Pirmasens
Pirmasenser Jobcenter zählt zu den besten Arbeitsvermittlungen Deutschlands
Trotz der ungünstigen wirtschaftlichen Bedingungen ist es dem Pirmasenser Jobcenter gelungen, im vergangenen Jahr die erfolgreichen Vermittlungen in den Arbeitsmarkt zu steigern: Die 698 Integrationen bedeuten einen Rekord, 2024 waren es noch 671, ein Jahr zuvor sogar nur 622 Vermittlungen in Arbeit und Ausbildung. Gerade auch bei der Fachkräftegewinnung engagiert sich das Jobcenter, 104 Ausbildungen, zehn Umschulungen und sieben Teilqualifizerungen wurden begleitet und finanziert. Diese 121 Qualifizierungen haben nach fünf Jahren wieder das Vor-Corona-Niveau erreicht, informierte Jobcenter-Leiter Peter Schwarz im Hauptausschuss. Immer öfter meldeten sich Arbeitgeber, um mit dem Jobcenter zusammen Stellen mit bisherigen Bürgergeldempfängern zu besetzen, so Schwarz, und das trotz des bescheidenen Arbeitsmarktes.
Die Erfolge des Jobcenters bei der Integration von Bürgergeldempfängern in den Arbeitsmarkt wurden in einer Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft bestätigt: Das Pirmasenser Jobcenter ist im Vergleicht der 395 Einrichtungen in Deutschland auf dem siebten Platz gelandet, weil die tatsächliche Integrationsquote von 20,7 Prozent deutlich über der geschätzten Quote von 15 Prozent lag. Nur sechs Jobcenter waren besser – und vier von ihnen liegen in Regionen mit deutlich besserer wirtschaftlicher Lage. Oberbürgermeister Markus Zwick erinnerte im Hauptausschuss an diesen Erfolg, der auch eine Anerkennung für die Integrationsarbeit sei.
Zahl der Bürgergeldempfänger geht zurück
Die hohe Integrationsquote wirkt sich auf die Anzahl der Bürgergeldempfänger in Pirmasens aus: Die Zahl der Bedarfsgemeinschaften ist gegenüber 2024 um 1,4 Prozent auf 2573 zurückgegangen, die Zahl der erwerbsfähigen Bürgergeldbezieher um 2,6 Prozent auf 3409. Für diese Entwicklung gibt es neben den Integrationserfolgen weitere Gründe: Angeführt wurde von Schwarz die demografische Entwicklung, indem altersbedingt mehr Empfänger rausfallen als nachkommen. Auch der Pirmasenser Weg bei der Flüchtlingsbetreuung mache sich bemerkbar, weil schon einige Migranten eine Arbeitsstelle finden und überhaupt nicht erst beim Jobcenter ankommen. Schließlich sei auch die Zuzugssperre für Geflüchtete ein Grund: Indem weniger Migranten nach Pirmasens kommen, melden sich auch weniger für Bürgergeldbezug. 25 Prozent der Bürgergeldbezieher haben einen Migrationshintergrund, klärte Schwarz auf. Ohne die starken Flüchtlingszuwächse der vergangenen Jahre wären die Jobcenter-Zahlen noch niedriger, ergänzte der Oberbürgermeister: „Leider spiegeln die Arbeitsmarktzahlen vor diesem Hintergrund nicht unsere erfolgreiche Arbeit wider.“
Das Jobcenter hat im vergangenen Jahr 4878 Personen in 2573 Bedarfsgemeinschaften betreut, darunter 1428 Kinder unter 15 Jahren. Die 83 Mitarbeiter der Einrichtungen haben 22.826 Beratungsgespräche geführt und 51.297 Leistungsbescheide verschickt. Gegen diese wurden 328 Widersprüche eingelegt, eine deutliche Steigerung gegenüber den 233 Widersprüchen aus dem Jahr zuvor. Diese Steigerung um 41 Prozent begründete Schwarz vor allem mit Diskussionen um die Kosten der Unterkunft. Nachdem die einjährige Karrenzzeit für Unterkünfte nach der Bürgergeldeinführung abgelaufen war, gab es Neuberechnungen, die zu Widersprüchen führten – allein 48 Fälle fallen unter diese Problematik. 295 Widersprüche wurden im vergangenen Jahr erledigt, ebenfalls deutlich mehr als im Vorjahr. Die Klagen gegen das Jobcenter sind ebenfalls von 16 auf 21 gestiegen, davon wurden 13 Klagen erledigt: zehn durch Rücknahme, Abweisungen und Urteile für das Jobcenter, in zwei Fällen hat das Jobcenter die Forderung anerkannt und ein Urteil fiel zugunsten des Klägers aus.
Mehr Geld für Arbeitsintegration in diesem Jahr
Bewilligt wurden im vergangenen Jahr 4418 Anträge für Geld zur Bildung und Teilhabe von Kindern und Jugendlichen, die in den Bedarfsgemeinschaften leben. Diese finanziellen Mittel gibt es für Klassenfahrten, Schulbedarf, Mittagessen in Kitas und Schulen, Lern- und Schülerbeförderung und für die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben.
In seinem Ausblick auf das laufende Jahr kündigte Schwarz einen Ausbau der Bemühungen um die Integration von Bürgergeldempfängern in den Arbeitsmarkt an. Möglich werde das durch eine positive finanzielle Entwicklung: dem Jobcenter steht mehr Geld für Eingliederungsmaßnahmen zur Verfügung. In den vergangenen Jahren seien die finanziellen Mittel für Integrationsmaßnahmen begrenzt und nicht sicher gewesen, erläuterte Schwarz, daher sei Zurückhaltung angesagt gewesen: „Wir müssen die Förderung ja bis zu fünf Jahre lang garantieren.“ Nun aber ist das Eingliederungsbudget um 12,6 Prozent auf 4,46 Millionen Euro erhöht worden und gesichert, was neue Spielräume ermögliche. Auch das Verwaltungsbudget ist mit 4,76 Millionen Euro leicht um 1,65 Prozent angewachsen.