Pirmasens Mindestlohn gut verdaut

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Seit einem Jahr gilt in Deutschland der Mindestlohn. 8,50 Euro erhalten demnach alle Arbeitskräfte einschließlich ungelernter Kräfte und Hilfsarbeiter. Gerade im Hotel- und Gaststättengewerbe hatte das für Bedenken gesorgt, da gerade dort die Löhne und Gehälter in vielen Fällen und Berufsgruppen durchaus niedriger ausfielen. Bei einer RHEINPFALZ-Umfrage Anfang 2015 zeigten sich die Pirmasenser Gastronomen jedoch wenig besorgt. Wie fällt nun das Resümee nach einem Jahr aus?

„Gut geführte Betriebe sollten mit dem Mindestlohn keine Probleme haben“, weiß Günter Bold, Kreisvorsitzender des Hotel- und Gaststättenverbands Dehoga. Konkrete Probleme aus den Reihen seiner Mitglieder sind ihm nicht im Gedächtnis. Die meisten Unternehmen hätten schon zuvor nach Tarif und damit den vorgeschriebenen Lohn gezahlt. Was die Betriebe weit mehr belaste, seien die bürokratischen Vorgaben und der mit dem Mindestlohn verbundene Dokumentationsaufwand. Der bringe gerade kleinere Betriebe oft an ihre organisatorischen Grenzen. Bei Kontrollen seien unvollständige Unterlagen deshalb bereits einige Male moniert worden, weiß Bold. „Für uns hat sich in diesem Jahr einzig der Dokumentationsaufwand erhöht“, bestätigt auch Wolfgang Kuchem vom gleichnamigen Pirmasenser Brauhaus. Die wenigsten seiner oft langjährigen Mitarbeiter hätten vom Mindestlohn profitiert, weshalb das Gesetz für sie dann auch keine Änderungen mit sich brachte. Die positive geschäftliche Entwicklung im vergangenen Jahr habe dafür gesorgt, dass die Mitarbeiterzahl konstant geblieben sei, so der Geschäftsführer. Eine moderate Preiserhöhung sei weniger dem Mindestlohn, sondern eher den Preisanpassungen der Lieferanten sowie gestiegenen Allgemeinkosten geschuldet. Tom Memmer, Chef des „Beckenhof“, bestätigte seine Einschätzung vom Vorjahr. „Für uns hat sich wenig geändert“, so sein Resümee. Schon vorher habe er nach Tarif gezahlt und auch die Dokumentationsvorgaben bereiteten ihm keine Probleme. Was ihn allerdings ärgert ist die Tatsache, dass es in seiner Branche, gerade in den Waldhütten, durchaus Ausnahmen vom Mindestlohn gebe. „Das verzerrt den Wettbewerb und suggeriert, dass diese günstigen Preise normal seien“, so sein Vorwurf. Preisanpassungen habe der Mindestlohn in seinem Betrieb nicht verursacht. Die seien eher einem neuen Konzept und dem damit einher gehenden, veränderten Ambiente geschuldet. „Wir definieren uns künftig als Wirtshaus und haben unser Angebot dementsprechend angepasst“, die Idee der bayrischen Wirtshäuser habe ihn angesprochen. Danach hat er sein Angebot ausgerichtet und so sollen künftig Haxe, Bierbraten und Hendl über den Tisch gehen. Neben der Gastronomie waren auch die Taxi-Unternehmen von der Einführung des Mindestlohns betroffen. „In Pirmasens war das aber leider nicht das einzige Problem“, weiß Peter Stephan, Inhaber von Peters Taxi. Über viele Jahre auf dem gleichen Stand gebliebene Taxi-Gebühren hätten den Unternehmen vor einem Jahr zusätzliche Sorgen bereitet. Die wurden inzwischen um 20 Prozent angehoben. Das höre sich viel an, relativiere sich aber schnell, wenn man die Erhöhung auf die Jahre umrechne, erklärt Stephan. Er betont, dass diese Anhebung allein den eingeführten Mindestlohn in seinem Geschäft niemals hätte wettmachen können. Gerettet habe ihn vielmehr die Tatsache, dass er den Zuschlag für das Ruf-Taxi der Stadt erhalten haben. „Das hat die 28 Arbeitsplätze erhalten“, sagt er. Die Notwendigkeit des Mindestlohns begrüßt Stephan übrigens durchaus und er hält eine faire Bezahlung für Unternehmerpflicht. „Diese aber auch für Bereitschaftsdienste zu zahlen, können wir uns schlicht nicht leisten“, wirft er der Politik vor, fernab der Branchenrealität zu agieren. (bos)

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