Pirmasens Liebeserklärung an das Leben

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Die Zuschauer waren begeistert. Nein, mehr noch. Sie waren berührt. Nicht nur Gäste aus dem Pfälzerwald waren am Sonntagabend nach Dahn gekommen, sondern auch aus Weissenburg, aus Mainz, Worms und Kandel und natürlich auch aus der Vorderpfalz. Allesamt erlebten sie einen wunderschönen Shakespeare-Abend voller Liebe, Eifersucht, Rache und vor allem – Versöhnung auf einer ausverkauften Burg.

Eigentlich gehört „Ein Wintermärchen“ zu Shakespeares Komödien und lustige Momente gibt es wirklich viele, ja. Aber es ist ein ziemlich dramatisches Märchen und vielleicht ist wäre es treffender von einem Eifersuchtsdrama mit Happy End zu sprechen. Doch die Inszenierung ist voller poetischer Momente, Wortwitz, Tanz, Musik und Puppenspiel. Die Kinder des Königs werden beide von Puppen verkörpert, die ein wenig aussehen wie alte Schildkröt-Puppen. Und dadurch wird das „Wintermärchen“ unglaublich sinnlich. Die Berliner Shakespeare Company zeigt mit Shakespeares Spätwerk „Ein Wintermärchen“ in der Regie von Christian Leonard, was Liebe kann, wenn man nur in der Lage ist, zu verzeihen. Die Theatermacher tun dies mit einfachsten Mitteln. Schlichte schwarz-weiße bodenlange, aber dennoch edle Kostüme, (man kann sie schnell tauschen, denn die Schauspieler wechseln zwischen verschiedenen Rollen hin und her), ein spartanisches Bühnenbild aus Holzplatten, eingepackt mit gekräuseltem Packpapier, vor dem roten Sandstein der Burg Altdahn. „Für die komplette Kulisse war kein Platz “, verrät der technische Leiter Raimund Klaes, der das Bühnenbild von Gabriele Kortmann gebaut hat. Hinzu kommen die fließenden Szenen, die sich manchmal noch kurz überschneiden. Am allerwichtigsten ist aber, dass das Spiel aller kraftvoll ist und vor Freude nur so strotzt. König Leontes hegt den Verdacht, seine Frau Hermione Kwaschik) habe ihn betrogen. Nur aufgrund der bloßen Vorstellung, unter der er unerträglich leidet, verstößt er sie. Sogar das Orakel von Delphi, das um Aufklärung gefragt wird, bezichtigt er der Lüge – weil es ihm widerspricht. Der vermeintliche Nebenbuhler Polixenes, König von Böhmen, gespielt von Thilo Herrmann, war zwar sein Freund, doch er will ihn tot wissen. Diesem gelingt die Flucht, weil Camillo, ein Bediensteter des Leontes, der den Mord übernehmen soll, ihn rettet und mit ihm flüchtet. Die zwölf Rollen der Komödie sind auf die vier fantastischen Schauspieler der Company verteilt. Katharina Kwaschik spielt voller Leichtigkeit Königin Hermione, deren Tochter Perdita und Archidamus. Nico Selbach wechselt mühelos zwischen König Leontes, dem Schäfer mit plattdeutschem Dialekt, der Leontes Tochter Perdita aufzieht, und dem Räuber Autolycus hin und her, der trotz seines kurzen und verwegenen Auftritts die Sympathie des Publikums gewinnt. Thilo Herrmann spielt abwechselnd den König von Böhmen, Polixenes, dessen Sohn Florisel, und auch Antigonus. Das Lichtdesign wird erst von der der abendlichen Sonne bestimmt, die die Burg in ein warmes Licht taucht. Dabei war es bestimmt nicht geplant, dass die Schatten der Schauspieler auf die Kulissenwände fallen und wirken wie ein Schattenspiel, wie ein lebendiger Scherenschnitt. Eine schöne Idee ist, dass die Zeit im Stück personifiziert ist. Ein Chor, bestehend aus den vier fantastischen Schauspielern, erzählt die sechszehn Jahre, die in der Handlung übersprungen werden. Die Zeit wird zur Erzählerin, die Regieanweisungen gibt, damit sich das Publikum orientieren kann. Die Schauspieler beziehen ihr Publikum auch immer wieder ein in ihr Spiel. Am schönsten ist der Moment, als sie das Publikum animieren, eine Melodie mit ihnen zu singen. Erst die Frauen, dann die Männer, dann alle zusammen. Der Gesang gipfelt im Tanz des Polixenes, der wirkt wie ein russischer Kosakentanz und mit steigender Geschwindigkeit einem afrikanischen Stammestanz ähnelt. Die Shakespeare Company hat dem Dahner Publikum eine grandiose Theateraufführung geboten und einen wundervollen Abend beschert. Dafür wurde die Truppe gebührend entlohnt - mit einem nicht enden wollenden, begeisterten Applaus.

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