Pirmasens Mit Bus fahren will gelernt sein

Mobilitätstraining im Stadtbus: Nicole Peltzer von den Stadtwerken erklärt, wie die neuen Rollator-Sitzplätze genutzt werden kön
Mobilitätstraining im Stadtbus: Nicole Peltzer von den Stadtwerken erklärt, wie die neuen Rollator-Sitzplätze genutzt werden können; von links Erika Scherer, Elly Hölzer und Heinz Joas.

Fahren in Bus und Bahn will geübt sein, wenn man schlecht zu Fuß ist oder auf einen Rollator angewiesen ist. Die Stadtwerke Pirmasens bieten seit vergangenem Donnerstag Mobilitätstrainings für Senioren und weniger mobile Menschen an, die so ermuntert werden sollen, tägliche Wege mit dem Stadtbus selbstständig und sicher zu bewältigen. Die RHEINPFALZ war bei einem dieser Mobilitätstrainings zu Gast.

„Allein mit dem Bus in die Stadt, das mache ich fast jeden Tag. Allerdings ist das für mich ganz schön beschwerlich“. Käthe Hofstadt ist Mitte 80 und gehbehindert. Ihr ständiger Begleiter ist eine Krücke, ohne deren Hilfe sie nicht mehr gehen kann. Dennoch muss sie ihren Alltag meistern und hin und wieder „vor die Tür“, wie sie sagt. Denn versauern will sie trotz ihres Handicaps nicht. „Ich gehe hin und wieder auf den Wochenmarkt, steige dann in der Zweibrücker Straße ein oder fahre mal zum Seniorentreff ins Haus Meinberg. Wenn man älter ist, geht es halt nicht mehr richtig zu Fuß. In der Stadt gibt es aber viele nette Busfahrer, die einem beim Einsteigen helfen“, sagt die Rentnerin, eine der insgesamt zwölf Teilnehmer beim Mobilitätstraining. Gert Steigner, Leiter der Verkehrsbetriebe bei den Stadtwerken, und Schulungsleiterin Nicole Peltzer bitten die Teilnehmer in den Bus, der vor den Stadtwerken wartet. Er fährt los in Richtung Husterhöhe und parkt an einer ruhigen Stelle, wo die Senioren in der nächsten Stunde alles über das Busfahren lernen – vom richtigen Sitzen bis zum richtigen Verhalten in Notfällen. „Nie auf den Rollator setzen“, nennt Nicole Peltzer eine wichtige Regel. Die meisten Stürze in Bus und Bahn würden durch diese Angewohnheit ausgelöst. „Aber wo soll ich damit hin, wenn es freie Plätze nur außer Reichweite gibt?“, ruft eine Teilnehmerin. „Dafür sind die neuesten Modelle unserer Busse mit entsprechenden Sitzen versehen, die Platz bieten, den Rollator neben sich abzustellen. Das gilt übrigens auch für Mütter mit einem Kinderwagen“, sagt Peltzer. Eine weitere Lösung könne sein, einen Mitfahrer zu bitten, ein Auge auf den Rollator zu haben, rät Peltzer. Schnell wird allen klar: Wer als älterer oder körperlich beeinträchtigter Mensch im Nahverkehr unterwegs ist, sollte möglichst den Mut aufbringen, andere um Hilfe zu bitten. „Da sagt selten jemand nein“, weiß Peltzer. Auf den regulären Plätzen ist ebenfalls einiges zu beachten. „Setzen sie sich möglichst mit dem Rücken zum Fahrer“, rät Peltzer. So prallt bei einer Vollbremsung nur der Rücken gegen den Sitz. „Wenn man vom Markt kommt und voll bepackt ist, muss man schauen, dass man die Tüten gut verstaut, so dass man die Hände frei hat und sich festhalten kann.“ Gegen Schwindelgefühle beim Rückwärtsfahren verrät sie einen Trick: im Inneren des Busses irgendeinen festen Punkt fixieren! Beim Stehen gelten andere Regeln. „Stellen sie sich immer in Fahrtrichtung und halten sie sich dabei immer mit einer Hand an der Haltestange fest“, rät Peltzer. Das Ein- und Aussteigen in den Bus bereitet hingegen Manfred Göller Probleme. Auch er ist nicht mehr allzu gut zu Fuß. Peltzer und Steigner können ihn beruhigen. „Alle unsere Busse senken sich ab, sobald sie halten. Vergewissern sie sich, dass der Bus fest steht, bevor sie einsteigen und informieren sie den Fahrer, dass sie mobilitätseingeschränkt sind. Er wird ihnen sicher helfen, auch wenn er viel zu tun hat“, sagen die beiden. Welche Verantwortung für seine Passagiere ein Busfahrer hat, lernen die Teilnehmer ebenfalls. Günter Link und Manfred Göller sitzen auf dem Platz des Fahrers und staunen über die Knöpfe und Schalter, die neben der Kasse zu bedienen sind. „So ein Busfahrer hat eine riesige Verantwortung. Schließlich transportiert er Menschen und keine Kartoffeln“, sagt Link und verspricht, künftig nicht mehr zu schimpfen, wenn bei seiner Busfahrt etwas nicht klappen sollte oder der Fahrer einen schlechten Tag erwischt hat. „Wenn jeder seinem Gegenüber etwas Verständnis entgegenbringt, ist allen geholfen“, sagt er.

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