Pirmasens
Pirmasens: Schuhhersteller Lugina spendet große Menge Leder für Schuhfachschule
Es ist eine klassische Win-win-Situation. Der Schwanheimer Schuhhersteller Lugina will 4000 Quadratmeter Leder ausmustern und müsste dafür viel Geld zahlen. Die Pirmasenser Schuhfachschule freut sich über ihre bisher größte Lederspende, zumal es sich um richtig edle Materialien handelt: zu 75 Prozent um Kalbsleder aus Italien.
Der lachende Dritte ist die Umwelt, da das Leder für die Schuhfachschüler nicht extra hergestellt werden muss und die Schuhfabrik nicht die Müllverbrennung gefüttert hat.
„Ich kann mich nicht erinnern, dass wir jemals eine so große Lederspende bekommen haben“, staunt Stephan Seidenschnur, Abteilungsleiter der Deutschen Schuhfachschule. Als die Spedition das Material auf der Husterhöhe angeliefert hatte, war erst einmal kein Durchkommen mehr. Überall gerolltes Leder in verschiedenen Farben, Prägungen und Drucken früherer Saisons.
Warenwert von 50.000 Euro
Da über ein Hochrechnungsverfahren Material bestellt wird, könne es mal passieren, dass man sich etwas verschätzt, erklärt Pascal Bißbort, Ledereinkäufer der Lugina Schuhfabrik mit Sitz in Schwanheim, der sich aus Anlass des 60. Geburtstags seines Unternehmens entschieden hat, das Leder im Warenwert von 50.000 Euro an die Deutsche Schuhfachschule in Pirmasens zu spenden. Lugina ist mit der Marke Waldläufer einer der bekanntesten Komfortschuhmarken auf dem deutschen Markt. Das Unternehmen beschäftigt mehr als 80 Mitarbeiter und produziert im Jahr etwa 2,5 Millionen Paar Schuhe, die ausschließlich in Europa gefertigt werden.
Sogar zwei Paletten mehr als besprochen
Im Herbst des vergangenen Jahres kontaktierte Bißbort die Schuhfachschule mit der Frage, ob sie Lackleder brauche. „Naiv, wie ich war, habe ich gesagt, ich nehme alles“, scherzt Seidenschnur. Letztendlich sind es sogar zwei Paletten mehr geworden als besprochen, sagt Seidenschnur, der für die nächsten Jahre damit bestens ausgestattet ist, wie er betont. Er will sogar Leder an Schulen und Kindergärten weitergeben. Kassenwart Joachim Endres vom Förderverein der Deutschen Schuhfachschule wird über den Betrag einen Sachspendenachweis ausstellen.
Weiterverarbeitung ist ökologischer als Entsorgung
Das Lackleder zu entsorgen, ist für Bißbort unvorstellbar. Bei der Firma Remondis würde es 900 Euro pro Tonne kosten, das Lackleder zu verbrennen, informiert er. Allein schon wegen der Nachhaltigkeit sei das noch nie passiert, ergänzt der Lugina-Ledereinkäufer, der endlich im Lager aufgeräumt hat, weil er den modischen Entwicklungen folgen muss und die erforderten andere Lederarten. „Die Schnelllebigkeit unserer Branche macht es notwendig, jede Saison wieder neue Leder einzukaufen, um am Puls der Zeit zu bleiben“, erklärt Bißbort. Dann sei für die Verwertung der Restmengen oft kein Bedarf am Markt. Auch in puncto Nachhaltigkeit möchte Waldläufer damit ein Zeichen setzen, denn die Weiterverarbeitung der Leder durch die Schuhfachschüler ist deutlich ökologischer als deren Entsorgung, betont Bißbort.
Wie lange die Schuhfachschule mit dem Leder auskommen wird, kann Stephan Seidenschnur nicht sagen. „Aber etliche Jahre bestimmt“, erklärt der Abteilungsleiter. Eine Kollegin vom Leibniz-Gymnasium wird einiges an Material abholen, kündigte er an. Auch die Berufsbildende Schule Pirmasens profitierte bereits von dem Leder. Drei Paletten wurden bereits 2019 gespendet.
Kontakt
Schulen und Kindergärten können sich bei Stephan Seidenschnur, Abteilungsleiter der Schuhfachschule, in der BBS melden, wenn sie Leder zum Basteln gebrauchen können; Email: info@bbspirmasens.de