Pirmasens RHEINPFALZ Plus Artikel Mit Tagesmüttern Kapazitätsprobleme lösen

Die Stadt sucht Tagesmütter. Der Job wird künftig besser bezahlt.
Die Stadt sucht Tagesmütter. Der Job wird künftig besser bezahlt.

Das Pirmasenser Jugendamt will mehr Tagesmütter, um fehlende Kindergartenkapazitäten auszugleichen. Die Arbeit war bisher nicht besonders attraktiv, weshalb jetzt deutlich mehr Geld gezahlt werden soll. Aktuell sind beim Jugendamt nur sieben Tagesmütter gemeldet. Das sollen viel mehr werden.

Oberbürgermeister Markus Zwick sieht in dem Instrument der Tagesmütter eine gute Gelegenheit, die fehlenden Kita-Plätze zumindest etwas auszugleichen und gleichzeitig auf individuelle Bedürfnisse von Eltern besser eingehen zu können. „Kindertagespflege ist viel günstiger als ein Kita-Platz“, meinte Zwick in der Jugendhilfeausschusssitzung am Dienstagabend. Insofern sei der Ausbau der Kapazitäten mit neuen Tagesmüttern kein Luxus für die Stadt sondern, im Gegenteil, eine Möglichkeit Geld zu sparen und flexibel auf Bedarfsspitzen reagieren zu können.

Der Job war zumindest bisher nicht sehr attraktiv. „Das ist keine Arbeit, die sich jemand aussucht, um ernsthaft damit seinen Lebensunterhalt zu bestreiten“, meinte denn auch Bettina Walnsch, Sachgebietsleiterin Jugendpflege, bei der Präsentation der neuen Vergütungssätze im Ausschuss.

Eine Tagesmutter darf maximal fünf Kinder zeitgleich bei sich zu Hause oder in angemieteten Räumen betreuen. Pro Kind und Stunde bekam sie bisher fünf Euro. Vor wenigen Jahren noch waren es gerade mal vier Euro. Der Satz wurde jetzt auf sechs Euro erhöht, womit eine Frau bei fünf Kindern auf 30 Euro die Stunde käme. Allerdings agiert die Tagesmutter selbstständig und muss von dem Betrag noch Sozialleistungen und Steuern zahlen sowie für eigene Versicherungen sorgen. Wobei Renten- und Krankenversicherung zur Hälfte bezuschusst werden.

Es gibt zudem noch Zulagen. Eine Eingewöhnungspauschale wurde auf 280 Euro festgesetzt für die ersten vier Wochen. Dann gibt es Zuschläge für Sonn- und Feiertage sowie für die Zeit nach 19 Uhr. Davor gab es die Abendzulage erst ab 20 Uhr. Bleibt ein betreutes Kind über Nacht, wird eine Zulage von 20 Euro pro Nacht gezahlt. Bei Krankheit und im Urlaub wird ein Ausfall gezahlt, womit die Arbeit auch besser kalkulierbar für die Tagesmutter wird.

Mehr Geld gibt es auch für auffällige Kinder, die einen größeren Betreuungsaufwand erfordern. Für diese Kinder bedarf es jedoch einer Zusatzqualifikation, erläuterte Walnsch. Dann gibt es aber auch 50 Prozent mehr pro Kind und Stunde.

Tagesmutter kann nicht jeder werden. Bestimmte Voraussetzungen bezüglich Alter oder charakterlicher Eignung müssen gegeben sein. Dazu kommt eine Qualifikation, die zu großen Teilen aus der Kenntnis der rechtlichen Bedingungen besteht, aber auch Hinweise zur sorgsamen Zubereitung des Essens. Außerdem wird oft erwartet, dass die Tagesmutter in einer Kita eine gewisse Zeit hospitiert hat, so steht es in den Empfehlungen des Landesjugendamtes für Tagesmütter. Und regelmäßig sollten Weiterbildungsmaßnahmen besucht werden.

Aktuell stehen sieben Tagesmütter für maximal 35 Kinder auf der Liste von Walnsch. In Kitas und Krippen sind derzeit 1501 Plätze vorhanden. Auf Kinder unter zwei Jahren warten 64 Plätze. Für die älteren Kinder gibt es 1437 Plätze. Für die Kindergärten gibt es Wartelisten, auf denen laut Walnsch 815 Kinder stehen. Einige davon haben sich jedoch für mehrere Kindertagesstätten eintragen lassen. Im Schnitt warten pro Kita bis zu 25 Kinder, was Oberbürgermeister Zwick zwar nicht wenig aber auch nicht extrem viel findet. „Früher waren das schon mal mehr als 100 Kinder pro Kita“, so Zwick.

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