Pirmasens RHEINPFALZ Plus Artikel Pirmasenser SPD: Wechsel an Parteispitze vollzogen

Angelika Glöckner überreicht Christian Zehfuß den Schlüssel fürs Parteibüro, von Bastian Welker gibt es Blumen.
Angelika Glöckner überreicht Christian Zehfuß den Schlüssel fürs Parteibüro, von Bastian Welker gibt es Blumen.

Alles auf Anfang: Die Pirmasenser SPD stellt sich neu auf. Den Vorsitz übernimmt ein langjähriges Parteimitglied, das in der Öffentlichkeit nahezu unbekannt ist.

Elf Jahre stand Angelika Glöckner an der Spitze des Pirmasenser SPD-Stadtverbandes. Die vergangenen zwei Jahre führte die Bundestagsabgeordnete die Partei im Duo mit Stadtratsmitglied Bastian Welker. Bei ihrer Abschiedsrede am Donnerstag in Kuchems Brauhaus sagte sie: „Es ist Zeit, loszulassen.“ Sie beschwor den Geist der Einheit in der SPD und erinnerte an Erfolge, ging aber auch auf die Wahlschlappe bei der vergangenen Kommunalwahl ein.

Seit vergangenem Jahr haben die Sozialdemokraten nur noch acht Sitze im Stadtrat, zuvor waren es elf. Mit stehendem Applaus dankten die Genossen ihrer sichtlich bewegten langjährigen Vorsitzenden. Sie versprach:

„Die SPD Pirmasens ist und bleibt mein Heimathafen.“

Zehfuß folgt auf Glöckner

Auf sie folgt nun Christian Zehfuß. Die SPDler wählten ihn mit 81 Prozent Zustimmung zum neuen Parteichef. Auf eine Doppelspitze wurde verzichtet, stattdessen hat Zehfuß zwei Stellvertreter: Sabine Stackl und Giuseppe di Benedetto. Während letztere in der Stadt und in der Kommunalpolitik nicht unbekannt sind – Stackl ist Betriebsratsvorsitzende der Schuhfirma Semler und di Benedetto sitzt im Stadtrat – ist der Name Zehfuß vielen Pirmasensern wohl unbekannt.

Es sei denn, sie wohnen in Erlenbrunn. Denn von dort stammt der 45-Jährige, der sich 2024 dort erfolglos um den Posten des Ortsvorstehers beworben hatte. Einem kommunalpolitischen Gremium gehört der Lehrer bislang nicht an. Das ändert sich nun. Di Benedetto verzichtet auf sein Mandat, damit Zehfuß in den Ortsbeirat Erlenbrunn einziehen kann. Der neue Parteichef ist nach eigener Aussage seit 20 Jahren in der SPD. Er lebte zehn Jahre im Winzler Viertel und zeitweise auch in den USA. Mittlerweile wohnt er im Erlenbrunner Eigenheim: „Dehäm is halt dehäm“, bekundete er seine Verbindung zu Erlenbrunn im Speziellen und Pirmasens im Allgemeinen.

Raus aus der Opposition

Als Grund für sein neues Engagement nannte Zehfuß sich abzeichnende Tendenzen, die ihn nervös gemacht hätten. Ohne die Partei beim Namen zu nennen, machte er klar, dass er damit die AfD meinte. „Ich will nicht mehr länger zur schweigenden Mitte gehören.“ Er habe das langfristige Ziel, die SPD in Pirmasens aus der Oppositionsrolle herauszuholen und erinnerte seine Genossen daran, dass in der Parteiarbeit der Spaß nicht zu kurz kommen dürfe. Er will als Parteivorsitzender neue Wege in der Kommunikation bestreiten, kündigte Zehfuß an, ohne konkreter zu werden. Seine Unbekanntheit habe den Vorteil, dass er nicht vorbelastet sei.

Während Stackl urlaubsbedingt fehlte, nutzte di Benedetto seine Bewerbungsrede ausgiebig. Er wies unter anderem darauf hin, dass er als Mensch mit Migrationshintergrund die Probleme vieler Zugezogener nachvollziehen könne. Sein Vater sei mit 18 Jahren als Gastarbeiter aus Italien gekommen. Seine Mutter komme aus Pirmasens. Auch er kündigte an, dass die SPD wieder Wähler zurückgewinnen müsse. „Wir müssen die Menschen von unseren guten Ideen überzeugen.“

Künftig Sprechstunden

Dafür hat sich die Stadtratsfraktion auch schon etwas einfallen lassen. Künftig soll es jeden Monat Sprechstunden für Bürger geben. Die Ratsmitglieder stehen dann für Fragen und Anregungen zur Verfügung. Los geht es am Samstag, 24. Juni, um 17 Uhr im Parteibüro in der Alleestraße.

Wie es sich für eine Versammlung eines Vereins oder einer Partei gehört, ging es bei der Stadtverbandskonferenz auch um das Geld. Laut Kassierer Manfred Menzel ist die SPD finanziell gut aufgestellt. Er sagte nicht, welche Summe auf dem Konto der Genossen liegt, aber der Betrag habe sich seit 2023 um 6500 Euro verbessert. Die größten Ausgaben der vergangenen Jahre waren die Kommunalwahlen (12.000 Euro), die Bundestagswahl (5600 Euro) sowie die Europawahl (400 Euro).

Stierkopf und St. Pirmin: Die Wahrzeichen von Pirmasens zieren auch den neuen Newsletter der RHEINPFALZ

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