Pirmasens RHEINPFALZ Plus Artikel Pfälzerwald statt Hollywood und die Weltreise eines 3D-Katers

Tilman Vogt schickt seinen 3D-Kater Felini regelmäßig auf Weltreise, zum Beispiel ins verschneite Nepal.
Tilman Vogt schickt seinen 3D-Kater Felini regelmäßig auf Weltreise, zum Beispiel ins verschneite Nepal.

Filmanimationen gibt es nicht nur in Hollywood, sondern auch in Pirmasens. Tilman Vogt hat schon für Netflix und HBO gearbeitet. Seine Freizeit widmet er einem 3D-Kater.

In Zeiten von Chat GPT kann inzwischen fast jedes Kind mittels Künstlicher Intelligenz (KI) und simplen Befehlen binnen Sekunden Bilder, Filmchen und Lieder erstellen. Doch die Qualität der Ergebnisse schwankt, kein Bild gleicht dem vorherigen – zu wenig für die hohen Ansprüche, die etwa in der Film-Hochburg Hollywood in Sachen 3D-Animation herrschen. Aus diesem Grund gibt es nach wie vor ausgebildete Fachkräfte, sogenannte Animatoren, die die Vorstellungen der Regisseure letztlich auf die große Leinwand zaubern.

Einer von ihnen ist Tilman Vogt. Der Vater dreier Töchter hat seinen Arbeitsplatz allerdings nicht in Los Angeles, auch nicht in London, Paris oder Berlin, sondern – ganz beschaulich – auf der Ruhbank in Pirmasens. Vogt hat Design studiert und 20 Jahre lang als freiberuflicher Animator gearbeitet, seit 2022 ist er für ein deutsches Animationsstudio mit Sitz in Stuttgart tätig. Dennoch kann er dank Homeoffice seiner Heimatstadt die Treue halten. „Ich bin hier aufgewachsen und fühle mich wohl. Auch für die Kinder ist es hier besser. Ich lebe lieber im Pfälzerwald als im Großstadtdschungel“, erzählt er. Früher sei es noch schwierig gewesen, in den eigenen vier Wänden zu arbeiten, berichtet er: „Die Hollywood-Firmen wollten das aus Sicherheitsgründen nicht. Durch Corona ist es einfacher geworden und man hat entsprechende Lösungen gefunden.“

Animation für KI noch zu komplex

Zwar wachse in seinem Berufsstand die Sorge, dass KI künftig Arbeitsplätze kosten könnte, doch bisher sei das noch kein Problem. „In der Animation kommt die KI bisher nur sehr wenig zum Einsatz, dafür ist alles zu komplex. Die Qualität ist noch nicht so, wie sie sein soll“, sagt Vogt. Bei seiner Arbeit schlüpfe er, vereinfacht gesagt, in die Rolle eines Puppenspielers. „Ich muss alle Bewegungen erstellen, es muss ja schließlich alles gut aussehen und passen“, erklärt er und ergänzt: „KI ist super, wenn man keine genaue Vorstellung hat. Das ist bei Filmen und Serien natürlich anders.“

Vogt hat bereits an etlichen internationalen Produktionen mitgewirkt. Zuletzt etwa an der Netflix-Serie „Avatar – Der Herr der Elemente“ und dem Batman-Ableger „The Penguin“ von HBO mit Colin Farrell in der Hauptrolle. Wenn er einen Favoriten wählen müsste, würde sich der Pirmasenser für den Animationsfilm „Happy Feet 2“ aus dem Jahr 2011 entscheiden. „Dafür war ich längere Zeit in Australien. Das war schon ziemlich cool“, schwärmt er.

Vom Animationsskelett zum 3D-Kater

In seiner Freizeit kann Vogt die Finger aber nicht ganz von der Animation lassen. So wurde der kleine 3D-Kater Felini geboren. „An Felini arbeite ich bereits seit 2013. In der Anfangszeit habe ich zum Beispiel mit unterschiedlichen Fellzeichnungen experimentiert“, berichtet Vogt. Von internationalen Kollegen aus der Filmbranche bekam er Unterstützung, um dem Modell des schwarz-weißen Katerchens Leben einzuhauchen. Zuvor musste allerdings mittels spezieller Software ein sogenanntes Animationsskelett entworfen werden. „Das verwende ich zum Posen und Animieren“, so der Fachmann.

Tilman Vogt hat anfangs mit verschiedenen Fellzeichnungen für Felini experimentiert.
Tilman Vogt hat anfangs mit verschiedenen Fellzeichnungen für Felini experimentiert.

Tilman Vogt ist mit einer Katze aufgewachsen. Da er später beruflich für verschiedene Filmprojekte viel unterwegs war, fehlte es an Zeit für ein echtes Haustier. „So entstand die Idee, mir einen digitalen Begleiter zu erschaffen“, erzählt Vogt. Schon von Anfang an sei geplant gewesen, Bilder, Videos und Geschichten von und mit Felini ins Netz zu stellen. „Schließlich gehören Katzen und das Internet ja quasi zusammen“, sagt er mit einem Augenzwinkern.

Das Animationsskelett benutzt Tilman Vogt, um Felinis Posen und Bewegungen zu animieren.
Das Animationsskelett benutzt Tilman Vogt, um Felinis Posen und Bewegungen zu animieren.

Insgesamt investiere Vogt sehr viel Zeit in das Projekt. Der Umfang variiere aber stark. „Je nachdem, was sonst gerade in meinem Leben passiert.“ Früher habe Vogt etwa eine Woche benötigt, um ein einzelnes Felini-Bild fertigzustellen. „Ein Video dauerte – je nach Komplexität – oft drei bis vier Monate“, berichtet er. Als KI-Tools aufkamen, habe er deshalb früh begonnen, damit zu experimentieren. Vogt: „Anfangs war das noch recht rudimentär, aber die Fortschritte waren rasant.“ Inzwischen ließen sich Ergebnisse recht schnell erzielen, wobei immer noch mehr Arbeit in den Bildern und Videos stecke, als die meisten denken. „Die KI gibt einem selten genau das, was man sich vorstellt. Bildbearbeitung ist nach wie vor vonnöten“, schildert Vogt. Im Videobereich sei der Fortschritt zwar langsamer, doch auch dort tue sich viel. „Felini kann heute deutlich regelmäßiger mit frischen Inhalten glänzen als früher“, zeigt sich der Animator zufrieden.

Weltenbummler und Spendensammler

Mit seinen Animationen schickt Tilman Vogt Felini regelmäßig auf Weltreise. Auf seiner Webseite (felini.rocks) ist zu sehen, dass sich der Kater unter anderem schon in Irland, Ägypten, Südafrika und Nepal herumgetrieben hat. Der Start der Reise war aber natürlich in Pirmasens.

Vogt bietet zusätzlich Fanartikel von Felini an. Diese reichen von T-Shirts, über Tassen und Kissen bis zu Handyhüllen. 20 Prozent aller Einnahmen, die der Pirmasenser mit Felini erzielt, gehen an einen guten Zweck. Eine Hälfte geht an die Organisation „Panthera“, die sich dem Schutz von Großkatzen wie Tigern und Löwen verschrieben hat. Die andere Hälfte kommt „Giving What We Can“ zugute, wodurch Wohltätigkeitsorganisationen auf der ganzen Welt unterstützt werden. Viel Geld sei das aktuell nicht, gesteht Vogt. „Wirtschaftlich muss ich noch einiges lernen, aber ich bin optimistisch, dass es sich irgendwann auch finanziell lohnt“, betont er. Unabhängig davon genießt er seine Arbeit mit Felini: „Für mich ist das eine Herzenssache.“

Felini – und seinem Erschaffer Tilman Vogt – liegen auch Großkatzen am Herzen. Ein Teil der Einnahmen kommt Tigern, Löwen und Co
Felini – und seinem Erschaffer Tilman Vogt – liegen auch Großkatzen am Herzen. Ein Teil der Einnahmen kommt Tigern, Löwen und Co. zugute.
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