Pirmasens
Max von Pettenkofer gilt als erster Hygieniker Deutschlands
Zwar wusste der am 3. Dezember 1818 in ärmlichen Verhältnissen in Bayern geborene Max Josef Pettenkofer, der erst ab 1882 das „von“ in seinem Namen tragen durfte, noch überhaupt nichts von der rund 200 Jahre später auftretenden Corona-Pandemie und doch waren seine Forschungen richtungsweisend, um heute das Covid-19-Virus zu bekämpfen. Pettenkofer gilt als der erste Hygieniker Deutschlands. Das bekannte Hygieneinstitut in München wurde posthum nach dem im bayrischen Lichtenheim geborenen Medizin-Allrounder benannt.
Pettenkofer setzte die Hygiene als eigenständigen Bereich der Medizin durch. Er behauptete sich gegen große Widerstände bei der Erstellung einer Kanalisation in München, zumal die heutige Landeshauptstadt Bayerns Mitte des 19. Jahrhunderts einer Latrine glich. In München gab es kein fließendes Trinkwasser, Abfall und Abwasser wurden auf die Straße geschüttet, Fäkalien auf großen Plätzen gesammelt und von den Bauern der Umgebung auf deren Felder transportiert. Pettenkofer erkannte, dass daraus Krankheiten entstanden. Er setzte den Bau einer Kanalisation in München durch, verbunden mit der Erstellung einer zentralen Trinkwasserversorgung und eines zentralen Schlachthofes.
Erster deutscher Professor für Hygiene
Der Doktor für Medizin, Chirurgie und Geburtshilfe erwarb auch die Approbation als Apotheker und führte als Nachfolger seines Onkels, der ihn schon sehr früh nach München geholt hatte, die Hofapotheke. 1865 wurde er Rektor an der Universität München und erster deutscher Professor für Hygiene sowie erster Lehrstuhlinhaber dieses Faches. Von 1876 bis 1879 wurde in München das erste Hygieneinstitut gebaut, nachdem Wien ihm 1872 angeboten hatte, in der österreichischen Hauptstadt ein solches Institut zu bauen.
Pettenkofer war in vielen akademischen Gebieten zu Hause
So erarbeitete er Vorschläge zur verbesserten Herstellung von Zement, der nötig war, um die Abwasserkanäle sicher zu machen. 1844 entdeckte Pettenkofer das Kreatinin, ein wichtiges Stoffwechselprodukt des Muskelgewebes. 1848 hatte er die Kupfer-Amalgam-Zahnfüllung erfunden. Er entwickelte auch den Gallensäurenachweis. Eine der bedeutendsten Leistungen Pettenkofers ist die Entdeckung von periodisch auftretenden Eigenschaften bei chemischen Elementen (1850). Er schuf damit eine wesentliche Grundlage für die Entwicklung des Periodensystems der Elemente.
Geplagt von zunehmenden Schmerzen und starken Depressionen erschoss sich Max von Pettenkofer, nachdem drei seiner fünf Kinder und seine Ehefrau vor ihm verstorben waren, im Alter von 82 Jahren (1901) in seiner Hofapotheker-Wohnung in der Münchner Residenz. Überaus zahlreiche Straßen (München, Kassel, Berlin, Leverkusen und weitere) sind nach Pettenkofer benannt. Da befindet sich nun Pirmasens in wahrlich bester Gesellschaft.
Zitat: Bloßes Wissen, bloße Kenntnis von Dingen und Tatsachen allein ist noch keine Wissenschaft, erst wer etwas über Entwicklung und ursächlichen Zusammenhang der Dinge erforscht, was bisher unbekannt war, treibt Wissenschaft.
Max von Pettenkofer, der Begründer der naturwissenschaftlich-experimentellen Hygiene