Pirmasens RHEINPFALZ Plus Artikel Neues Leitbild: Die Region als Paradies für digitale Nomaden

Auch für Leute, die mobil arbeiten, müsse die Verkehrsanbindung verbessert werden.
Auch für Leute, die mobil arbeiten, müsse die Verkehrsanbindung verbessert werden.

Der Tourismus soll ein bedeutender Wirtschaftsfaktor in der Stadt werden. Das ist einer der Punkte, der im Leitbild für Pirmasens zu finden sein sollte. Eine weitere Idee: die Region für digitale Nomaden attraktiver zu machen.

Die wirtschaftliche Lebensqualität war Thema im vierten Workshop für das neue Leitbild der Stadt Pirmasens. Rund 30 Bürger und Mitarbeiter der Verwaltung waren gekommen und hatten einiges an Ideen schon mitgebracht. Die Moderatoren Christian Schmoll und Sandy Amore von der Agentur Reppa, die den Leitbildprozess betreuen, brauchten gar nicht groß zum Nachdenken zu animieren. Eine übergeordnete Vision für Pirmasens als Leitstern, der die Richtung vorgibt, war laut Schmoll gesucht. Die Teilnehmer sahen als Leitmotiv das positive Denken. Pirmasens solle kreativer sein und vor allem optimistischer als bisher.

Vor allem im E-Commerce sahen gleich mehrere der Arbeitsgruppen des Workshops das meiste Potenzial für die Stadt. Als E-Commerce wird der Verkauf von Produkten über eine Internetseite bezeichnet. „Wir haben hier Firmen, die verkaufen kistenweise das Zeug aus dem Keller raus“, berichtete Wirtschaftsförderer Mark Schlick im Workshop. Für Schlick war die Absage von Lokalpolitikern an einen Nationalpark Pfälzerwald ein großer Fehler. Hier sei eine große Chance vertan worden. Im Grünen zu arbeiten und zu leben, sei nicht nur für die Pirmasenser eine verlockende Möglichkeit. Mehrere Teilnehmer berichteten von Menschen aus dem Rhein-Neckar-Raum oder Frankfurt, die gezielt nach Pirmasens gezogen sind, um hier zu arbeiten und nur noch sporadisch an den Schreibtisch im Ballungsraum zurückzukehren. „Das Grenzüberschreitende muss rausgearbeitet werden“, war eine weitere Forderung von Schlick. Andere Gruppen wollen Pirmasens als Outdoor-Naturstadt positioniert sehen.

Kritik an Hochschule Kaiserslautern

Für die digitalen Nomaden, die nur noch selten an ihren Schreibtisch in der Großstadt zurückwollen, brauche es dennoch eine bessere Verkehrsanbindung, um das Pendeln nicht zur tagesfüllenden Veranstaltung werden zu lassen, so eine Erkenntnis aus den Arbeitsgruppen. Erich Weiss (CDU), Chef der B10-Bürgerinitiative, forderte deshalb, die B10 bis 2030 komplett vierspurig auszubauen, auch wenn dann die nächsten sechs Jahre eine Großbaustelle von Hinterweidenthal bis Landau drohe. Andere wollen lieber die Bahnverbindungen nach Kaiserslautern oder Karlsruhe ausbauen.

Für die Jugend in der Stadt und dem Umland wünschten sich mehrere Arbeitsgruppen einen Ausbau der Hochschule am Standort Husterhöhe. Und hier wurde Kritik an der Hochschulleitung in Kaiserslautern laut. Die kümmere sich zu wenig um den Pirmasenser Standort und habe kein Interesse an einem Ausbau. Dabei böten sich für Pirmasens viele neue Studiengänge geradezu an. Zum Thema Wasser sei die Stadt gut geeignet und natürlich auch zum E-Commerce. Für Mark Schlick bräuchte es vor allem Studiengänge, aus denen heraus einfach neue Unternehmen gegründet werden könnten. Maschinenbau sei zwar toll, aber für eine Unternehmensgründung zu aufwändig.

Medizin statt Schuhe

Konkrete Ideen für Maßnahmen hatten die Teilnehmer ebenfalls. Eine Gruppe würde gerne im früheren Fabrikbau von Peter Kaiser in der Lemberger Straße ein medizinisches Ausbildungszentrum für Berufe rund um das Krankenhaus sehen. Andere forderten ein großes Gründerzentrum mitten in der Stadt. Das Gründerinnenzentrum Grips auf der Husterhöhe sei zwar gut gemeint, aber zu weit vom Zentrum, um wahrgenommen zu werden.

Zu der auch erhobenen Forderung von „Arbeit für alle“ gehörte für mehrere Arbeitsgruppen die Forderung nach Kindergartenplätzen für alle, die einen brauchen und deutlich mehr Plätzen mit Spätdienst. Die Stadt solle mehr auf die Kinder setzen, diese richtig sozialisieren und damit späteren Dauerarbeitslosen vorbeugen, lautete eine andere Forderung.

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