Pirmasens Noch nichts entschieden
Es geht ums Überleben ihrer Schule. Daraus machte Maria Zinßius, Schulleiterin des Immanuel-Kant-Gymnasiums, gestern in der öffentlichen Hauptausschuss-Sitzung keinen Hehl. „Wenn wir uns nicht verändern, riskieren wir, verändert zu werden“, richtete sie einen leidenschaftlichen Appell an die Politik, ihrem Antrag, an ihrer Schule einen neusprachlichen Zweig einzurichten, zu folgen.
Wie berichtet, will das altsprachliche Gymnasium künftig neben Latein auch Englisch als erste Fremdsprache anbieten und Englisch- sowie Lateinschüler in gemeinsamen Klassen unterrichten. Nur für den Fremdsprachenunterricht sollen eigene Lerngruppen gebildet werden, erläuterte Zinßius. Die Neuausrichtung des ältesten Gymnasiums in der Stadt, das neben dem altsprachlichen einen ausgeprägten musischen Schwerpunkt hat, werde notwendig, weil immer mehr Eltern wünschten, dass ihre Kinder am Kant auch mit Englisch beginnen können. Zudem gehe landesweit das Interesse an Latein als erster Fremdsprache zurück, was sich zuletzt bei den Anmeldezahlen gezeigt hatte. Zinßius betonte: „Wir wollen altsprachliches Gymnasium bleiben, unser Angebot wird nur erweitert.“ Die stellvertretende Schulelternsprecherin Ute Jaquet-Wagner erläuterte, der Elternwille habe den Ausschlag gegeben, ein neues Konzept zu erarbeiten. Schulen seien gefordert, Eigeninitiative zu zeigen. Es war eine spannende und faire Diskussion, die Entscheidung wurde am Ende vertagt. OB Bernhard Matheis bezog nur indirekt Position. Pirmasens halte für die Größe der Stadt und das Einzugsgebiet von 80.000 Einwohnern im Kreis ein außerordentlich vielfältiges Schulangebot mit großen Auswahlmöglichkeiten vor. Es sei der Wille des Rates gewesen, dieses aufrecht zu erhalten, statt ein Gymnasium zu schließen zugunsten einer Gesamtschule. Das war die Steilvorlage für CDU-Fraktionschef Denis Clauer, der sich gegen den Kant-Vorstoß mit der Begründung aussprach, jede Schule müsse ihr eigenes Profil schärfen. Wenn jeder annähernd das Gleiche anbiete, werde es für die Eltern schwierig. Die CDU habe ursprünglich vorschlagen wollen, die Englischanfänger am Kant in Klasse fünf auf eine Klasse zu beschränken. Das sehe das Schulgesetz aber nicht vor. Dass die CDU den Antrag wohl nicht geschlossen ablehnen wird, machte Berthold Stegner deutlich. Er hat nichts gegen Wettbewerb, verglich den Antrag des Gymnasiums mit dem einer Bratwurstbude, die mit zwei Dönerständen in der Stadt konkurriere und künftig auch Döner anbieten wolle, wegen der Nachfrage. Ein Vergleich, der den Widerspruch des SPD-Fraktionsvorsitzenden Gerhard Hussong hervorrief. „Das Beispiel übersieht, dass es den Dönerbuden bereits seit 2010 möglich ist, Bratwürste zu verkaufen.“ Soll heißen: Das Kant reagiere auch darauf, dass es seit 2010 an den anderen Gymnasien ebenfalls möglich sei, das Latinum nach der zehnten Klasse zu vergeben. Hussong betonte, die SPD sei noch dabei, sich eine Meinung zu bilden. Er sehe aber, dass es nicht nur die Sprachenfolge sei, die das Kant von anderen abhebe. „Das ist eine kleine überschaubare Einheit, man muss auch die musischen Angebote zur Kenntnis nehmen, die Chorklassen beispielsweise“, so der SPD-Politiker. Stefan Sefrin (FWB) argumentierte, seine Fraktion sei dafür, das Altsprachliche „ohne Einschränkungen zu erhalten“. Alles andere führe zu einer „Verwässerung“ der Profile und dazu, dass ein Gymnasium mittelfristig überflüssig wird. Für die Grünen erklärte Hermann Schulze: „Ich bin ein Gegner von Kannibalismus, die Schulen sollten sich nicht gegenseitig Konkurrenz machen.“ Ähnlich argumentierte Frank Eschrich von den Linken. „Mit Englisch als erster Fremdsprache gibt das Kant ein Alleinstellungsmerkmal auf.“ Es komme zu einem Wettlauf, den keiner gewinnen könne. |cla