Pirmasens "Nur noch an die Wand gefahren": Leiter der Ärztlichen Bereitschaftspraxis Pirmasens wirft hin

Günter Zinßius hat die ärztliche Bereitschaftspraxis in der Pettenkoferstraße verlassen.
Günter Zinßius hat die ärztliche Bereitschaftspraxis in der Pettenkoferstraße verlassen.

Günter Zinßius, Leiter der Ärztlichen Bereitschaftspraxis in der Pettenkoferstraße, hat nach 19 Jahren Engagement das Handtuch geworfen. „Es sind keine Altersgründe“, sagt er, „sondern ich bin in letzter Zeit bei der Kassenärztlichen Vereinigung nur noch an die Wand gefahren.“

Aufgebaut hat Günter Zinßius die Ärztliche Bereitschaftspraxis, ehemals Notfalldienstzentrale, im Jahr 2000. Anfänglich hatte die Zentrale nur dann geöffnet, wenn Haus- und Fachärzte ihre Praxen geschlossen hatten: mittwochs nachmittags und freitags ab 16 Uhr durchgehend bis montags um 7 Uhr. Im Sommer 2016 wurde der Service erweitert. Der ärztliche Bereitschaftsdienst war seither auch nachts Anlaufpunkt für Patienten. „Als wir im Jahr 2000 aufgemacht haben, waren wir selbstständig und haben hier vor Ort die Entscheidungen treffen können“, sagt Zinßius. Dann sei der gesamte Bereitschaftsdienst bei der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Rheinland-Pfalz in Mainz zentralisiert worden. „Wir wurden dann ganz offiziell eine Einrichtung der KV. Das war damals noch kein Problem, aber in den vergangenen Jahren hat die KV mit dem zuständigen Ressort Bereitschaftsdienstordnung die Entscheidungen an sich gezogen, die dann aus der Ferne am grünen Tisch gefällt wurden, ohne die Arbeitsbedingungen vor Ort wirklich zu kennen.“

Unzufriedenheit unter Kollegen

Zinßius beklagt, dass seine Kompetenzen immer mehr beschnitten wurden. „Unerledigtes blieb unerledigt. Die Ausstattung der Zentrale hat darunter gelitten.“ Als Beispiel führt er an, dass er früher, wenn etwas gefehlt habe, den Medizinbedarf selbst besorgte. Bei einer Firma in Landau gab er jede Woche die Bestellung auf, die dann auch freitags geliefert wurde. „ Wir waren immer gut versorgt. Jetzt wird von der KV bei irgendeiner Firma bestellt und die benötigt manchmal Wochen, bis sie liefert. Es herrscht auch ein bisschen Unzufriedenheit unter den Kollegen bei uns, weil das Equipment schlechter geworden ist.“ Die Finanzen werden ebenfalls in Mainz abgewickelt. Zinßius sagt, dass Pirmasens früher einen eigenen Etat hatte, der von der KV buchhalterisch verwaltet wurde. „Ob ich ein medizinisches Gerät jetzt kaufe oder nicht, war meine Entscheidung. Heute darf ich noch nicht einmal mehr eine Batterie kaufen.“

Schlechte Versorgung durch Personalnot

Die Notdienste hingegen durfte er noch einteilen. „Die ganzen Jahre über konnte ich auf rund 50 Ärzte und Helferinnen zurückgreifen, die sich freiwillig gemeldet hatten. Es war eine Mischung aus externen Ärzten, also nicht Niedergelassenen und Krankenhausärzten. Aber auch ältere, schon berentete Kollegen und Ärzte aus anderen Bezirken, zum Beispiel Landstuhl, Zweibrücken und Kaiserslautern, waren im Einsatz.“ Zinßius hat im halben Jahr höchstens sechs oder sieben Mal Dienste verpflichtend auslosen müssen. Jetzt trete am Jahresende eine Situation ein, „dass wir 13 Tage hintereinander die alleinige medizinische Versorgung für die Stadt haben sollen. Das ist vom Personal her nicht einzuteilen und somit eine schlechte Versorgung der Bevölkerung“. Er habe seine Bedenken in Mainz vorgebracht, sei aber mit der Antwort abgespeist worden, dass nach den Bestimmungen der Notdienstordnung keine Ausnahmen gemacht werden könnten. Solche Beispiele, die bei ihm mehr und mehr Unmut aufgestaut hätten, könne er stundenlang erzählen. „Kurzum ist eine Situation entstanden, hinter der ich nicht mehr verantwortlich stehen kann.“

Stellvertreter übernimmt die Leitung

Dennoch verlässt er die Bereitschaftspraxis mit einem weinenden Auge, war Zinßius doch mit viel Engagement bei der Sache. „Über einen Zeitraum von mehr als 18 Jahren ist eine kompetente und sich an die Notwendigkeiten der alltäglichen Arbeit angepasste gute Einrichtung entstanden. Die Pirmasenser Zentrale ist zu einem nicht mehr wegzudenkenden Instrument der ärztlichen Versorgung für unsere Region geworden“, schreibt er in einem Abschiedsbrief an seine Kollegen und an die Helferinnen. Laut Zinßius sei die Bereitschaftspraxis bei der Bevölkerung bekannter geworden. Dazu sei aber auch viel Informationsarbeit über die Jahre hinweg nötig gewesen. Dennoch könne man noch nicht von einem Optimalzustand sprechen. Die Ambulanz im Krankenhaus müsse noch zu viele Bagatell-Erkrankungen versorgen. Die Leitung der Bereitschaftspraxis ist zum 1. Juli auf Werner Alexander Littig übergegangen, seit zwei Jahren Zinßius’ Stellvertreter und pensionierter Hausarzt aus Clausen.

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