Leichtathletik
Neuer Lauftreff in Erlenbach: Coach Eichberger bringen Bewegung ins Dahner Felsenland
Samstag, 31. Januar, 14 Uhr: Auf der Seehof-Wiese, wo im Sommer die Badegäste liegen, herrscht reges Treiben. Etwa 25 Sportfreunde, viele davon im fortgeschrittenen Alter, haben sich zur ersten Trainingseinheit beim neuen Lauftreff des FC Erlenbach angemeldet. Initiator ist der laufaffine Bürgermeister der Gemeinde unterm Berwartstein, Dirk Eichberger.
Er hat zwar das Sagen in kommunalpolitischen Angelegenheiten, an diesem Tag jedoch ist er – bildhaft beschrieben – kein Dirigent, sondern Orchestermusiker. Sein Vater, Hans-Jürgen Eichberger, den die Laufszene als „Eichi“ kennt, ist der Dirigent. Zu erkennen an dem auffallend neongrünen Laufshirt mit der Aufschrift „Coach“. Der 78-jährige gebürtige Deidesheimer, der in Bad-Bergzabern wohnt, hat sich entschieden, neben bestehenden Trainerengagements, unter anderem bei einer Leistungsgruppe des TV Bad Bergzabern, auch einen reinen Freizeit-Lauftreff in Erlenbach im Dahner Felsenland anzuleiten. „Euretwegen muss ich wieder anfangen zu laufen“, scherzt er bei der Begrüßung der Teilnehmer.
Immer noch Pfalzrekordhalter im Marathon
Die Neugier ist groß, von einem der bekanntesten südwestdeutschen Läufer gecoacht zu werden. Eichberger hält seit 1981 den Pfalzrekord im Marathon. Damals finishte er den Bienwald-Marathon in 2:19,52 Stunden. Auch sein Pfalzrekord im 25-Kilometer-Straßenlauf von 1978 hat noch Bestand: 1:18,34 Stunde. Die größten Erfolge erzielte er aber im Berglauf mit dem Gewinn mehrerer deutscher Meistertitel.
Seit 40 Jahren ist er im Trainergeschäft, unter anderem in Offenbach bei Landau, Herxheim und zwei Jahrzehnte auch im französischen Wissembourg. Ihm zur Seite steht Eva Packheiser. Die 36-jährige angehende Ergotherapeutin wohnt in Birkenhördt und ist ambitionierte Läuferin. Beim Wasgau-Cup 2025 war sie Vierte der Frauen-Gesamtwertung.
Eva Packheiser hat gleich Trainer-Shirts entworfen
„Ich möchte – unter Anleitung von Eichi – dazu beitragen, die Bedeutung des Laufens weiterzugeben. Die Seele baumeln lassen, aber auch dennoch gefordert zu werden, das macht den Reiz aus“, sagt sie. Die gelernte Grafikdesignerin hat die signifikanten Trainer-Shirts für den neuen Lauftreff entworfen.
Der Coach hält inzwischen gelbe und blaue Hütchen in seinen Händen. Die Stoppuhr ist versteckt in der Jackentasche. Noch. „Rennen kann jeder für sich“, stellt er klar. Sein Sohn Dirk entfernt sich derweil mit vier Cracks von der Gruppe. „Wir laufen uns ein“, erklärt er. Der 51-Jährige ist seit einigen Jahren ambitionierter Ausdauersportler. Vor kurzem hat er bei einem Urlaub in der Karibik einen mit 470 Teilnehmern besetzten Stadtlauf in Trinidad gewonnen – und das bei 30 Grad Sonnenschein und imposanter Kulisse. Das Meer zur Linken, die Berge zur Rechten – das sorgte für zusätzlichen Motivationsschub. Eine Lokalzeitung titelte: „The German Runner“. Die Siegesprämie von umgerechnet 180 Euro hat gereicht, um mit seinen Kindern gut essen zu gehen.
Verein erhofft sich durch Lauftreff Wiederbelebung
Dirk Eichberger ist auch der Initiator der neuen Laufgruppe des Fußballclubs Erlenbach. Dort wird schon lange nicht mehr gekickt. FCE-Vorsitzender Herbert Dauenhauer schaut sich die Premierenveranstaltung an und freut sich über die gute Resonanz. Der Verein erhofft sich durch den Lauftreff eine Wiederbelebung. Auch die erstmalige Ausrichtung des „Seehof-Trails Lake & Hills“ (zehn Kilometer, 350 Höhenmeter) als Auftakt der Wasgaucup-Laufserie 2026 am Sonntag, 19. April, soll Schwung in den Verein bringen.
„Läuferspezifisches Krafttraining ist für Läufer wichtiger als das Laufen selbst“, erklärt Coach Eichberger. Sein Schwerpunkt liegt auf koordinativen Übungen, die den Bewegungsapparat positiv stimulieren. In der Fachsprache sind die Übungen als „Lauf-ABC“ bekannt. Ein Laufanfänger hadert: „Bei mir klappt es nicht gut.“ Eichbergers salomonische Antwort: „Alles gut, ein bissl gut reicht auch.“
Lauf-ABC, fünf Kilometer joggen und „Dessert“
Nach dem Lauf-ABC wird gejoggt und zwar etwa fünf Kilometer, je nach Können etwas zügiger oder gemütlicher mit Gehpausen. Lauf-Apps wie Komoot oder Strava sucht man vergeblich. „Ich habe weder ein Handy noch einen Computer“, merkt Eichberger fast amüsiert an. Seine Bücher, zuletzt „50-60-70 – für Senioren*innen und solche, die es werden wollen“, hat er handschriftlich verfasst.
Das „Dessert“ folgt am Ende jeder Trainingseinheit: „Jeder macht sein eigenes Dessert, indem er von seiner maximalen Schnelligkeit über eine gewisse Strecke 90 Prozent abruft.“ 100 Prozent werden in Eichbergers Training nicht gefordert. Das sollte dem Wettkampf vorbehalten bleiben. Wie man das Limit erreicht, ist nach Ansicht Eichbergers recht einfach zu erklären: „100 Prozent sind dann erreicht, wenn du Schnappatmung kriegst und die Zunge raushängt“, sagt er schmunzelnd.
Wer künftig mitlaufen möchte: Treffpunkt ist immer samstags um 14 Uhr am Parkplatz Seehof.