Pirmasens Mädchen an der Werkbank

Wie entstehen Teile aus Kunststoff, von der ersten Idee über Konstruktion und Werkzeugbau bis hin zum fertigen Produkt? Gestern erfuhren Mittelstufenschülerinnen bei der Firma FWB Kunststofftechnik, was die Ausbildungsberufe zur Mechatronikerin, Kunststoff-Formgeberin und Werkzeugmechanikerin zu bieten haben. Im Zuge des bundesweiten Girls-Days hatte das Unternehmen die jungen Frauen in die Blocksbergstraße eingeladen.
„Am Girls-Day nehmen wir zum dritten Mal teil. Da wir uns verstärkt um Nachwuchs bemühen, ist es uns ein Anliegen, auch junge Mädchen für einen vermeintlichen Jungenberuf zu begeistern“, sagt Stephanie Hanzelko, die bei der FWB neben der Vertriebsleitung auch für die Koordination des Mädchen-Zukunftstags verantwortlich ist. Viele der jungen Damen wüssten gar nicht, dass sie auch technisch begabt sind und suchten sich deshalb „typische“ Mädchenberufe aus oder Studiengänge im sozialen Bereich. „Derzeit haben wir zehn männliche Azubis und würden uns freuen, irgendwann auch weibliche Auszubildende bei uns begrüßen zu dürfen. Denn gerade sie bringen enorme Stärken mit, die wir hier sehr gut gebrauchen können“, so Hanzelko weiter, die betont, dass FWB stets bemüht sei, die Azubis nach der Ausbildung im Unternehmen zu halten. Die Firma befinde sich nach über 30 Jahren am Markt immer noch im Wachstum. In naher Zukunft werde man das Unternehmen nochmals erweitern, wodurch auch neue Arbeitsplätze entstünden. Pünktlich um neun Uhr ging es für die Mädchen aus Pirmasens, Waldfischbach-Burgalben und Zweibrücken bei der FWB frisch ans Werk: Einblicke in den Entstehungsprozess der Werkzeuge und Produkte gab es bei einem Rundgang. Danach galt es, die handwerklichen und technischen Fähigkeiten auszutesten – etwa beim Löten von Kontaktelementen zu einer Figur, bei der ein Plus- und ein Minuspol an eine kleine Batterie angeschlossen wurde. Wurde alles richtig gemacht, brachte dies die Lämpchen an der Figur zum Leuchten. Auch verschiedene Drähte mussten in Form gebracht werden – laut Hanzelko eine beliebte Aufgabe bei Einstellungstests des Pirmasenser Kunststofftechnikers. Die zwölfjährige Lisa Würz und die 13-jährige Lara Drackert, beides Schülerinnen der siebten Klasse der IGS in Waldfischbach-Burgalben, waren fleißig in der Werkzeugabteilung am Basteln. „Wir waren noch nie bei einer Firma zu Gast und finden es deshalb ganz toll, heute hier sein zu dürfen, wo man uns alles zeigt. Es ist was ganz anderes, als nur in der Schule zu sitzen und Theorie zu lernen“, erklären die jungen Mädchen, die in der nächsten Klassenstufe ihre zweiwöchigen Schulpraktika absolvieren. „Das Löten mit den Kontaktelementen fand ich am Besten – das hatte ich vorher noch nie gesehen“, sagt Lisa, die sich nach dem Einblick in die Arbeit der FWB vorstellen kann, ihr Schulpraktikum in einem technischen Beruf zu machen. „Die Unternehmensführung vorbei an den ganzen Maschinen fand ich ziemlich interessant und ich bin richtig froh, dass hier alle so nett sind. Dann fühlt man sich gleich wohl, wenn man zum ersten Mal in einen Beruf reinschnuppert“, ergänzt Lara, ihre Schulkollegin. „Dass die Mädchen sich bei uns wohlfühlen, ist uns sehr wichtig. Wir wollen ihnen die Hemmungen vor Technik und Naturwissenschaft nehmen und sie motivieren, sich mehr zuzutrauen. Wir wiederum machen den potenziellen Nachwuchs auf unser Unternehmen aufmerksam – somit lohnt sich der Girls-Day für alle“, fasst Hanzelko zusammen. (tada)