Pirmasens
„Nicht einfach durch ein anderes Kind zu ersetzen“: Gedenkfeier für Sternenkinder
„Von jetzt auf nachher ist nichts mehr, wie es war“, berichtet die evangelische Krankenhauspfarrerin Diana Lipps aus dem Leben betroffener Frauen beziehungsweise Paare. Lipps gestaltet mit ihrem katholischen Gegenpart Klaus Scheunig im Auftrag des Pirmasenser Krankenhauses die Trauerfeier Ende November. Eine Fehlgeburt bedeute: Vorfreude, Hoffnung und Lebenspläne sind mit einem Mal dahin; ein neues Leben endet, noch ehe es beginnen durfte.
Frauen, die wegen einer Fehlgeburt im Pirmasenser Krankenhaus behandelt werden, erhalten dort eine Broschüre, die auf das Sternenkinderbegräbnis aufmerksam macht. Es findet jährlich Ende November statt, am Freitag vor Totensonntag, und ist eine Sammelbestattung im Rahmen einer ökumenischen Trauerfeier. Sie beginnt in der Kapelle des Waldfriedhofs und endet am eigens für Sternenkinder geschaffenen Grabfeld auf dem Friedhof, wo die Urne eingelassen wird. Sie enthält die im Krankenhaus aufbewahrten Überreste sämtlicher Fehlgeburten der vergangenen zwölf Monate. Wobei die Eltern nach einer Fehlgeburt alternativ auch eine individuelle Bestattung organisieren können.
„Hatten keine Chance, das Leben zu teilen“
„Es ist ein anrührendes Umfeld“, sagt Lipps über das Grabfeld auf dem Waldfriedhof, in dessen direkter Umgebung sich viele Kindergräber befinden. 2022 kam Lipps als Seelsorgerin ans Pirmasenser Krankenhaus. Vor ihrem ersten Sternenkinderbegräbnis „hatte ich gehörigen Respekt“, gesteht sie. „Wenn alte Menschen sterben, berichten die Angehörigen oft von einem langen, erfüllten Leben.“ Für Sternenkinder hingegen ende das Leben, ehe es überhaupt richtig begann. „Hier hatten Eltern und Kinder gar nicht die Chance, das Leben zu teilen.“ Dennoch fühlten sich Eltern, besonders die Mütter, dem Embryo beziehungsweise Fötus verbunden.
Die Trauer, unterstreicht die Pfarrerin, orientiere sich nicht daran, in welcher Schwangerschafts- oder Lebenswoche das Kind gestorben ist. „Es ist wichtig, dass es eine solche Trauerfeier gibt und dass diese Kinder gewürdigt werden.“ An die 20 Familien hätten im vergangenen Jahr teilgenommen. Die Paare würden bei der Trauerfeier bewusst als Eltern angesprochen, auch wenn die Schwangerschaft glücklos endete. Betroffene, deren Fehlgeburt bereits Jahre zurückliegt, sind ebenfalls zur Trauerfeier eingeladen, als Möglichkeit des Gedenkens. Lipps spricht von einer „bunt gemischten“ Gruppe an Teilnehmern. Es kämen Eltern, Großeltern und auch Geschwister der Sternenkinder.
Umfeld reagiert oft wenig taktvoll
Im vergangenen Jahr hatten Betroffene erstmals die Möglichkeit, vorab eine Seite für ihr Sternenkind zu gestalten, die dann bei der Trauerfeier in ein Sternenkinder-Gedenkbuch eingeklebt wird. Das werde gut angenommen, berichtet Lipps. Außerdem erhielten die Paare eigens gestaltete Kerzen als Andenken an ihre Sternenkinder.
Die Pfarrerin kennt das Tabu, das die betroffenen Familien umfängt. Gerade Frauen fragten sich nach einer Fehlgeburt immer wieder, wieso das gerade ihnen passierte und ob sie etwas falsch gemacht hätten. Dass sie eine Fehlgeburt hatten, behielten viele Paare für sich – auch weil das Umfeld zuweilen wenig taktvoll reagiere. Sätze wie „Ihr könnt doch noch ein Kind bekommen, sicher klappt’s beim nächsten Mal“ verletzten die Betroffenen. „Das Kind, das gestorben ist, ist nicht einfach so auszutauschen durch ein weiteres“, unterstreicht Lipps. „Das ist ein Schmerz, der nicht verblasst.“ Manche Frauen nähmen direkt nach der Fehlgeburt Kontakt zu ihr auf, andere erst nach Monaten. Wichtig sei das Signal: Ihr seid in dieser Situation nicht alleine.
Info
Die Trauerfeier für Sternenkinder findet jeweils Ende November, am Freitag vor Totensonntag (dieses Jahr am 24. November), um 13.30 Uhr auf dem Waldfriedhof statt. Eltern, Geschwister, Angehörige und Freunde sind herzlich willkommen. Auch wenn der Abschied vom Sternenkind schon länger zurückliegt, sind Eltern und Angehörige zur Trauerfeier eingeladen. Wenn Betroffene die Klinikseelsorge kontaktieren, erhalten sie noch einmal eine Einladung. Kontakt: Pfarrerin Diana Lipps, Telefon 06331 714 1048 oder 714 1079, E-Mail ev.seelsorge@kh-pirmasens.de.