Pirmasens
Pirmasenser Eisweiher wird „beatmet“
Da der Weiher nicht aus natürlichen Quellen oder Bachläufen gespeist werde, wurde 2016 ein sogenannter Sprudler installiert, der den 5800 Quadratmeter großen See je nach Bedarf mit Sauerstoff anreichert. Der Sprudler habe sich als Steuerungsinstrument der Wasserqualität bewährt, so Glaus. „An besonders heißen Tagen ist damit die Versorgung des Weihers mit dem für Fauna und Flora wichtigen Sauerstoff gewährleistet.“ Die Steuerung des Sprudlers erfolge durch die Anpassung der Pumpenintervalle (Häufigkeit und Laufdauer) an die klimatischen Gegebenheiten. Eine Zeitschaltuhr gibt dem Sprudler den Takt vor. Morgens um sechs Uhr springt der Apparat an, drückt eine dreiviertel Stunde lang das Wasser in die Höhe und schaltet dann wieder ab. Alle zwei Stunden wiederholt sich der Vorgang – bis 18 Uhr. Betrieben werde die im Weiher fest installierte Pumpe mit Strom, der Betrieb über Solarmodule sei nicht möglich.
Regelmäßige Kontrollen im Labor
Allein auf den Sprudler verlässt sich Josef Glaus aber nicht. „Wir messen auch weitere Indikatoren.“ Die Wasserqualität werde monatlich untersucht, hauptsächlich auf: Temperatur, pH-Wert, elektrische Leitfähigkeit, Sauerstoffgehalt, Chemischer Sauerstoffbedarf, Ammoniumstickstoff, Nitrat-Stickstoff, Nitrit-Stickstoff, Gesamtstickstoff anorganisch, Gesamt Phosphor. Zudem werden jährlich die Bodenablagerungen (Zusammensetzung, Mächtigkeit) untersucht. Eine Verschlammung des Eisweihers gebe es aktuell nicht. Das sogenannte Monitoring (Überwachung von Vorgängen) finde unter Betrachtung der Meteorologie statt, um bei einer eventuellen Verschlechterung der Wassergüte schnell handeln zu können, etwa durch die Erhöhung der Proben-Analyse-Intervalle und der Sauerstoffzufuhr. Die Probenahmen und deren Analysen führt das Team des Labors der Kläranlage Blümeltal, Abwasserbeseitigungsbetrieb der Stadt Pirmasens, in enger Absprache mit Glaus durch.
Feuerwehr leistet Erste Hilfe
Der Eisweiher mit seinen 8,12 Millionen Litern Wasser und einer mittleren Tiefe von 1,4 Meter war vor diesen Maßnahmen schon öfter ein „Patient mit Atembeschwerden“, lange vor Corona. Der Sauerstoffgehalt lag nahe bei dem für Wasserlebewesen kritischen Wert von vier Milliliter O2 pro Liter Wasser. Schnelles Handeln war angesagt, und so leistete die Freiwillige Feuerwehr Pirmasens damals Erste Hilfe durch Zufuhr von Frischwasser. 2019 gab es für das Gewässer ebenfalls eine „Massage“, so Glaus, als die Jugendfeuerwehr unter fachkundiger Anleitung der Betreuer Schläuche mit mehreren Hochleistungspumpen verbanden und das Wasser in hohem Bogen auf den See spritzte.
Der Eisweiher sei nicht als Fischweiher angelegt, betonte Glaus. Dennoch fühlen sich ein paar Fische darin sehr wohl, vorausgesetzt der Sauerstoffgehalt und die Wasserqualität stimmen. Ansonsten biete der See im Spätjahr auch den Schiffsmodellbauern genügend Fläche für ihre kleinen und großen handwerklichen Kunstwerke: vom traditionellen Segelboot über moderne Luxusjachten, bis hin zu Bergungsschiffen, Hafenschleppern, Marineschiffen und Rennbooten.