Pirmasens
Pirmasenser geben im bundesweiten Vergleich wenig Geld für Online-Shopping aus
Rund 800 Euro hat jeder Deutsche einer Erhebung zufolge durchschnittlich im Jahr 2020 beim Online-Shopping ausgegeben. Insbesondere im Umland von Großstädten ist die Online-Einzelhandelskaufkraft außergewöhnlich hoch. Die Bewohner in dünn besiedelten und ländlichen Kreisen hingegen geben online weniger Geld aus. Zu diesen strukturschwächeren Städten zählt auch Pirmasens. Das hat eine Analyse zu den räumlichen Mustern des Online-Handels in Deutschland ergeben, die das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung in Auftrag gegeben hatte.
Der Studie zufolge hat ein Pirmasenser im Jahr 2020 durchschnittlich 650 Euro online ausgegeben. Gemeinsam mit Kaiserslautern weist die Stadt damit bundesweit einen der niedrigsten Werte auf. Der Kontrast zu anderen Regionen zeigt sich mit einem Blick auf München: Dort gaben die Einwohner über 1000 Euro online aus. Diese regionalen Unterschiede ließen durch den Wohlstand und die Kaufkraft der vor Ort lebenden Bevölkerung erklären. Hinzu kämen soziodemografische Faktoren wie Alter oder Haushaltsstrukturen.
Abweichungen bei den bestellten Artikeln
Regionale Abweichungen gibt es laut Analyse nicht nur bei der Online-Einzelhandelskaufkraft insgesamt, sondern auch in verschiedenen Sortimentsgruppen. Bei Bekleidung beispielsweise gaben Einwohner im Jahr 2020 bundesweit durchschnittlich 107 Euro aus. Hier fällt Pirmasens erneut mit einem sehr niedrigen Wert auf. Die Online-Sortimentskaufkraft im Bereich Bekleidung liegt in der Stadt bei unter 90 Euro je Einwohner.
Dass sich die Digitalisierung auf Städte wie Pirmasens auswirke, zeige sich am Beispiel des Online-Handels deutlich. Folgen seien ein Leerstand von Geschäften und ein erhöhter Paketlieferverkehr. Zum anderen verbessere sich für digital affine Haushalte aber auch die Versorgungssituation durch eine größere Produktvielfalt und einen ortsunabhängigen Zugang zu Waren.
Online-Handel profitiert von Corona
Die Corona-Pandemie habe dazu geführt, dass „der Online-Handel boomt“, erklärt Markus Eltges, Leiter des Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung. 2020 wurden in Deutschland im Onlinehandel 72,8 Milliarden Euro umgesetzt. Die jährliche Zuwachsrate des Online-Handels deutlich angestiegen: Im Zeitraum von 2014 bis 2019 lag sie zwischen neun und zwölf Prozent, 2020 erreichte sie 23 Prozent.
Infolge der Pandemie hätten sich außerdem viele kleinere Einzelhändler angepasst und auf Online-Handel umgestellt. Der Einkauf bei lokalen Händlern kann demnach nicht mehr nur vor Ort, sondern auch digital erfolgen. „Diese Multi-Channel-Ansätze sind auch für Betreiber von Geschäften in kleinen und mittelgroßen Städten eine Möglichkeit, mehr Menschen zu erreichen und gleichzeitig zu einer angemessenen Versorgung im ländlich geprägten Raum beizutragen“, sagt Eltges.
Die Studie
Die Analyse „Räumliche Muster des Online-Handels in Deutschland“ wurde für das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung angefertigt. Autorin Andrea Jonas untersucht darin die regionale Online-Einzelhandelskaufkraft. Ihre Studie basiert auf dem Datensatz „Sortimentskaufkraft Online“ der Gesellschaft für Konsumforschung. Die darin enthaltenen Daten stammen aus zwei verschiedenen Verbraucherpanels der Gesellschaft für Konsumforschung, die insgesamt 30.000 Haushalte und 40.000 Menschen umfassen.