Pirmasens OB Matheis ärgert Vorgehen von Spiegel TV

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OB Bernhard Matheis steht zu seiner Entscheidung, Spiegel TV kein Interview gegeben zu haben. Was ihn an der Sendung über „Armut in Pirmasens“ am meisten geärgert hat: dass Menschen vorgeführt wurden, um eine Story zu erzählen, die vorher schon fertig geschrieben war.

Oberbürgermeister Bernhard Matheis ist überzeugt: Spiegel TV hatte ein vorgefertigtes Bild von der „Armut in Pirmasens“, das exakt so über den Sender gehen sollte, und das er auch mit einem Interview nicht hätte zurecht rücken können. „Ich lasse mich nicht zur Staffage einer solchen Berichterstattung machen“, verteidigte er sich gestern gegen Vorwürfe, er hätte in einem Gespräch vor der Kamera das schiefe Bild, das Spiegel TV von Pirmasens gezeichnet hat, gerade rücken können. Hätte er mit der Spiegel-TV-Journalistin Vanessa Schlesier ein Vorgespräch führen können, wäre er eventuell zu einem Interview bereit gewesen. Aber dem war nicht so, sagte Matheis, Spiegel TV habe freitags angefragt, ob er montags zur Verfügung stehe. Die bisherigen Erfahrungen mit Privatsendern hätten ihn gelehrt, dann lieber auf das Interview zu verzichten. Als „einigermaßen erschütternd“ empfand es Matheis, wie das Fernsehteam die Familie Zwally, den Sozialarbeiter und andere Interviewpartner vorgeführt habe, „nur um eine Story zu erzählen, die vorher schon fertig geschrieben war“. Was nach Ansicht von Matheis (und anderer Kritiker der Sendung) gar nicht geht: dass Kinder zu Objekten der Berichterstattung gemacht wurden, ohne dass die Eltern um Erlaubnis gefragt wurden. Zum Beispiel das Mädchen, das unverpixelt in den Räumen des Kinderschutzbundes über seine Mutter lästerte. Den Verantwortlichen beim Kinderschutzbund wollte Matheis keinen Vorwurf machen. Sie seien von dem Fernsehteam überrumpelt worden. Das gilt wohl auch für den Sozialarbeiter, der in der Sendung zu Wort kam. Der Mann sei Mitarbeiter der Jugendhilfe Jona und Jona betreue im Auftrag der Stadt Pirmasenser Familien, sagte Matheis. Besagter Mitarbeiter habe die Journalistin von Spiegel TV aufgefordert, das Gespräch mit ihm nicht zu senden, auch der Leiter der Jugendhilfe Jona, Dietmar Bäuerle, habe interveniert, um die Ausstrahlung der Passage mit seinem Mitarbeiter zu verhindern. Vergeblich. Dass Spiegel TV ein „vollkommen falsches Bild der Stadt Pirmasens“ gezeigt habe, das habe nicht an der Stadtverwaltung gelegen, sagte Matheis gestern. Die Stadt stand in Kontakt zur Journalistin Schlesier und habe ihr jede Menge Daten zu Pirmasens geliefert, nicht zuletzt auch Informationen über den Pakt für Pirmasens, ein Paradebeispiel für Kinderhilfe in der Stadt. Es wäre Schlesiers Aufgabe gewesen, diese Daten mit Sorgfalt auszuwerten und zu verwerten. Aber der Sender habe ein vorgefertigtes Konzept, das dafür keinen Spielraum lasse. Das Positive an der Sendung seien die vielen Rückmeldungen gewesen, die er erhalten habe, sagte Matheis. Einmal mehr habe sich gezeigt: Wenn Pirmasens von außerhalb schlecht geredet wird und den Pirmasensern jemand auf die Füße tritt, dann rücken sie zusammen. Auch kommunalpolitisch wird die Spiegel-TV-Sendung noch ein Nachspiel haben. Im Hauptausschuss will Matheis den Fernsehbeitrag demnächst zum Thema machen.

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