Pirmasens
Pirmasens: 140 Bürger demonstrieren vor der Sparkassen-Zentrale (mit Bildergalerie und Video)
Um 10.30 Uhr schauten die ersten Sparkassen-Mitarbeiter aus den Fenstern. Stille. Kein Demonstrant, der seinen Unmut über die Filialschließung in Heltersberg inklusive Wegfall der Geldautomaten zu Gehör brachte. 15 Minuten später änderte sich das: Pfeifen, Ratschen und die lautstarke Forderung nach dem Erhalt der Sparkassen-Präsenz im Holzland mit seinen 3900 Bewohnern, nach einem Zeichen „gegen das Dörfersterben“.
Der Protestzug ging durch die ganze Stadt
Vom Exerzierplatz aus hatte sich der Demonstrationszug in Bewegung gesetzt. Fußgängerzone, Bahnhofstraße bis zum Ziel Sparkassen-Hauptstelle. Vorne die Polizei, am Ende das Ordnungsamt. Dazwischen in gelben und orangenen Westen zahlreiche Ordner, die Wolfgang Vatter und die Organisatoren der Demonstration stellen musste. Auch „Heaven“, der Vierbeiner, der zum zweiten Mal mit demonstrierte, trug eine Warnweste. „Die schlafenden Hunde sind geweckt“, sagte einer mit Blick auf die Demonstranten, die Entscheidungen, die sich gegen sie richten, nicht mehr klaglos hinnehmen wollen.
Bankmitarbeiter gucken aus dem Fenster
Die Anzahl der interessierten Sparkassenmitarbeiter an den Fenstern stieg, als die Kundgebung vor dem Haupteingang begann. Raus kam keiner. „Wir kämpfen im Grund auch für den Erhalt derer Arbeitsplätze“, sagte ein Demonstrantin. Weniger Filialen bedeuteten weniger Arbeitsplätze.
„Krawattenfeiglinge“, nannte ein Demonstrant unter Applaus Vorstände und politisch Verantwortliche, die die sich den Demonstranten nicht stellten. „Obwohl die Demonstration bekannt war“, ergänzte Peter Jochum, der die Demo gemeinsam mit Vatter und Egbert Besier organisiert hatte. Wenn Wahlen wären, wären sie alle hier, monierten die Demonstranten. Sie skandierten laut: „Die wollen sich verpissen, das Holzland wird beschissen.“
„Wir werden Zug um Zug abgehängt“, unterstrich Jochum erneut das, was er vergangenen Freitag bei der Demonstration vor der Geschäftsstelle in Waldfischbach-Burgalben schon erläutert hatte. „Wenn’s ums Geld geht, nicht zur Sparkasse“, wandelte er einen bekannten Sparkassen-Slogan um. Ohne Automaten gibt es kein Geld mehr. Wie in der vergangenen Woche, verwies er auf kleinere, besser versorgte Gemeinden, in denen zum Beispiel ein Sparkassenvorstand lebt. Die Rote Karte zeigte immer wieder ein Demonstrant.
Betroffen seien vor allem ältere Bankkunden
„Es betrifft ja in erster Linie die Menschen über 60 Jahre“, sagte Vatter. Genau die, die die Sparkasse mit groß gemacht haben, ärgerten sich die Demonstranten. Ihr Schwiegervater habe vor über 50 Jahren als Mitarbeiter geholfen, die Sparkasse in Heltersberg aufzubauen, erinnerte eine Frau und Vatter merkte an: „Ich bin über 60 Jahre Sparkassenkunde, ich habe das Recht, meinem Unmut Luft zu machen.“ Eine Frau, die nicht mitdemonstrieren konnte, ließ einen Brief verlesen: Schon als Schüler habe man im Holzland bei der Sparkasse gespart, das Girokonto eröffnet, Autos, Wohnungseinrichtung, Häuser über die Sparkasse finanziert. Zu hohen Zinsen. Man habe in Kauf genommen, dass es für Erspartes keine Zinsen mehr gibt, immer höhere Kontoführungsgebühren für weniger Dienstleistung in Kauf genommen „Aber wir blieben unserer „Kasse“ im Ort treu“, schrieb sie. Und jetzt? Kein Geldautomat, keine Treue.
Der Ortsbürgermeister freut sich über den friedlichen Protest
Bürgermeister Ralf Mohrhardt (SPD) war bei der Demonstration dabei. Dass die Politiker vor Ort alles probiert hätten, erkannten die Demonstranten an. Das Angebot der Gemeinde, kostenfrei einen Raum für den Geldautomaten zur Verfügung zu stellen, war abgelehnt worden. „Deshalb ist es gut, dass die Menschen zeigen, was sie von der Sache halten“, freute sich Mohrhardt über das friedliche Engagement.
Für den Verwaltungsrat stünden 69.000 Euro im Jahr zur Verfügung, der Vorstand werde großzügig bezahlt. Die Sparkasse könne an vielen Ecken sparen, „dann wäre der Automat bei uns auf Jahre bezahlt“, sagten die Demonstranten. Der Verwaltungsrat setze sich aus Politikern zusammen. Warum immer Politiker, warum nicht einfach normale Sparkassenkunden wurde gefragt.
Kommende Woche sollen Unterschriften übergeben werden
Auch weil sich viele in der Politik nicht wirklich kümmerten, wird kommende Woche wieder demonstriert. Um 10.30 Uhr an der Kreisverwaltung, dem Dienstsitz von Landrätin Susanne Ganster, die auch Verwaltungsratsvorsitzende der Sparkasse ist. Dann sollen die bislang rund 200 Unterschriften übergeben werden, mit denen der Erhalt der Geldautomaten in Heltersberg gefordert wird, kündigte Besier an.