Pirmasens Nachfrage bei Waldorf-Kindergarten ungebrochen groß
Morgens in der Südwestpfalz: Im Waldorf-Kindergarten auf dem Sommerwald steht die Freude an dem, was man tut, im Mittelpunkt. Obwohl die Eltern einen Teil der Kosten übernehmen müssen, ist die Nachfrage ungebrochen groß. In Pirmasens gibt es sogar Wartelisten.
Die kleine Lotta betrachtet den Weizen, den die Kinder im entsprechenden Beet gepflanzt haben. Bald ist er reif, dann wird er gemahlen, zu Brot gebacken und gemeinsam verzehrt. Fabian spielt hingebungsvoll im Sandkasten. Konzentriert schaufelt er den Sand mit seiner Blechschippe in den metallenen Eimer. Plastik-Spielzeug sucht man vergebens im Waldorf Kindergarten auf dem Sommerwald. „Wir verwenden keinen Kunststoff, denn das ist ein totes Material“, sagt Gabriele Schwarz, die zusammen mir ihrer Kollegin Hedi Max-Kismann den Kindergarten leitet. Sie verweist auf die zahlreichen Kisten mit naturbelassenem Spielzeug, das die Fantasie und Kreativität der Kinder anregt. Tannenzapfen, unterschiedlich geformte und bearbeitete Holzstücke, Steine und anderes. Das hat was. Ich verspüre Lust, die Kisten zu durchwühlen und die einzelnen Materialien durch die Finger gleiten zu lassen. Das Ambiente der Räume ist ein ganz besonderes. Getreu der Steinerschen Philosophie sind die Räume wabenförmig gebaut, ohne rechte Winkel. Das Mobiliar ist aus Holz, die Wände in einem zarten Pfirsichfarben gehalten. Auch ein Prinzip der Waldorf-Bauweise. Die Farbe symbolisiert den Mutterleib, was den Kindern ein Wohlgefühl vermitteln soll. „Die Architektur, die Farben und die Materialien sollen im Einklang mit der Natur sein. Die Räumlichkeiten sollen den Kindern ein Gefühl der Geborgenheit und des Wohlgefühls vermitteln“, sagt Schwarz. Die kleine Marie-Luise kommt angerannt und streckt weinend den Finger in die Höhe. Beim Spielen mit den Steinen im Garten hat sie sich eine Schramme geholt. Ist zwar kaum zu sehen, aber das bunte Pflaster lässt den Schmerz im Nu verschwinden. Stolz zeigt sie ihre andere „Kollektion“ auf Knien, Armen und Beinen. Wir schlendern durch den weitläufigen Garten mit Kletterbäumen, Steinekuhle und natürlich auch Schaukeln und einer Rutsche. Die Kinder spielen zu zweit, in Gruppen oder beschäftigen sich alleine. Das freie und kreative Spiel sei ein wichtiger Aspekt des Kindergartens. Die Kinder entwickelten viel mehr Fantasie, wenn sie nicht dauernd ein Programm vorgesetzt bekämen, meint Schwarz. Natürlich seien aber Strukturen und wiederkehrende Rituale genau so wichtig, denn die vermittelten Sicherheiten. Alltägliche Abläufe wiederholten sich immer wieder, wie das Treffen im Märchenkreis vor den Mahlzeiten oder das Essensangebot selbst. Beim morgendlichen Getreide-Frühstück, das von den Kindern sehr gut angenommen wird, wissen sie im Voraus, an welchem Tag es Hirse, Weizen oder Hafer gibt und freuen sich darauf. „Im Mittelpunkt unserer Arbeit steht nicht die Förderung der Kinder, sondern die Freude an dem, was man tut. Die Förderung, die dabei entsteht, ist eher ein Begleitprodukt“, sagt Schwarz. „Wir sehen uns als Retter der Kindheit.“ Ganz billig ist das Ganze allerdings nicht. Obwohl 85 Prozent der Kosten von öffentlichen Kassen gedeckt werden, bleiben immer noch 15 Prozent Trägeranteil, der auf die Eltern umverteilt werden muss. Ein Halbtagsplatz kostet monatlich etwa 125 Euro, ein Ganztagsplatz rund 200 Euro. Geschwisterkinder zahlen die Hälfte. Trotzdem bestehen immer Wartelisten, die Nachfrage nach einem Platz ist ungebrochen groß, gerade bei den Zweijährigen, für die es nur zehn der insgesamt 50 Plätze gibt. „Es tut uns immer sehr leid, wenn wir ein Kind nicht aufnehmen können, das ist für uns jedes Mal schlimm, den Eltern eine Absage erteilen zu müssen“, meint Schwarz. Am kleinen Fabian geht diese Trübnis vorbei, noch immer schaufelt er begeistert sein Eimerchen voll, während ich mich wieder in das morgendliche Pirmasenser Stadtleben aufmache.