American Football
Pirmasens Praetorians: Der außergewöhnliche Weg von Taylor Palmer
August 2023: Es laufen die letzten Sekunden im Abstiegsduell der GFL 2 (German Football League 2) zwischen Frankfurt Universe und dem Lokalrivalen Bad Homburg Sentinels. Frankfurt steht kurz vor der gegnerischen Endzone, liegt aber hinten und braucht einen Touchdown zum Sieg. Der Druck ist maximal groß für Universe und seinen Quarterback Taylor Palmer. Als Palmer den Ball bekommt, visiert er sofort einen Passempfänger auf der rechten Seite an. Sein Wurf hat das richtige Timing, fliegt über einen Verteidiger in Richtung von Palmers Mitspieler. Der streckt sich, um den Ball in der Endzone zu fangen. Für einen Moment herrscht große Unsicherheit. War der Pass gefangen? Dann kommt das Touchdown-Signal der Schiedsrichter, und das Stadion explodiert. Universe gewinnt und schafft den Klassenverbleib. Drei Jahre später ist Taylor Palmer der neue Quarterback der Pirmasens Praetorians. Dass er überhaupt als Profi in Europa spielt, grenzt an ein Wunder.
Es gibt einen Standardweg, wie Footballspieler den Weg zu einer Profikarriere schaffen. Viele spielen vier Jahre lang Football in der High School, die besten davon dürfen dann weitere vier Jahre im College spielen. Ein Amateursystem, wie zum Beispiel im deutschen Fußball, gibt es nicht. Palmer spielte Football in einer High School in North Carolina, allerdings nicht als Quarterback. Er war für die Position schlicht zu schwer und musste zunächst in der Offensive Line agieren: „Ich wusste, dass ich Quarterback spielen konnte, aber niemand gab mir eine Chance.“
Studium ohne Football
So entschloss sich Palmer, ganz regulär an der North Carolina State University Ernährungswissenschaft zu studieren, ohne Football zu spielen. Trotzdem kam er dort in Kontakt mit einem späteren NFL-Superstar: „In meinem ersten Jahr an der Uni hatte ich einen Kurs mit Russell Wilson, er saß zwei Plätze neben mir.“ Wilson war damals der Quarterback an der North Carolina State, gewann 2014 den Super Bowl mit den Seattle Seahawks und gehörte jahrelang zu den besten Spielmachern der NFL.
Nach dem absolvierten Studium gab sich Taylor erst einmal der Abenteuerlust hin und reiste zwei Jahre lang mit dem Rucksack um die Welt. Doch der Football ließ ihn nicht los. Er wollte Quarterback werden, obwohl er diese Position nie gespielt hatte und für potenzielle Arbeitgeber nichts vorzuweisen hatte: „Ich bin in Europa von Stadt zu Stadt gefahren, habe an Türen geklopft und versucht, ein Probetraining machen zu dürfen. Außerdem habe ich ungefähr 50 Teams in Europa per E-Mail kontaktiert und um eine Chance gebeten. Ein Team hat mir diese Chance gegeben.“
„Wertvollster Spieler“
Bei den Eger Heroes in der zweiten ungarischen Liga durfte Palmer seinen Quarterback-Traum verwirklichen – mit allem, was dazu gehört: „Wir gewannen die Meisterschaft, ich warf den entscheidenden Touchdown-Pass im Finale und wurde zum wertvollsten Spieler gewählt.“ Die sportlichen Erfolge bestätigten Palmer in seinem Glauben an sich selbst, und nun hatte er auch tatsächlich etwas vorzuweisen: „Mit den Videos und den Kontakten, die ich gesammelt hatte, konnte ich einen Lebenslauf erstellen, mit dem ich mich bewerben konnte. Danach habe ich jedes Jahr wieder einen Vertrag bekommen.“
Seine exotischsten Stationen waren eine Spielzeit in Brasilien und eine in Ägypten. „In Brasilien gibt es viele tolle Athleten mit der nötigen Leidenschaft für das Spiel. Leider fehlen dort Budgets und Organisation. Es werden nicht einmal einheitliche Bälle verwendet“, erzählt der 36-Jährige. In Ägypten landete Palmer zur falschen Zeit, nämlich mitten in der Pandemie: „Als ich ankam, sagten sie mir, die Saison beginne bald, doch sie wurde immer weiter nach hinten verschoben. Und so saß ich sechs Monate in Kairo und nichts passierte. Bezahlt wurde ich nicht, aber ich hatte eine Unterkunft und bekam auch ab und zu etwas zu essen.“
Edwards holt ihn nach Pirmasens
2023 landete er dann beim ehemaligen Erstligisten in Frankfurt. Sein Headcoach damals war Michael Edwards, der heute die Praetorians trainiert und Palmer auch nach Pirmasens holte. „Er vertraut mir und lässt mich das machen, was ich am besten kann, weil er glaubt, dass ich die Situationen auf dem Feld besser beurteilen kann als er. Das bestärkt mich.“
Zum Regionalliga-Saisonauftakt am 9. Mai bekommt es der neue Spielmacher des FKP-Footballteams mit alten Bekannten zu tun. Zu Gast im städtischen Stadion Spesbach sind ausgerechnet die Bad Homburg Sentinels, die Taylor 2023 mit seinem Touchdown-Pass Sekunden vor Schluss in die dritte Liga warf.