Pirmasens
Notbremse: Wie die Kindergärten mit der Ungewissheit umgehen
Eine Rückkehr zum „Regelbetrieb unter Corona-Bedingungen“ ist erst wieder möglich, wenn die Sieben-Tage-Inzidenz an fünf aufeinanderfolgenden Tagen unter dem Schwellenwert von 165 bleibt. Das Land Rheinland-Pfalz bat am Freitag die Eltern, ihre Kinder wann immer möglich zu Hause zu betreuen. „Erneut kam die Ansage der Landesregierung recht kurzfristig. Es war schon Freitagmittag, als wir unsere Eltern darüber unterrichten konnten, dass die Kita in dieser Woche geschlossen ist“, erzählt Dorothee Wölfling, Leiterin des städtischen Kindergartens Ruhbank. Erst als die Kinder abgeholt wurden, konnten die Mitarbeiter die Eltern informieren. „Dennoch waren unsere Eltern sehr kooperativ und haben die Entscheidung der Politik mitgetragen. Sie waren der einhelligen Meinung, dass eine Woche Notbetreuung durchaus machbar ist“, sagt Wölfling, deren Einrichtung aktuell 40 Kinder besuchen. 17 Familien nutzten in dieser Woche die Notbetreuung auf der Ruhbank.
Zwei Kita- und eine Krippengruppe beherbergt das Haus des Kindes auf der Husterhöhe. Leiterin Susanne Schmechel hätte sich am Freitag klare Vorgaben des Landes gewünscht, sagt sie im RHEINPFALZ-Gespräch. „In dem Schreiben an die Kindergärten steht, dass berufstätige Eltern, die die Notbetreuung in Anspruch nehmen, dies glaubhaft darlegen müssen. Ein schriftlicher Nachweis vom Arbeitgeber sei aber nicht erforderlich. Für uns ist das nichts Halbes und nichts Ganzes. Vor allem störe ich mich an der Formulierung ,glaubhaft darlegen’ – was soll das sein?“, fragt Schmechel.
Manche Eltern fühlen sich schuldig
Alle Beteiligten, sowohl die pädagogischen Fachkräfte als auch die Eltern, hätten kein gutes Gefühl. „Es gibt auch Eltern, die fühlen sich irgendwie schuldig, wenn sie ihre Kinder in die Notbetreuung bringen, obwohl sie berufstätig sind und schlicht und ergreifend arbeiten müssen“, sagt die Leiterin weiter. Eine klare Linie der Politik müsse her – vor allem im Sinne der Kinder. So, wie die Notbetreuung in Rheinland-Pfalz derzeit geregelt sei, seien trotz Notbremse immer noch zwischen 30 bis 35 Kinder von eigentlich 47 in der Einrichtung. „Das ist dann irgendwo ein Witz“, findet Schmechel.
Sebastian Wagner, stellvertretender Leiter der städtischen Kindertagesstätte Maria-Theresien-Straße, hätte sich wie im ersten Lockdown zu Beginn der Pandemie feste Strukturen mit festen Gruppen gewünscht – „das wäre für alle Beteiligten, vor allem für die Kinder viel besser gewesen“, sagt der Erzieher. Das Festhalten an Inzidenzwerten sei für ihn nicht mehr nachvollziehbar, betont er. „Die Notbremse ist damit ein ständiges Auf und Ab, das den Kindern auf lange Sicht schadet“, mahnt Wagner, selbst Vater zweier Kinder. 90 Plätze in derzeit sieben Gruppen bietet die Einrichtung im Winzler Viertel, 70 bis 75 berufstätige Eltern nutzen aktuell die Notbetreuung.
Wie erklärt man das den Kindern?
Auch Eltern tun ihren Unmut über die Folgen der Bundesnotbremse kund: Isabell Göller, Vorsitzende des Elternbeirats der Kindertagesstätte Pfiffikus in Erlenbrunn wäre es lieber, man würde den Kindergarten ihres fünfjährigen Sohnes über mehrere Wochen geschlossen halten, statt ihn abhängig von den Inzidenzwerten zu schließen und wieder zu öffnen. „Dieses Hin und Her macht jeden mürbe“, sagt die junge Mutter. „Zudem weiß ich so langsam nicht mehr, wie ich das alles noch meinem Sohn erklären soll.“ Im Gespräch mit anderen Eltern habe sie eine gewisse Resignation festgestellt. „Sowohl die Eltern als auch die Erzieher selbst akzeptieren einfach nur noch die politischen Entscheidungen und versuchen, das Beste daraus zu machen“, erzählt die Vorsitzende des Elternbeirats.