Pirmasens Manager mimt bei Wasi das Weichei

91-90259556.jpg

LEMBERG. Samstagmorgen, 8 Uhr. Elf Grad, Nieselregen. An der Freizeithalle, Start und Ziel der 22. Auflage des Wasgau-Bike-Marathons, richten die meisten Mountainbiker den Blick zum Himmel: „Ich glaub’, ich zieh’ mir die lange Hose drüber“, sagt Markus Appelmann, Moderator und Manager des Wasi, der zum zweiten Mal nach 2015 die 45-Kilometer-Strecke in Angriff nehmen will. „Weichei“, kommentiert Lembergs Ortsbürgermeister Heinrich Hoffeister scherzhaft Appelmanns Entscheidung.

Hoffeister fährt selbst nicht mit, er soll aber gleich den Startschuss geben. Das Wetter ist zu dieser Zeit suboptimal. „Das hält den ein oder anderen kurzentschlossenen Starter sicher von der Teilnahme ab“, stellt Klaus Emser, der Verantwortliche der Radsportabteilung des SV Lemberg, fest. Einige sind schon am Freitagabend angereist, andere kommen erst am Morgen. Beim Startschuss werden es dennoch rund 1000 Sportler sein, die eine der Strecken – wahlweise 23, 45, 80 oder 100 Kilometer – in Angriff nehmen und den eher widrigen Wetterbedingungen trotzen. Der Hauensteiner Wolfgang Seibel ist der einzige, der aus der Rolle fällt – beziehungsweise fährt: Er ist statt mit dem Mountainbike wieder mit dem Tretroller auf der 80-Kilometer-Strecke unterwegs. Dominik Memmer, wie Seibel in der Laufszene kein Unbekannter, entscheidet sich dieses Mal fürs Rad statt für den Roller: „Ich habe aber Mühe, mitzuhalten“, sagt der 35-Jährige mit Blick auf den 54-jährigen Seibel. Derweil herrscht an der Startnummernausgabe noch reger Betrieb. Die Homburgerin Danuta Gaj hat sich kurzentschlossen für die 80-Kilometer-Distanz angemeldet. Die aktuelle deutsche Vize-Berglaufmeisterin im W40-Team des TuS 06 Heltersberg hat die Laufschuhe gegen ein Mountainbike getauscht. „Ich bin zum zweiten Mal dabei nach 2015, es ist ein schöner Ausgleich zum Laufen“, sagt sie. Während der Regen kurz vor dem Start der über 80 und 100 Kilometer führenden „Marathon-Distanzen“ sogar noch zunimmt, trinkt der Leimener Thomas Riegel genüsslich eine Tasse Kaffee in der Feizeithalle. „Ich fahre heute mit zwei Freunden die 45-er Strecke“, sagt der ambitionierte Mountainbiker, seit Jahren eine feste Größe beim Wasi. Ein Stammgast ist auch Udo Bölts, der wenige Minuten vor dem Start ankommt und fieberhaft seine Startnummer sucht. „Die Eins ist für Udo reserviert“, stellt Klaus Emser, bereits im Führungsfahrzeug sitzend, fest. Während der Tross losfährt, telefoniert Emser mit einem Starter, dessen Bike sich bei der Anreise vom Fahrradhalter am Auto löste, auf die Straße fiel und nur noch Schrott ist. Mehr ist glücklicherweise nicht passiert, aber sollte für den Pechvogel der 22. Wasi schon beendet sein, noch bevor er beginnt? Nein, denn Fahrradhändler Frank Dressler (Weselberg) hat spontan ein Mountainbike zur Verfügung gestellt. Nach dem Motto: Probleme sind dazu da, dass man sie löst. Einer der Jüngsten auf der 23-Kilometer-Einstiegsstrecke „Kurz und knackig“ dürfte Max Chelius (Heltersberg) sein. Gemeinsam mit Papa Werner und Mama Miriam startet der fünfjährige Nachwuchsbiker zum Familienausflug und gibt das Tempo vor. Den Singletrail nach 17 Kilometern kurz vor der letzten Verpflegungsstelle bei Langmühle rast er als Erster runter. „Er hat einfach gar keine Angst“, bemerkt der Vater. „Wir halten nur kurz und fahren gleich weiter, aber erst esse ich noch ein Stück Kuchen“, lautet die Anweisung des Sohnes, die die Eltern prompt zu befolgen haben. Dass ein Biker einen Herzinfarkt erlitten hat (wir berichteten), verbreitet sich inzwischen in Windeseile. Im Laufe des Tages kommt es zu einigen Stürzen. Für zwei Biker ist der Wasi zwar vorzeitig beendet, aber sie können am selben Tag – zwar etwas lädiert, aber sonst gesund – wieder heim zu ihren Familien. Am späten Nachmittag ist der Wasi dann beendet. Für Klaus Emser und Ehefrau heißt es Koffer packen. Sie fahren am Sonntagmorgen in die Dolomiten. Selbstverständlich mit den Mountainbikes im Urlaubsgepäck.

x