Pirmasens Pirmasens: Kinderärzte an Belastungsgrenze

Pedro Mestres-Riba, Kinderarzt mit Sitz im Rheinberger, behandelt 1200 Patienten im Quartal.
Pedro Mestres-Riba, Kinderarzt mit Sitz im Rheinberger, behandelt 1200 Patienten im Quartal.

Ausgebuchte Sprechstunden und lange Wartezeiten: Steigende Geburtenzahlen sowie Praxisaufgaben einiger Kollegen bringen die drei Pirmasenser Kinderärzte an ihre Belastungsgrenze. Auch die Kinderklinik am Städtischen spürt den Druck. Der Leiter der Kinderklinik will aber junge Patienten nicht abweisen.

Versorgungsengpass in Pirmasens

„In der Stadt gibt es einen Versorgungsengpass. Den kann man nicht wegdiskutieren.“ Pedro Mestres-Riba, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin mit Praxis im Rheinberger, bringt das Problem auf den Punkt. Mit rund 1200 Patienten pro Quartal sei seine Praxis an der Grenze des Machbaren angelangt, sagt er. Schon früher seien die drei Pirmasenser Kinderärzte gut ausgelastet gewesen. Durch die Praxisaufgaben von Frau Steidle und Frau Blauth habe sich die Situation allerdings verschärft. „Die beiden waren zwar keine ausgebildeten Kinderärzte, hatten sich aber als Allgemeinmediziner auf Kinder und Jugendliche konzentriert“, erläutert Mestres-Riba.

Saison der Infekte

Die Veränderungen und die Mehrbelastung bestätigen auch seine Kollegen Tamir Biran und Tanja Wild-Bergner. War die Situation im Sommer für die meisten von ihnen noch erträglich, beginnt nun die Saison der Infekte. „Dann sprechen wir von über 100 bis 120 Patienten, die ich täglich in meiner Praxis versorgen muss“, verdeutlicht Mestres-Riba. Das sei ein Pensum, das weder für die Patienten erträglich, noch für ihn und sein Personal zu bewältigen sei. Zumal Mehrarbeit von den Kassen nicht honoriert werde. Einen generellen Aufnahmestopp für neue Patienten gebe es aber nur bedingt. Geschwisterkinder und Notfälle nehme er jederzeit auf, betont der Mediziner. „Zwar sind meine Kapazitäten erschöpft, aber die Versorgung der Kinder liegt uns am Herzen.“

Weiterer Facharzt-Sitz nötig

Aus Sicht der drei Kinderärzte wäre dringend ein weiterer Facharzt-Sitz in der Stadt notwendig. Nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) ist der Bezirk aber ausreichend abgedeckt und alle verfügbaren Kassensitze sind besetzt. „Der Versorgungsgrad liegt bei über 110 Prozent“, informiert der Pressereferent der Kassenärztlichen Vereinigung, Stefan Holler. Aus diesem Grund sei der Bereich für weitere Niederlassungen gesperrt. Die Zulassungsgremien seien an die rechtlichen Vorgaben gebunden und könnten keine Änderungen vornehmen, fügt er an. Aus der Stadt lägen keine Beschwerden vor, die Patientenzahlen im ersten Quartal des Jahres seien zudem um 18 Prozent rückläufig im Vergleich zum Vorjahr, informiert Holler. 85 Prozent der Pirmasenser Kinder werden nach Angaben der KV direkt vor Ort versorgt.

Realität in Pirmasenser Praxen anders

„Dass aus Sicht und nach den Zahlen der KV eine Überversorgung vorliegt, wissen wir“, sagt Tamir Biran, niedergelassener Facharzt für Kinderheilkunde mit Sitz im Medi-Center. Die Realität in den Pirmasenser Praxen sehe aber anders aus. Die Zahlen der KV beziehen sich auf einen Bezirk, der etwa von Zweibrücken bis Dahn reiche, verdeutlicht er. Freie Kapazitäten in Waldfischbach oder Dahn nützten den Pirmasenser Eltern aber wenig. „Viele von ihnen sind nicht mobil und es ist nicht zumutbar, mit einem kranken Kind eine lange Bus- oder Zugfahrt zu unternehmen“, unterstreicht er. Das sieht auch Mestres-Riba so. „Die reinen Zahlen spiegeln die schwierige Situation der Stadt und der Familien nicht wider“, meint er. Durch Armut und Arbeitslosigkeit geprägt, bräuchten viele Familien eine zeitintensive Betreuung.

Kinderärztin in Teilzeit

Biran hat für seine Praxis inzwischen eine Lösung gefunden. Ab Oktober wird ihn auf eigene Kosten eine Kinderärztin in Teilzeit unterstützen. „Für mich bedeutet das mehr Zeit für die Patienten zu haben, ohne dafür mehr Geld zu bekommen“, sagt er. Mit der zusätzlichen Kraft ist er wieder offen für neue Patienten. „Meine Praxisräume geben das her und ich versuche, damit die bestmögliche Versorgung zu bieten“, betont er. Tanja Wild-Bergner, Kinderärztin mit Praxis in der Schachenstraße, sieht auch die Eltern in der Pflicht. Wer mobil sei, der müsse keine langen Wartezeiten in Kauf nehmen. Die Kollegen in Dahn oder Waldfischbach hätten noch Kapazitäten frei. Vorsorgetermine seien zudem längerfristig planbar, merkt sie an. Gerade, wenn viele Kinderkrankheiten im Umlauf sind, komme es aber auch bei ihr zu Wartezeiten“, bittet sie um Verständnis.

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