Pirmasens Party auf dem Dixi-Klo

Rapper, Komiker, Handwerker, It-Boy: Dirk Witek alias MC Fitti hat viele Gesichter. Der vollbärtige Sonnenbrillenträger mit Baseball-Cap wird der Helge Schneider der Hip-Hop-Musik genannt und gefeiert als Erfinder des Rave-Rap. Sein Debütalbum „#Geilon“ war ein Riesenerfolg und bescherte ihm zahlreiche TV-Auftritte. Dadaistische Wortkreationen wie „Bestello“ oder „Übelstweltraum“ gehören seitdem zur Jugendsprache. Jetzt präsentiert der gebürtige Gifhorner sein aktuelles Album „Peace“ auf einer Tour; am kommenden Sonntag gastiert er in der Kaiserslauterer Kammgarn. RHEINPFALZ-Mitarbeiter Olaf Neumann wollte von dem gelernten Elektriker wissen, warum er Arbeit „mega geil“ findet und welche skurrilen Abenteuer er in Los Angeles erlebt hat
Der Hauptgrund, weshalb ich in L.A. war, war eine Fernsehserie für Vox. Da ich zu dem Zeitpunkt gerade in der Albumproduktionsphase war, habe ich alle Jungs nach L.A. eingeladen, mit denen ich immer zusammen abhänge. Das erste, was mich an L.A. beeindruckte, war natürlich die Sonne, ne. Megakrass, dass es da so warm ist! Ist ja alles anders da bei den Amis, die sind immer ein Stück weit voraus. Dann habe ich gedacht, ist bestimmt ziemlich geil, wenn man da abhängen kann. Man hat da einen komplett anderen Vibe. Ich weiß nicht, wie es gewesen wäre, wenn ich hier jetzt so im Winter in Berlin gewesen wäre. Woran machen Sie fest, dass die Amerikaner immer einen Schritt weiter sind? An der Musik. Ich mache zwar nicht solche Musik wie die, aber was da im Radio läuft, hörst du hier erst Monate später. Auch bei Klamotten sind die Amis immer ziemlich weit fortgeschritten. Ich habe mir die Basics gekauft, die da günstig sind. Son Satz Hosen. Ihr aktuelles Album heißt „Peace“. Sind Sie ein Enkel der Hippie-Bewegung? Kann sein. Schon vor L.A. hatte ich Bock, in die Hippie-Richtung zu gehen. Vor Ort habe ich dann mal von Venice Beach in Richtung Malibu geguckt. Dort suchte ich nach der Höhle von Jim Morrison, wo er seine Texte geschrieben hat. Haben Sie sie gefunden? Ja. Aber es hat lange gedauert, weil keiner darüber so richtig geredet hat und es nur ein paar Anhaltspunkte gab. Man musste eine Straße bis zum Schluss fahren, dann kam ein Schotterweg. Da waren so Pfeile aus Stein, aber wir sind trotzdem rumgeirrt. Irgendwann kamen wir an einem alten Cadillac vorbei. Von da war es dann nicht mehr weit bis zur Höhle. Morrison hat dort ein paar Sachen in Stein geritzt, man weiß aber nicht, ob das hundertprozentig von ihm ist. Es eröffnete sich einem eine eigene Welt in dieser Höhle, und man hatte von da einen mega Ausblick. Was verbindet Sie mit Jim Morrison? Zwischen uns liegen Welten, ich selbst bin kein Typ, der nicht mehr so richtig aus den Augen gucken kann. Aber seine Musik finde ich super, auch interessiert mich, wie sie entstanden ist. „Arbeit macht mega Bock“ heißt Ihre Hommage an die Maloche auf dem Bau. Sie waren früher selbst Handwerker. Hat Ihnen die Arbeit Spaß gemacht? Ich bin tatsächlich ausm Handwerk. Ich fand das ganz cool, das mal in einem Lied so auszudrücken. Einerseits ist das ironisch, andererseits ist es auf dem Bau ja wirklich so: Party auf dem Dixi-Klo! Man hat ums Dixi-Klo rum die Maurer und Zimmermänner getroffen und sich unterhalten. Auch die Doppelschicht kenne ich selber ausm Leben. Heutzutage muss man immer viel arbeiten, damit man über die Runden kommt. Manche Leute haben drei Jobs. Aber man ist ja nicht die ganze Zeit nur am Ackern, man hat nebenbei auch Spaß, indem man mit den Kollegen rumalbert. Wie schwer mussten Sie ackern, um diese Platte zu machen? Oh, das war echt hart. Ich habe natürlich gedacht, yo, zweites Album, easy, ne. Das erste Album ging ja locker von der Hand. Als ich dann den Abgabetermin fürs zweite hatte, kam Vox dazwischen. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass ich nach Los Angeles fliege und ein TV-Ding mache. Dazwischen kam noch eine Live-Tour, während dieser Zeit konnte ich nicht im Studio abhängen. Nebenbei habe ich ein Buch geschrieben. Am Ende hatte ich mega viel Arbeit in dieses Album gesteckt. Zwischendurch war ich auch ein bisschen krank, dann hängst du da im Studio und pfeifst aus dem letzten Loch. Krasse Sache. Ich hatte auch keinen Bock „Geilon 2“ rauszubringen, die Texte sollten noch besser sein, ich wollte zeigen, wie ich gut ich nach 200 Konzerten rappen kann. Sie rufen dazu auf, fünf gerade sein zu lassen und auch mal Pause zu machen. Wie anstrengend ist der Job des Spaß-Rappers wirklich? Es gibt auf jeden Fall stressige Phasen, weil ich manchmal zehn Termine am Tag habe und zwischen zwei Städten hin- und hereiern muss. Dann fliegst du irgendwohin und wirst da mit dem Nightliner eingesackt. In dem Moment raucht dir die Birne. Aber im Großen und Ganzen macht es Spaß, weil ich echt viel rumkomme. Wie kommen Sie nach einem Stresstag wieder runter? Ich habe wenig Freizeit, bin aber viel mit meinen Jungs unterwegs. Mit denen kann ich mich auf der persönlichen Ebene austauschen. Oder einfach mal die Füße hoch legen und im Hotel einen Film zusammen gucken. Locker machen, ne. Darüber habe ich den Song „Mama halblang“ gemacht. Verbirgt sich hinter Ihren ironischen Songs eine ernste Botschaft? Es gibt auf jeden Fall versteckte Botschaften in dem einen oder anderen Lied. „Paradies aus Glas“ ist zum Beispiel ein Stück über ein Thema, dass ich mal in die Medien bringen wollte: Pfandsammler. Das ist für die nämlich ein Business. Im Video zu „Paradies aus Glas“ präsentieren Sie sich augenzwinkernd als Gangsta-Rapper, der vom Flaschenpfand reich wird... ... es ist natürlich klar, dass die Pfandsammler nicht reich werden, wie ich es in dem Video ausdrücke. Aber ich wollte Menschen in einer anderen Liga mal zeigen, dass das ja alles bares Geld ist. Die meisten schmeißen ihre Pfandflaschen nämlich einfach weg. Man kann die Flasche aber auch neben den Mülleimer draußen stellen. Oder sie den Jungs, die da vorbeikommen, direkt geben. Für viele, die wenig Geld haben, ist das Pfand-Ding super wichtig. Was sie machen, ist ein richtiger Job. Das finde ich sehr lobenswert. Ich wollte aufzeigen, dass man mit Pfandflaschensammeln ein bisschen besser über die Runden kommen kann. Vor Ihrer musikalischen Karriere arbeiteten Sie beim Film. So bauten Sie die Kulissen für den Oscar-gekrönten Streifen „Das Leben der Anderen“. Welche Abenteuer haben Sie auf dem Set erlebt? Das größte Erlebnis war die viele Arbeit, bis zu 15 Stunden am Stück und zwischendurch nur wenig Schlaf. Im Film sollte von den Schauspielern ein Spionagedraht hinter die Tapete und um die Ecke geschoben werden. Wie macht man das aber möglich? Wir haben dann eine kleine Spur gefräst und da Tapete drüber gemacht. Das hat aber nicht so gut funktioniert, deshalb war da richtig Terror angesagt. Wie sind Sie zum Film gekommen? Ich bin aus Gifhorn, hab’ ’ne Elektrikerausbildung gemacht und bin dann über ein Praktikum in Berlin gelandet, wo ich in einer Künstler-WG gewohnt habe. Ich fand Filmeschneiden cool, nebenbei ging das mit dem Kulissenbau los. Da ich Handwerker bin, lag mir das Sägen und Hämmern. Das war schon geil.