Pirmasens
Parkplatz hinterm C&A: Die Frau im Kassenhäuschen kennt ihre Kunden ganz genau
„Ach, hallo, auch wieder da?“ Schon wieder biegt ein Auto von der Christiansgasse auf den langgezogenen Parkplatz hinter dem C&A ein. Sabine Neger, nickt, lacht, winkt. Nur rein, noch sind einige Lücken frei. 50 Stellplätze umfasst die Fläche, die sie seit etwas mehr als zwei Jahren von C&A gepachtet hat. Für welche Summe, das will sie nicht sagen. „Die sind ja froh, wenn es jemand macht.“ Die Parkgebühr wiederum sei seit einer gefühlten Ewigkeit dieselbe: 80 Cent kostet die Stunde; C&A-Kunden zahlen weniger.
Reichtümer können sie und ihr Mann Wolfgang Matheis damit nicht anhäufen. Je nach Öffnungszeiten sind es zwischen sieben und zehn Stunden täglich, die sie Montag bis Samstag hier verbringen. Matheis ist freischaffender Musiker; die meisten Schichten stemmt seine Frau. Strammes Programm, vor allem im Winter. Die Arbeit umfasst nicht nur das Abkassieren, auch das Gelände muss in der Reihe gehalten werden. Winterdienst, Laub wegmachen, fegen: „Ich will, dass es schön sauber ist“, erklärt die Chefin. Wer Tag für Tag über den Parkplatz wacht, muss es doch wissen: Sind Frauen oder Männer die besseren Einparker? Das Urteil der Fachfrau: „Da gibt’s keinen Unterschied.“
Sie arbeitet schon mehr als 15 Jahre hier
Ein Lastwagen rollt heran. Der Fahrer will hier nicht parken, aber wenden. Ehemann Wolfgang Matheis hilft als Einweiser. Nicht, dass der Riese das Kassenhäuschen rammt. Der kleine angegraute Container, der schon da war, als Sabine Neger vor über 15 Jahren als Angestellte im Kassenhäuschen anfing, strahlt etwas Heimeliges aus. Auf kleinstem Raum finden sich Bürostuhl, Schreibtisch, Radio, Kapsel-Kaffeemaschine und, ganz wichtig, ein Heizlüfter. So weit das Funktionale.
Draußen gibt’s je nach Jahreszeit was fürs Auge: Aufkleber mit Wintermotiven und eine Lichterkette. „Schatz, schalt mol es Licht aan“, bittet Neger ihren Mann, der an diesem Wintermorgen mit ihr Dienst macht. Lichterglanz erhellt das Fensterchen. Die Chefin strahlt. „Es is jo net wie bei arme Leit“, scherzt die Mittfünfzigerin. Das Ehepaar ist noch nicht allzu lange zurück nach Geiselberg gezogen, wo Neger ursprünglich herkommt. „Dorfkind bleibt Dorfkind“, sagt sie. Da ist es wieder, dieses herzliche Lachen.
Kundschaft bringt Bratwurst, Kaffee und Schal
Das nächste Auto naht. „Oh, das sind auch zwei ganz Liebe“, sagt Neger und lächelt. Wieder freundliches Winken hinterm Steuer; sie grüßt freudig zurück. „Die Frau hinterm C&A“ kennt sie fast alle, viele sogar beim Namen. Sie weiß, wer wo arbeitet, wer weshalb wo zum Arzt muss, fragt auch mal, wie’s dem Mann oder den Enkelkindern geht. Etwa 75 Prozent der Kunden seien Stammkunden, viele davon älteren Semesters. „Bei uns geht’s familiär zu. Die Leute kommen gerne zu mir“, erklärt Neger. Und das geht sogar so weit, dass die Kundschaft ihr Geschenke bringt. „Mal eine Bratwurst oder einen Kaffee“, zählt sie auf, und nicht zu vergessen die ältere Dame, die ihr vom Einkauf sogar einen Schal mitbrachte, weil Neger ihren vergessen hatte und in dem kleinen Kassenhäuschen fror. Umgekehrt war sie schon Helferin in der Not: Für eine Seniorin, die ihr Auto suchte und nicht fand – weil sie gar nicht bei ihr parkte. Und auch für Schüler des Leibnizgymnasiums, deren Eltern nicht kamen, um sie abzuholen.
Sabine Neger liebt ihre Arbeit, schon allein wegen der Kundschaft. Sie kann sich keinen anderen Job vorstellen. Nur eine Sache stört sie: Wenn Stadtspitze und Wirtschaftsförderung die Geschäftsleute aus der Innenstadt zum Gespräch einladen, werde sie jedes Mal vergessen. Eigentlich verwunderlich – „die Frau hinterm C&A“ ist längst eine Institution.
