100-Kilometer-Lauf
Mit Gummibärchen und Kröten: Extrem-Tour im Hauensteiner Queichtal
Die RHEINPFALZ traf die beiden am Samstag gegen 8.30 Uhr am ersten Querweg unterhalb des Parkplatzes Farrenwiese. Dort hatten Anke Müller und Jana Köer einen Verpflegungstisch mit Getränken, Obst, Energy-Balls, Bananenbrot, Gels und – ja – mit Gummibärchen für die Läufer aufgebaut. Und die hatten bereits viereinhalb Stunden und runde 40 Kilometer in den Beinen. Die Stimmung im Team, zu dem sich für ein paar Fünf-Kilometer-Runden zur Queichquelle und zurück auch „Gastläufer“ Alexander Keller gesellt hatte, war nach dem ersten Marathon bestens. Eine Pause gab’s nicht, dafür ein paar Worte Flachs und die freundliche Einladung, doch einfach mitzulaufen …
Start mit Stirnlampen
Um vier Uhr waren sie gestartet, die Dunkelheit durchbrachen Stirnlampen. „Es war nicht ganz unproblematisch, denn an den Weihern war die Krötenwanderung im vollen Gang. Da muss man schon sehr aufpassen“, berichteten die beiden Läufer. Dennoch: „Ganz gemütlich und entspannt“ seien sie in die Morgendämmerung hineingelaufen, der aufkommende Tag sorgte für eine willkommene mentale Zäsur. Aber es lagen da ja noch satte 60 Kilometer vor ihnen. Das Geläuf sei „nicht ideal“, wie sie konstatieren. Der überaus beliebte Spazierweg ist mal geschottert, mal sandig, auch mal festgefahren, nur hier und da ist’s angenehmer Waldboden.
Nun ist es ja nicht so, dass Stephan Riffel, 41 Jahre alt, Vater von drei Kindern und Vertriebsleiter bei Interunion, und der 30-jährige Alexander Memmer, der als Flugdatenbearbeiter bei der Deutschen Flugsicherung beschäftigt ist, ausgewiesene Ultraläufer sind. Aber sie stellen sich nicht alltäglichen Herausforderungen und setzen alles daran, sie zu bestehen. „Vor rund vier Wochen hat ,Steph’ mir die Idee präsentiert. Ich habe spontan zugesagt, weil es sich einfach cool anhörte und es ja sonst keine Laufevents gibt“, erzählt Memmer, der öfter mal unter den Top Ten in den Volksläufen der Region auftaucht. Er ist eher auf Strecken von 10 bis 20 Kilometern zu Hause, hat aber 2019 auch den Amsterdam-Marathon absolviert. Zuletzt habe er die Frequenz „ein bissel erhöht“, aber sich nicht gezielt auf die 100 Queich-Kilometer vorbereitet.
Marathon zur Probe
Wobei: Um ein Gefühl für die Länge der Strecke zu bekommen, habe er zusammen mit Riffel, der pro Woche rund 100 Kilometer läuft, einen „Marathon“ nach Bruchweiler eingeschoben. „Das hat problemlos geklappt. Also war die ,Queich 100’ fix“, berichtet Riffel. Das Projekt traf im Freundeskreis auf Interesse. Einige liefen zwei, drei Runden mit. „Das hat für Abwechslung auf dem langen Weg gesorgt: Man konnte quatschen, erzählen, wurde abgelenkt und neu motiviert“, beschreibt das Ultra-Duo die Hilfe durch das halbe Dutzend Gastläufer, von denen – ganz nebenbei – Christian Stöbener „mal eben seinen ersten Marathon aus den Füßen schüttelte“, wie Memmer sagt.
Ausstieg bei Kilometer 55
Ihn traf’s bei Kilometer 55: Schon nach etwa 23 Kilometern habe sich ein leichter Gelenkschmerz bemerkbar gemacht, der bis zu Kilometer 55 zu einem stechenden Schmerz, dem sogenannten Läuferknie, ausartete. Die Hoffnung, dass sich die Pein wieder verziehen würde, trog. Memmer: „Auch eine Pause half nichts. Beim Stehen war der Schmerz zwar weg, aber nach wenigen Schritten war er wieder da. Ich musste abbrechen.“ Nach dem „Ausstieg“ begleitete er den Kollegen Riffel auf dem Fahrrad, motivierte, munterte auf.
Kopf setzt sich durch
Das war auch nötig. „Nach Alex’ Ausscheiden hatte ich ein tiefes Tief. Noch 45 Kilometer, schaffst du das?“, habe er sich gefragt. Die Anfeuerung von außen half schließlich. Aber die letzten beiden Runden seien „die Hölle gewesen“, berichtet Riffel. Der Körper habe rebelliert, aber der Kopf habe sich durchgesetzt. „Und als ich auf den letzten Metern vor dem Ziel meine Kinder, die auf mich warteten, sah, die Crew und die Gastläufer, dann war da das Gefühl, es geschafft zu haben, unbeschreiblich“, schildert Riffel, der sich seit einigen Wochen vegan ernährt und sich sehr fit dabei fühlt, die letzten Meter vor dem Ziel, das er gegen 17 Uhr erreichte.
Keine Schmerzen
Und wie fühlt man sich am Morgen nach einer solchen Tortur? Er habe nicht sonderlich gut geschlafen und sei früh wach geworden, erzählt er. Der Körper spüre sehr wohl die Belastung, er fühle sich „leer und ausgelaugt“ an, aber er habe keinerlei Schmerzen. Bei Memmer war am Tag nach der „Challenge“ der Schmerz verflogen. „Ich fühle mich wohl“, sagte er lapidar.