt werden in Pirmasens Filme aus der Türkei, die Kinostar ebenfalls verleiht. Nach denen sei bundesweit die Nachfrage noch größer als nach den russischen, sagt Kinostar-Geschäftsführer Rösch. Das liege an der größeren türkischen Gemeinde in Deutschland und an der engeren Verbundenheit der Türken mit ihrer Heimat. Da liefen dann Filme auch schon mal eine ganze Woche und kämen auf bis zu 550.000 Besucher.

Deutsch und russisch wirbt das Filmplakat.
Deutsch und russisch wirbt das Filmplakat.
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