Reportage RHEINPFALZ Plus Artikel Leon Steubers 140-Kilometer-Lauf durch die Nacht von Merzalben nach Frankenthal

Leon Steuber joggte auf dem Weg von Merzalben über Kaiserslautern nach Frankenthal auch durch die Rodalber Innenstadt.
Leon Steuber joggte auf dem Weg von Merzalben über Kaiserslautern nach Frankenthal auch durch die Rodalber Innenstadt.

In 24 Stunden 140 Kilometer von Merzalben nach Frankenthal joggen: Diesen außergewöhnlichen „Run“ nahm sich Leon Steuber vor. Ist er angekommen?

Mittwoch, 17.30 Uhr: Leon Steuber, 19-jähriger Fitnesstrainer aus Frankenthal, steht in kurzer Jogginghose und Regenjacke im Hof seiner Oma im südwestpfälzischen Merzalben. Ob der junge Mann einen Blick auf die imposante Burg Gräfenstein genießen kann, erscheint fraglich. Konzentriert ist er auf sein ungewöhnliches Langlauf-Vorhaben. Er möchte in einer halben Stunde starten und über Nacht bis zum nächsten Abend ins vorderpfälzische Frankenthal joggen. Im Hof bereitet Mutter Michaela ein Startplakat vor. Die Eltern, die Oma und Freundin Eve Gatschke tragen einheitliche weiße Shirts mit der Aufschrift: „140 Kilometer in 24 Stunden. Run Leon, Run“.

Scheinbar unbeeindruckt trifft der 1,92 Meter große und 92 Kilo schwere Modellathlet die letzten Vorbereitungen. Er checkt das Handy, auf dem die Strecke hinterlegt ist. „Ich bin aufgeregt, ich hab’ jetzt schon einen 90er-Puls“, lässt er in seine Gefühlslage blicken, während im Hintergrund der Bass von motivierender Musik dröhnt.

„Ich möchte Menschen motivieren, sich sportlich zu betätigen, und das setzt voraus, dass ich möglichst viele Leute erreiche“, sagt er zu einer Motivation. Sport ist für Leon Steuber mehr als Beruf. Er ist Lebenseinstellung. Dabei ist der Fitnesstrainer kein Laufspezialist. „Ich sehe mich als Hybridathlet, sowohl im Kraft- als auch im Ausdauerbereich“, sagt er. Seinen 41 Zentimeter prallen Bizeps verdeckt er mit seiner Laufjacke.

17.45 Uhr: Leon zieht sich ins Haus seiner Oma zurück, Freundin Eve ebenso. Die letzte Beinmassage ist angesagt, ein kurzes Warm-up folgt. Die engsten Freunde und Begleiter applaudieren, als er Minuten vor dem Start wieder erscheint. Begleitet wird er auf seinem „Run“ die ersten acht Stunden von Freundin Eve auf dem E-Bike und Klaus Böttcher, der die Wegstrecke wie aus der Westentasche kennt. „Wir wechseln uns in Schichten ab“, sagt Vater Thomas, der ebenfalls zur Radbegleitung gehören wird.

Leon Steuber fühlt sich gut vorbereitet. Zu seiner Morgenroutine gehöre ein Halbmarathon, wie er erzählt. Er habe aber in den vergangenen Monaten auch Läufe bis zu 70 Kilometer erfolgreich absolviert. Aber kein Vergleich zu der heutigen sportlichen Herausforderung. Die Stirnlampe mit Ersatzakkus, Verpflegung und einige Utensilien mehr haben seine Radbegleiter dabei. Mama Michaela ist im Auto unterwegs. Sie wird an einigen markanten Stellen auf den joggenden Sohn warten und ihn verpflegen.

„Was er sich in den Kopf setzt, das bringt er auch zu Ende“, sagen alle, die Leon kennen. Nach dem Start um 18 Uhr läuft er mit Musik auf den Ohren durch Merzalben, über den Radweg nach Münchweiler weiter nach Rodalben, Thaleischweiler, Höheinöd, Waldfischbach, Hermersberg, Weselberg, Horbach, Linden, Queidersbach, Kindsbach, Kaiserslautern, eine Runde um den Betzenberg, weiter auf der B 37 nach Bad Dürkheim und von dort nach Frankenthal.

Krämpfe in den Beinen, Blasen an den Fußballen und zunehmende Müdigkeit setzen ihm nach 85 Kilometern – er ist gerade bei Frankenstein – zu. „Ich war brutal am Limit“, stellt er später fest. Doch Leon Steuber lässt sich nicht aufhalten und erreicht nach 23 Stunden und 48 Minuten das Ziel, das Strandbad in Frankenthal. Der Regen setzt kurz danach ein. „Ich bin von Anfang bis Ende trockenen Fußes gejoggt“, sagt er lächelnd. Auf die Frage, wie der Rest des Tages aussieht, antwortet er: „Chillen – ich freue mich auf ein warmes Bad, vielleicht einen Saunagang und vor allem aufs Schlafen.“

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