Pirmasens „Mir geht es um die Stadt“

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Rummel um seine Person mag er gar nicht, der Pirmasenser Unternehmer Ralph Barlog. „Ich will nur helfen“, sagt der 51-Jährige, der vor ein paar Monaten die frühere Hauptpost in der Schützenstraße gekauft hat, wo am Samstagabend eine große Baustellenparty steigt.

„Ich kann das Gejammer in der Stadt nicht mehr hören“, nennt der Unternehmer Ralph Barlog einen Beweggrund für sein Engagement, das sich nicht nur auf Investitionen in die Stadtentwicklung bezieht. Er unterstützt auch die Regenbogen Kinderhilfe, spendet für das Tierheim, kauft bedürftigen Nachwuchskickern neue Fußballschuhe. „Ich hatte einfach das Glück, ein paar Mal den richtigen Riecher zu haben“, spricht er über sein Erfolgsrezept. Der Pirmasenser, der in bescheidenen Verhältnissen aufgewachsen ist - „Wir hatten eine Bauhilfe-Wohnung“ - und ursprünglich mal Fernmeldetechniker lernte, hat sich früh selbstständig gemacht. „Das erste große Geld habe ich damit verdient, Fotopapier an Discounter wie Aldi und Lidl zu verkaufen.“ 2004 habe er dann angefangen, exklusiv den Webshop Druckerzubehoer.de mit Tinte und Toner zu beliefern. Später kaufte er etliche alte Schuhfabriken wie Würz in Münchweiler oder Schieler in der Rupprechtstraße, das alte Delta-Gebäude oder das Maschinenpark-Areal in der Rheinstraße. „Kaufen, entwickeln und dann wieder verkaufen.“ Was ein bisschen nach Monopoly klingt, das macht ihm Spaß. Da kann er sein Talent unter Beweis stellen. „Da geht es nicht vordergründig um wirtschaftliche Interessen. Mein Geld verdiene ich heute mit Tinte und Toner. Seit 2007 beliefern wir den größten Webshop in Europa, schicken 5000 Pakete am Tag raus, zu den Kunden gehören Firmen wie Edeka und Netto.“ Die Logistik sitze in Hannover, er kümmere sich mit einem 15-köpfigen Team von Unicorn in der Rupprechtstraße um Einkauf und Disposition weltweit. „Wir haben sechs Millionen Kunden. Mein Glück war, zum richtigen Zeitpunkt damit gestartet zu haben.“ Heute gebe es kein Unternehmen, das mehr Tintenpatronen verkaufe als er. Barlog ist kein Lautsprecher, der wortreich sein Können unterstreicht, will sich auch nicht als „Gutmensch“ verstanden wissen. „Ich habe mir alles selbst angeeignet, habe zwischendurch mal ein paar Semester BWL studiert.“ Geholfen habe ihm wohl seine Risikobereitschaft. „Man muss auch mal Schulden machen, kann als Unternehmer nicht mit einer Vollkaskoversicherung immer nur 80 fahren.“ Wobei er auch viel gearbeitet habe für sein Geld: „Meine Familie sagt heute, du warst ja nie da.“ Typisch Barlog, der verheiratet ist und drei Kinder hat: Er will sich nicht reinreden lassen in seine Geschäfte. „Ich bin Widder, mache nicht gerne Kompromisse. Und ich habe kein Problem damit, einsame Entscheidungen zu treffen.“ Deshalb habe er auch noch nie für ein Projekt Zuschüsse beantragt. „Das würde mir nur die unternehmerische Freiheit nehmen. Ich will mir doch nicht die Wandfarbe vorschreiben lassen“, spielt er auf das Vorhaben Hauptpost an. Dort würde er am liebsten langfristig die Jugendherberge untergebracht sehen – oder ein Jugendhotel. „Pirmasens braucht Verkehr von außen, Frequenz.“ Und eine Jugendherberge würde 20.000 bis 25.000 Übernachtungen mehr pro Jahr in die Stadt bringen. „Junge Menschen“, das sei wichtig. Was er gar nicht wolle: Anderen durch das Projekt Hauptpost Mieter wegnehmen. „Das ist doch Quatsch. Ich will keinen Wettbewerb anzetteln, Büros günstiger als im Rheinberger anbieten.“ Ziel müsse es sein, Leerstände in der Stadt mit neuem Leben zu füllen, nicht zu verlagern. Barlog macht keinen Hehl daraus, dass er mit der Sportsbar beispielsweise kein Geld verdient. „Gastronomie ist in Pirmasens eine relativ undankbare Geschichte.“ Er habe 700.000 Euro investiert. „Das Geld kriege ich nie mehr.“ Im Grunde sei er nur in die Bresche gesprungen, weil die Stadt ihn gebeten habe. „Aber jetzt finde ich keinen Betreiber.“ Auch die Unicorn Art Lounge, wo der Sonntagsbrunch regelmäßig ausgebucht ist und die Rizzi-Käufer aus Baden-Baden gefahren kommen, sei keine Goldgrube. „Aber das ist derzeit mein Lieblingsbaby, ein Hobby. Ich gehe in Tokio und New York auf Auktionen, die Preise für die Kunst steigen gerade wieder, das ist total spannend.“ Er freue sich wie ein Kind, wenn eine neue Rizzi-Lieferung eintrudele. Auch wegen der Motive. „Der Künstler Rizzi malt keine negativen Bilder. Die Figuren sind immer lustig und fröhlich.“ Auf die Idee für die Sportsbar beispielsweise kam er auf seinen Geschäftsreisen. „Ich mag Sportsbars, weil ich so in China die Bundesliga verfolgen kann“, sagt der Schalke-Fan. Das große Geld verdienen könne er auch mit dem Café Rizzi nicht. „Mir geht es um die Stadt, ich will helfen, ich glaube an Pirmasens, weil ich von der Lebensqualität und der Gegend hier überzeugt bin.“ Wenn alle an einem Strang ziehen würden, wäre die Stadt weiter. Da spielt er ein bisschen auf die Schuhindustrie an, von der er mehr erwartet. „Eine Schuhmeile in der Stadt, ähnlich wie in Hauenstein, das wäre gut. Schuhläden rein in die Leerstände, dazwischen Cafés, das sehe ich als Chance. Ich würde auch einen Sneakerladen aufmachen.“ Ist das die Idee für das nächste Projekt? Bevor die Post nicht vermarktet sei, fange er nichts Neues an. „Ich würde nie zwei Projekte gleichzeitig machen.“ Immerhin liegen die Planungen für die Jugendherberge bei elf Millionen Euro. Das ist dann auch für Barlog kein Pappenstiel.

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