Pirmasens RHEINPFALZ Plus Artikel Pfälzer Telefonseelsorge in Not

Die Telefonseelsorge Pfalz bildet ab Februar neue Mitarbeiter aus, die sich ehrenamtlich engagieren.
Die Telefonseelsorge Pfalz bildet ab Februar neue Mitarbeiter aus, die sich ehrenamtlich engagieren.

Die Telefonseelsorge Pfalz sucht händeringend ehrenamtliche Mitarbeiter. Nur so lasse sich der 24-Stunden-Dienst aufrecht erhalten, schildert Leiterin Astrid Martin im Gespräch. Im Februar beginnt ein neuer Ausbildungskurs.

Astrid Martin ist seit 18 Jahren bei der Evangelisch-Katholischen Telefonseelsorge Pfalz. So wenige Bewerbungen wie in diesem Jahr habe es in dieser ganzen Zeit noch nicht gegeben, erzählt die katholische Leiterin. Sie vermutet, dass in diesem Jahr schlicht weniger Menschen vom Ehrenamt bei der Telefonseelsorge erfahren haben, als sonst.

Das will sie dringend ändern, denn nur, wenn sich neue Ehrenamtliche finden ließen, könne der 24-Stunden-Dienst der Telefonseelsorge Pfalz aufrecht erhalten werden, betont Martin. Derzeit gebe es rund 80 Ehrenamtliche, die im Schichtdienst eingesetzt seien. Das Alter sei ganz unterschiedlich, die jüngste Mitarbeiterin sei Mitte 20, das älteste Teammitglied um die 80 Jahre alt, erzählt Martin. Um dieses Team zu verstärken und die Personen zu ersetzen, die sich beispielsweise wegen einer Erkrankung nicht mehr einbringen können, sucht die Einrichtung Unterstützung.

Ehrenamt mit großer Wertschätzung

„Es ist ein sinnvolles, erfüllendes Ehrenamt, mit einer guten Organisation dahinter und einer großen Wertschätzung“, betont die Leiterin. Bevor es für die neuen Ehrenamtlichen ans Telefon geht, erhalten sie eine eineinhalb-jährige Ausbildung, die rund 200 Unterrichtsstunden umfasst. Alle drei Wochen an einem Samstag und einem zusätzlichen Abend findet die Ausbildung in Kaiserslautern statt. Hier ist der Sitz der Einrichtung, dort stehen auch die Telefone. Ihr Einzugsgebiet erstreckt sich jedoch über die ganze Pfalz. Das gelte für die Anrufer genauso wie für die Ehrenamtlichen. So gebe es beispielsweise Menschen aus Pirmasens, Neustadt und Landau, die regelmäßig das Telefon in Kaiserslautern abheben.

Wichtig für beide Seiten sei dabei die absolute Anonymität, betont Martin. So nennt auch die 70-jährige Mitarbeiterin, die seit drei Jahren bei der Telefonseelsorge tätig ist, ihren Namen nicht, erzählt aber gerne von ihren Erfahrungen. Sie habe während ihres Berufslebens keine Zeit gehabt, sich ehrenamtlich zu engagieren. Für die Rente habe sie sich jedoch eine sinnvolle Tätigkeit suchen wollen und sei dabei auf die Telefonseelsorge gestoßen. „Es ist sehr bereichernd, dass ich das erleben darf“, schildert sie. So ändere der Kontakt mit den Menschen, die anriefen, die eigenen Perspektiven. Hier sehe man Nöte, die man im Alltag nicht im Blick habe. Diesen Menschen ein offenes Ohr zu schenken, bringe selbst eine große Zufriedenheit, es komme viel Positives zurück. „Wir hören oft ein ,Danke, dass sie da sind’“, berichtet sie von ihren Erlebnissen.

Voraussetzungen für die Mitarbeit

Wer sich für die Mitarbeit interessiert, sollte gewisse Voraussetzungen mitbringen, die sich im Detail auf der Homepage der Telefonseelsorge finden. Dazu gehöre etwa die Fähigkeit, sich in andere Menschen einfühlen zu können, erklärt Martin. Auch eine gewisse Belastbarkeit sei wichtig, da es teilweise heftige Situationen gebe, die es auszuhalten gelte. Entscheidend sei zudem die Teamfähigkeit. „Sie sind zwar am Telefon allein, sonst machen wir aber alles im Team“, betont die Leiterin.

Nach der Ausbildung gebe es einmal im Monat eine Supervision, in der die Ehrenamtlichen in ihrer Arbeit begleitet werden, weiter gebe es jährliche Fortbildungsangebote. „Es ist immer jemand da, mit dem man unmittelbar reden kann“, sagt Martin. Das gelte auch nachts, zwar sei dann in Kaiserslautern nur ein Telefon besetzt, doch die Mitarbeiter könnten sich selbst immer telefonisch Rat holen.

Die Themen, mit denen sich die Menschen melden, seien vielfältig. Nachts beispielsweise seien es häufig Personen, die unter Angst- und Panikattacken litten oder in einem Gedankenkarussell gefangen sind, das sie nicht schlafen lasse. Regelmäßig meldeten sich auch Menschen, die in ihrem Alltag extrem einsam sind. Bei manchen Nöten falle das Schreiben leichter als das Sprechen, etwa bei Suizidgedanken, erklärt Martin. Kaiserslautern bietet neben der Telefonseelsorge auch die Seelsorge per Chat an.

Kontakt

  • Wenn Sie in Not sind und Hilfe brauchen, erreichen Sie die Telefonseelsorge unter den kostenlosen Nummern 0800/1110111 oder 0800/1110222. Die Chat- oder E-Mail-Hilfe erreichen Sie über die Homepage www.telefonseelsorge-pfalz.de.
  • Wenn Sie sich für das ehrenamtliche Engagement interessieren: Infos finden sich auf der Homepage www.telefonseelsorge-pfalz.de unter dem Punkt „Mitarbeit“. Die Geschäftsstelle erreichen Sie via Telefon: 0631/67700 oder per Mail an info@telefonseelsorge-pfalz.de.
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