Lothringen RHEINPFALZ Plus Artikel Marcel Adam: Songs mit Haltung

Marcel Adam (Mitte) und die Egoistband.
Marcel Adam (Mitte) und die Egoistband.

Er ist aus der Pfälzer Musikszene nicht wegzudenken: der lothringische Liedermacher Marcel Adam (71). Unzählige Konzerte hat er in der Region gegeben. Nun hat er einen neuen Tonträger vorgelegt.

Ist Marcel Adam jetzt auf den Hund gekommen? Auf seiner neuesten und angeblich endgültig letzten CD strahlt der Lothringer Chansonnier und Entertainer mit zwei putzigen Hunden, einem Spitz und einem Chihuahua, im Arm um die Wette und behauptet von sich, er sei ein „Egoist“. Dieser „Egoist“ ist ein richtiger Silberling geworden. „Eigentlich wollte ich keine CD mehr aufnehmen“, bekennt Adam. „Aber dann kam Corona mit dem viel strengeren Lockdown in Frankreich als in Deutschland. Als wir drei Monate lang lediglich eine Stunde pro Tag rausdurften und das höchstens einen Kilometer vom Haus entfernt, da habe ich mich entschlossen, nochmals eine CD als reine Therapie aufzunehmen.“

Marcel Adams Lieder sind aber auch als Therapie empfehlenswert für den Hörer. Denn was soll einer einnehmen, den die trostlose Einsamkeit des möblierten Zimdmers quält oder die nasskalten, nebelgrauen Herbstabende? Diese CD ist der Therapie des Privatlebens gewidmet. Sie richtet sich, zumeist in homöopathischen Dosierungen, gegen die kleinen und großen Schwierigkeiten der Existenz. Das Album, Adams elftes, enthält ältere französische Songs, die ihm schon immer im Kopf herumschwirrten und neue Texte von ihm selbst – auch auf Deutsch. „Eine CD, die nur auf mich Rücksicht nimmt“, verrät er, „also nicht auf Presse, Medien. Deshalb der Titel Egoist.“

Songs gegen das Unrecht

Hervorzuheben sind zwei Lieder, mit denen der Liedermacher ein eindeutiges politisches Bekenntnis abgibt: „Denn ich will“ und „Sage nein“. „Und wenn ein Mann einen Mann liebt, soll er ihn lieben, wenn er ihn liebt. Denn ich will, dass es das alles gibt, was es gibt“, heißt es in ersterem Lied von André Heller. „Sage nein!“ ist von dem Liedermacher Konstantin Wecker. Das Lied richtet sich gegen Neonazis und fordert zum Widerstand auf. Dabei spricht er im Refrain breite Schichten der Bevölkerung an („ob als Priester oder Lehrer, Hausfrau oder Straßenkehrer…“) und alle Altersgruppen. Weiteres Unrecht, dem man entgegentreten soll, sind sexuelle Belästigung, Homophobie, Rassismus und die Leugnung der NS-Vergangenheit. Durch die häufige Wiederholung der Phrase „Sage Nein!“ versucht er den Hörer mit einzubeziehen. Die Steigerung der Schlussphrase („tobe, zürne, misch dich ein“) verdeutlicht anschaulich, wie wichtig dem Künstler nicht nur die innere Haltung, sondern vor allem das tatsächliche Handeln, die Einmischung ist. Hut ab!

Eine bunte Mischung enthält die CD ansonsten, aus Coverversionen verschiedener Interpreten („Des musiques sentimentales“ von Mort Shuman, „Je croyais“ nach „Yesterday“ von den Beatles, „Toi et le soleil“ von Johnny Nash, „Luka & Laura“ von Stefan Waggershausen). Aber auch dabei sind, wie es bei einem Franzosen nicht anders sein kann, herrliche Liebeslieder aus Adams eigener Feder: „Das einsame Herz von Soledad“ oder „Die Frau vom Fabrikant“, für die er schleppt und schuftet, „bloß in ihrem Himmelbett dürfen andere schlafen“.

Ménage à trois

Wie wichtig seine eigene Frau aber für ihn ist, belegt er mit dem einzigen Titel in Lothringer Mundart: „Du, isch und minni Gidarr“. Ein Liebeslied an die Ménage à trois im Hause Adam. Das vorletzte Lied ist eine Hommage an seine beiden Hunde, die er im vergangenen Jahr verloren hat: Louan, den Chihuahua, wegen Krankheit und den Spitz Yankee, der überfahren wurde. Ihnen zu Ehren schrieb Marcel das Lied „Friedhof der Kuscheltiere“. Einmal im Monat, bei Vollmond, gäbe es seitdem im Garten eine Kuscheltier-Party, und die beiden seien wie die früher verendeten Hunde alle wieder quicklebendig.

Quicklebendig ist die CD auch musikalisch. Der 71-Jährige singt besser als je zuvor, und mit seiner Egoistband hat Marcel exzellente Musiker um sich geschart. Mit dabei der wunderbare Landstuhler Gitarrist Oliver Abt, die beiden Akkordeonisten Vincenzo Carduccio und Christian Fantauzzi, der Schlagzeuger Detlev Ludes, die Gitarristen Joscho Stephan, Andy Kaspar und Christian Conrad sowie die Sängerin Heike Laub. Und weil der Apfel nicht weit vom Stamm fällt, dürfen natürlich Sohn Yann Loup und seine Frau Anisha nicht fehlen. 18 Titel bei gut einer Stunde. Höchstes Vergnügen! Nicht verpassen.

Info

Marcel Adam: „Egoist“, erhältlich über www.marcel-adam.de oder direkt über marcel.adam@orange.fr.

 Liedermacher-Urgestein: Marcel Adam.
Liedermacher-Urgestein: Marcel Adam.
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