Pirmasens / Germersheim RHEINPFALZ Plus Artikel Otto Sauter spielt zusammen mit ukrainischen Musikern in Pirmasens

Zusammen mit seiner Frau, der Kulturmanagerin Sabine Kierdorf, hat Otto Sauter eine Benefiz-Tournee in Deutschland organisiert.
Zusammen mit seiner Frau, der Kulturmanagerin Sabine Kierdorf, hat Otto Sauter eine Benefiz-Tournee in Deutschland organisiert.

Otto Sauter ist ein weltweit gefragter Trompeter. Am Freitag tritt er neben ukrainischen Musikern in Pirmasens auf – eine Benefiz-Tournee, die auf die Schnelle organisiert wurde. Von der Entstehungsgeschichte und Emotionen bei den Konzerten hat er Philipp Jung berichtet.

Herr Sauter, die Konzertreihe wurde ja ziemlich spontan ins Leben gerufen. Wie war es möglich, in kurzer Zeit gleich eine ganze Tournee zu organisieren?
Das war so: Meine Frau und ich waren gerade beruflich unterwegs, als wir Kontakt mit Andriy Ilkiv hatten, der ebenfalls Trompeter ist, mit dem wir regelmäßig zusammenarbeiten und der auch bei dem Konzert in Pirmasens mitwirkt. Er hat uns eine schlimme Geschichte erzählt. Er war mit seiner Frau und seinen Schwiegereltern in einem Landhaus, das etwa ein, zwei Stunden von Kiew entfernt liegt. Denn in Kiew hatte es zu diesem Zeitpunkt schon öfter geknallt. Wegen eines mulmigen Gefühls angesichts des Krieges beschlossen sie aber eines Abends, am nächsten Morgen wieder von dort abzureisen. Und tatsächlich: Eine halbe Stunde nach ihrem Aufbruch wurde das Dorf, in dem sich das Landhaus befindet, zerstört. Andriy Ilkiv sagte uns dann, dass das Kultusministerium ihm, seiner Frau und den Musikern des Ensembles eine Reise nach Deutschland erlauben würde, wenn sie Konzerte geben würden, die uns hier die Schönheit der ukrainischen Kultur nahebringen, in einer Zeit der negativen Nachrichten. Für die Organisation der Konzerte hat er sich an uns gewandt. Wir hatten 14 Tage Zeit – für die Planung einer Tournee. Der Vorlauf für so etwas ist normal viel länger. Wir haben die Konzertreihe allein über freundschaftliche Kontakte auf die Beine stellen können – in Pirmasens über Bernd Hummel.

Sie treten zusammen mit Andriy Ilkiv, seiner Frau Nataliia Ilkiv und dem Ensemble Kyiv-Brass auf. Die Tournee ist ziemlich bald nach der Anreise der Musiker gestartet. Hatten Sie Gelegenheit, zusammen zu proben?
Ja. Vier, fünf Tage vor Beginn der Tournee waren die Musiker in Deutschland und haben zusammen geprobt. Ich bin dazugekommen, habe einmal mit der Pianistin Nataliia Ilkiv und zweimal mit dem Ensemble proben können. Das lief alles gut. Allerdings: Als das mit der Tournee klar wurde, waren die Musiker alle schon außerhalb von Kiew. So hatte etwa der Tubist des Ensembles seine Tuba in Kiew zurückgelassen – und wir mussten ihm für die Tour eine organisieren. Das war aber auch kein Problem. Nach den ersten vier Wochen der Tournee hieß es, wir bekommen eventuell eine Verlängerung. Das hat tatsächlich auch geklappt. Deswegen können wir jetzt auch in Pirmasens spielen.

Wie fiel bislang die Resonanz des Publikums bei den Konzerten aus? Einige sind ja schon absolviert.
Ich muss sagen: Ich kenne Andriy Ilkiv und weiß, dass er ein fantastischer Trompeter ist. Ich hatte das Ensemble Kyiv-Brass vor unserer Tournee in dieser Zusammensetzung noch nicht gehört. Als ich das Quintett zum ersten Mal hörte, konnte ich nur sagen: allererste Sahne. Die Reaktion des Publikums am Ende des Konzerts ist im Grunde überall gleich, egal ob Dresden, Berlin oder anderswo: Die Leute sind einerseits begeistert, andererseits aber auch zu Tränen gerührt. Andriy Ilkiv erzählt dem Publikum nämlich auch Geschichten über das, was in der Ukraine passiert.

Können Sie einen Einblick in die Stücke geben, die bei den Konzerten vorgetragen werden?
Eine große Rolle spielt Johann Sebastian Bach. Dann steht zum Beispiel noch das Vivaldi-Konzert für zwei Solo-Trompeten auf dem Programm, außerdem Georg Philipp Telemann. Das Besondere aber ist: Die ukrainischen Melodien, die man bei diesen Konzerten zu hören kriegt, gehen einem wirklich ans Herz. Das sind einfach sehr schöne Melodien.

Sie sind ja viel unterwegs, geben Konzerte und üben Lehrtätigkeiten aus. Mussten Sie für die spontan organisierte Tournee andere Projekte hinten anstellen?
Ja, ich hätte zum Beispiel in der Woche ab Ostermontag nach Stockholm gemusst. Und generell konnte ich nicht alle Konzerte annehmen. Ich konnte auch nicht bei allen Tourneeterminen dabei sein, versuche aber schon möglich zu machen, was möglich ist.

Info

Das Konzert mit Otto Sauter, Andriy Ilkiv, Nataliia Ilkiv und dem Quintett Kyiv-Brass findet am Freitag, 13. Mai, 19.30 Uhr, in der Lutherkirche in Pirmasens statt. Der Eintritt ist frei, um Spenden wird gebeten. Tags darauf gibt es einen weiteren Tourneetermin in der Pfalz: in der Versöhnungskirche in Germersheim, 19.30 Uhr.

Zur Person: Otto Sauter

Otto Sauter wurde im Juni 1961 in Tengen am Bodensee geboren. Seine Spezialgebiete sind die Barockmusik und die Piccolotrompete, mit der er bereits in allen großen Konzertsälen aufgetreten ist. Mit vier Jahren erhielt er den ersten Trompetenunterricht. Mit 16 Jahren begann er sein Studium am Konservatorium in Winterthur. Er ist heute einer der gefragtesten Solisten auf der Piccolotrompete und spielte auch schon in London in Anwesenheit von Prinz Charles. An internationalen Hochschulen übt Otto Sauter eine rege Lehrtätigkeit aus.

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