Pirmasens Mobil machen für die Zukunft bei Bosch

Was passierte, wenn’s bei Bosch im Saarland so weiterläuft, wie’s läuft? Dann gehen, sagen die Betriebsratsvorsitzenden Oliver Simon, Axel Busch und Stephan Huber, nicht nur in Homburg, St. Ingbert und Wiebelskirchen absehbar die Lichter aus, auch in der Region wird’s düster. In Sorge um die 5600 Arbeitsplätze haben sie gemeinsam mit der Gewerkschaft für morgen, 11.30 Uhr, vorm Dieselwerk 1 an der Bexbacher Straße 72, zu einem Aktionstag aufgerufen. Für die Bosch-Belegschaft geht’s und Ganze, sagen sie.
Nicht erst seit der für Ende 2017 angekündigten Betriebseinstellung der Bosch Emission Systems in Wiebelskirchen (200 Arbeitsplätze) und den Umstrukturierungen mit Produktabzug bei Bosch-Rexroth (210 Jobs) treiben die Mitarbeiter, aber auch die saarländische Politik, existenzielle Sorgen um den einst größten Metallarbeitgeber im Saarland um. Um die Jahrtausendwende beschäftigte Bosch noch 7000 Mitarbeiter, 1400 mehr als jetzt. „Seit 2001, also jetzt 15 Jahre zurück, gab es keine externe, unbefristete Einstellung mehr bei Bosch. Wenn wir das Alter der Belegschaft berücksichtigen, den Übergang in Rente, heißt das: Bis 2026 werden 1000 Stellen weniger besetzt sein, 2035 dann 2000. Was das für die Kaufkraft einer Region bedeutet, kann sich jeder ausmalen“, sagt Ralf Cavelius, der Bosch in Homburg betreuende 2. Bevollmächtigte der IG Metall Homburg-Saarpfalz. Weil allein das Dieselwerk mit 110 Zuliefer- und Dienstleistungsfirmen im 50-Kilometer-Umkreis in Geschäftsbeziehungen stehe und die Gewerkschaft davon ausgeht, dass von jedem Arbeitsplatz bei Bosch zwei externe abhängen, sei der Effekt des schleichenden, nun beschleunigten, Arbeitsplatz-Abbaues viel größer. Nach dieser Rechnung verlieren die Saarpfalz und die Westpfalz allein durch das Angekündigte 1200 Jobs. Eine völlig falsche Markteinschätzung für Produkte der Abgasnachbehandlung, aber auch für die Hydraulik von Bosch-Rexroth, sagen die Betriebsräte, haben zur angekündigten Streichung der 410 Arbeitsplätze bei BESG und Rexroth geführt. Klare Managementfehler, die die Belegschaft nun bitter auszubaden habe. Von der Geschäftsführung bestätigte Informationen, wonach es mehrere Kaufinteressenten für die BESG gebe, beruhigen die Arbeitnehmervertreter nicht. Im Gegenteil. „Bei uns brodelt es wie in einem Vulkan. Wenn die BESG verkauft wird, entfällt das Rückkehrrecht von 100 Beschäftigten zu Bosch“, sagt Busch. Der Strohhalm, an den sich die aus den Dieselwerken vor zwei Jahren Abgeworbenen klammern, droht abzuknicken. Bei den „großen“ Dieselwerken mit noch 4700 Beschäftigten ist man nicht weniger besorgt um die Zukunft. Ralf Reinstädtler, der 1. Bevollmächtigte der IG Metall-Verwaltungsstelle, glaubt schlicht, dass die Konzernzentrale in Stuttgart bereits vor Jahren die Entscheidung getroffen hat, sich langfristig aus dem Saarland zurückzuziehen. Nicht anders sei der 2001 eingeleitete, 2011 mit einem teuren Programm für freiwillig ausscheidende Mitarbeiter ab 57 Jahren unterlegte, Personalabbau zu interpretieren. Im Schnitt gebe Bosch 160.000 Euro für Vorruhestandswillige aus. 700 bis 800 Kollegen seien mittlerweile abgefunden. „Wenn das Geld in neue Produkte investiert worden wäre, wären wir heute zuversichtlicher“, sagt Alexander Kreutz, stellvertretender Betriebsratsvorsitzender bei Rexroth. Sein Robert-Bosch-Kollege Oliver Simon fordert die Übernahme von Auszubildenden und externe Neueinstellungen. Und Produkte jenseits der Dieseltechnik müssten ins Saarland kommen. Der breit aufgestellte Bosch-Konzern habe diese Möglichkeiten. Sein Appell: „Bringen Sie uns nur Arbeit, bauen können wir alles.“ Die Verabredung, dass die saarländischen Hochschulen gemeinsam mit der Forschungs- und Entwicklungsabteilung von Bosch einen „Zukunftsausschuss“ beschicken, um Produkte zu entwickeln, die im Saarland gefertigt werden, sei ein Ansatz. Kurzfristig rette das keinen Arbeitsplatz. Der Diesel-Skandal um die VW-Manipulationen kostet bislang keine Jobs in Homburg. Die Abrufzahlen für die Diesel-Einspritzsysteme seien bislang unauffällig, hieß es gestern. Enttäuscht sind die Betriebsratsvorsitzenden von dem Engagement der rheinland-pfälzischen Politik. Weder aus der Landes- noch der Kommunalpolitik hätten sich Verantwortliche bei ihnen gemeldet. „40 Prozent der bei Robert Bosch in Homburg Beschäftigten, 1700 Menschen, sind Pfälzer. Bei Rexroth ist der Anteil ähnlich. Wie man uns jetzt links liegenlässt, so als wäre es nur ein saarländisches Problem, werden wir nicht vergessen“, sagt Oliver Simon.