Pirmasens Pirmasenser Damenschuhfabrik wird 100

Auch bei Kennel & Schmenger laufen derzeit Sneaker besonders gut, wie die Geschäftsführer Andreas Klautzsch (rechts) und Matthia
Auch bei Kennel & Schmenger laufen derzeit Sneaker besonders gut, wie die Geschäftsführer Andreas Klautzsch (rechts) und Matthias Eder zeigen.

Sie kennen keine Altersgrenzen, passen in keine Schublade, sind dennoch unverwechselbar: Schuhe der Pirmasenser Damenschuhfabrik Kennel & Schmenger. Mit ihrer großen Bandbreite vom klassischen Ballerina bis zum lässigen Edel-Sneaker hat sich die Marke im höherpreisigen Segment etabliert und feiert nun den 100. Geburtstag.

In diesem Hause schätzt man eher die leisen Töne. Rummel um Geschäft und Person hat schon der frühere Geschäftsführer Klaus Kennel, Gesellschafter und Enkel des Firmengründers Fritz Kennel, vermieden. Und diese Strategie hat Geschäftsführer Andreas Klautzsch, seit 1995 im Unternehmen, von ihm übernommen. Klautzsch hält neben den familiären Gesellschaftern als einziger Externer Anteile und führt heute die Geschäfte gemeinsam mit Matthias Eder. Doch nun leisten sie sich doch ein wenig Stolz: darauf, dass ihre Schuhe weltweit verkauft werden; darauf, dass die Pirmasenser Produktion, wo ein Drittel der Jahresmenge (bis zu 650.000 Paar) noch in der kompletten Wertschöpfungskette entsteht, weiter Bestand hat; darauf, dass sie es geschafft haben, ihre Marke auch für neue, junge Kundinnen interessant zu machen; darauf, dass das Familienunternehmen gut dasteht, sich auch im 100. Jahr seines Bestehens in einer Branche, die sich im Umbruch befindet, gut behaupten wird. Doch, sie seien stolz auf das Erreichte, stellt Andreas Klautzsch fest.

Der richtige Mix

Dabei ist es gar nicht so einfach, den entscheidenden Erfolgsfaktor bei Kennel & Schmenger auszumachen. Denn vieles geht hier Hand in Hand: der passende Stil, bleibende Produktionsqualität, die „richtigen“ Vertriebswege, die kontinuierliche Unterstützung durch die Eigentümer. Der richtige Mix mache es, betont Eder. Dies beginnt bei der Kollektion. Zwischen 200 und 300 Modelle gibt es pro Saison – in einer relativ großen Vielfalt vom klassischen Ballerina bis zum sportiven Edel-Sneaker. „Eine Stärke ist es, dass wir fast jeden Schuhtypus machen können“, sagt Klautzsch, der die Kollektion verantwortet. Womit Kennel & Schmenger eine relativ große Zielgruppe ansprechen kann. Ihre Kundin sei, stellt Klautzsch fest, zwischen 20 und 80, mode- und qualitätsaffin. Viele Frauen seien um die 40 und beruflich erfolgreich. In ihrer Verkaufs-Preislage – im Kern zwischen 200 und 300 Euro pro Paar – sei der Schuh nicht nur Bedarfsgegenstand, sondern Emotion, sagt Klautzsch. Dabei hätten sie es in den vergangenen Jahren durchaus geschafft, über soziale Netzwerke auch immer mehr junge Frauen anzusprechen und Kennel & Schmenger zum Thema zu machen. „Wir wollen“, formuliert es Klautzsch, „dass unsere Marke cool ist.“

Viele Länder, ein Stil

Was alle Modelle seit etwa zwei Jahrzehnten eint, ist ein unverwechselbarer Stil, eine modeorientierte, aber bleibende Handschrift – für Klautzsch eine erkennbare „DNA“. „Egal, welchen Typ man trägt: Kennel & Schmenger-Schuhe erkennt man aus einer Entfernung von 100 Metern.“ Und das, sagt Klautzsch, sei am Ende auch ihr Erfolgsrezept: „Unser Produkt ist berechenbar“. Verkauft werden die Schuhe mittlerweile in weit über 30 Länder, darunter die USA, Japan, China, Neuseeland, der arabische Raum und karibische Inseln. Und mittlerweile veränderten sie ihre Modelle für fremde Märkte nicht mehr, erläutert Klautzsch – „in vielen Ländern haben wir einen Stil geprägt“. Der ausgewählte Fachhandel vor Ort ist für das Unternehmen nach wie vor ein wichtiger Vertriebskanal. Hinzu kommen eigene Läden. Während andere Hersteller sich wieder davon verabschieden, halten sie bei K & S an den zehn Stores in großen und mittleren deutschen Städten und den sieben Outlet-Läden fest – diese seien ja auch ein Schaufenster für die Marke, sagt Klautzsch. Die Frequenz in Städten gehe zwar zurück, aber sie verdienten nach wie vor Geld mit ihren Läden. 2017 hätten sie Umsatz und Ertrag dort sogar steigern können.

Unternehmen will junge Leute

Darüber hinaus setzt das Unternehmen auch auf den Online-Handel – für Klautzsch eine Entwicklung, die nicht mehr aufzuhalten ist: Gerade Luxusgüter würden vor allem online abgesetzt. K & S verkauft sowohl über Plattformen als auch über einzelne Händler, die stationär und online absetzen, und über den eigenen Online-Shop. Der Internetbereich werde weiter wachsen, meint Klautzsch, weswegen sie auch ihren Online-Shop von einem externen Partner zurück ins eigene Haus geholt hätten. Schuhe machen reiche heute eben nicht aus. 230 Beschäftigte arbeiten in Pirmasens an Emotionen aus dem Hause Kennel & Schmenger, neben 300 in beiden ungarischen Werken. Es ist eine qualifizierte Belegschaft, großteils seit vielen Jahren dabei. Die andere Seite dieser Medaille: Junge Leute werden rar. Deshalb, sagen Klautzsch und Eder, müssten sie ausbilden. Elf Azubis, davon sieben gewerbliche, sind es derzeit. „Wir brauchen junge Leute“, betont Klautzsch. Und sie arbeiteten weiter daran, dass das Unternehmen für junge Leute cool sei. Beständig, aber leise, wie es Art des Hauses ist. Wirtschaft Das Jubiläum Gefeiert wird der 100. Geburtstag bei Kennel & Schmenger zunächst mit den Mitarbeitern: am 26. Mai auf dem Betriebsgelände. Darüber hinaus soll es besondere Kooperationen mit bekannten Persönlichkeiten geben, deren Namen aber noch nicht genannt werden.

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