Fussball RHEINPFALZ Plus Artikel Lemberger Konditormeister in der Hall of Fame des DFB

 Der Lemberger Andreas Faass gehört zur Hall of Fame des DFB.
Der Lemberger Andreas Faass gehört zur Hall of Fame des DFB.

Der Beruf des Vaters verhinderte ein Engagement im höherklassigen Fußball. Beim SV Lemberg hingegen wurde Andreas Faass zu einer ganz großen Nummer – zuerst als Spielführer auf dem Feld, später als Sanierer und Visionär im Vorstand. Das fiel sogar dem DFB auf.

51 Jahre lang dauerte nun die Karriere des Andreas Faass rund um den Fußball. Fast ein Leben lang ist und war der Konditor aus Lemberg nicht nur ein Teil des Sportvereins Lemberg. Er war ein anerkannter Kicker der Grün-Weißen, Trainer, Spielleiter, Motor des Vereins, Platzwart und nicht zuletzt für 17 Jahre Vorsitzender des rund 380 Mitglieder zählenden Vereins. Das hat sich sogar bis nach Frankfurt, dem Sitz des DFB (Deutscher Fußballbund) herumgesprochen. Faass wurde für sein Engagement für den Fußball in den Club 100, der Hall of Fame des Ehrenamtes innerhalb des DFB, aufgenommen, mit der silbernen Ehrennadel des Südwestdeutschen Fußballverbandes (SWFV) und der goldenen Verdienstnadel des SV Lemberg ausgezeichnet.

Mit zehn Jahren war Faass nach Lemberg gekommen, als sein Vater das heutige Café Faass gekauft hatte. Der Vater von Faass kickte zuvor bei den Stuttgarter Kickers. Faass schloss sich gleich dem SV Lemberg an. Und mit 56 Jahren war Faass immer noch für den SVL aktiv, damals als Torwart der Mannschaft, die 2016 unter Trainer Oliver Reich den Aufstieg in die B-Klasse geschafft hatte. Dazwischen lagen bewegte Jahre im Fußballerleben des Andreas F. In seiner Zeit als Konditorlehrling in Saarbrücken trainierte er unter anderem beim damals noch höherklassig spielenden Saar 05 Saarbrücken mit.

Knallharter Verteidiger

Unter der Trainerlegende Hannes Breitzke debütierte Faass 1978 in der Herrenmannschaft des SVL. Zwischenzeitlich weilte Faass beruflich drei Jahre in Hamburg, wo er beim Bezirksligisten SC Wentors am Ball war. Meist war der hoch aufgeschossene Faass als Libero eingesetzt. Er war der Typ eines knallharten, kompromisslosen, die Abwehr organisierenden Verteidigers. Immer wieder habe es Angebote von höherklassig spielenden Vereinen gegeben. Doch nicht zuletzt der Vater von Faass verhinderte dies, weil er gesagt hatte, dass er in Lemberg wohne, dort eine Bäckerei/Konditorei/Café betreibe und es undenkbar sei, dass sein Sohn, der als Jugendlicher in der Südwestauswahl zum Einsatz gekommen war, für einen auswärtigen Verein spiele.

Faass widerstand den Verlockungen und übernahm schon früh Verantwortung innerhalb seiner Mannschaft, führte sein Team als Spielführer in die Begegnungen. Über 1000 Spiele sind es sicher gewesen, schätzt der heute 62-jährige Konditormeister. Gezählt hat er seine Einsätze nie, aber gemessen an einer Ehrung für 800 Einsätze vor vielen Jahren, seien 1000 Spiele nicht überzogen. Immer wieder ließ sich Faass von seinem Verein in die Pflicht nehmen. So war er Jugendtrainer, Spielleiter der Frauenmannschaft und der Alten Herren.

Retter des Vereins

2004 avancierte Faass gar zum Retter des SVL, der finanziell am Ende war. „Drei, vier Wochen später hätte der SVL Insolvenz anmelden können“, erinnert sich Faass an seinen Start als Vorsitzender. „Von null auf hundert“, sei er gemeinsam mit Oliver Samsel in das Abenteuer SVL gestartet. Sofort stellte Faass die Zahlungen an die Fußballer des SVL ein. Was sich als dringend notwendig erwiesen hatte, brachte einen sportlichen Tiefgang des SVL mit sich. Es folgte der Abstieg in die unterste Spielklasse, „wo wir einige Zeit nur das Kanonenfutter waren“, erinnert sich Faass. Mit seinen Mitstreitern André Sommer oder Manfred Hornung, um nur zwei zu nennen, stellte Faass seinen Heimatverein auf ein solides Fundament, investierte in die Jugendarbeit und in „Steine statt Beine“, wie es jüngst Marc-Kevin Schaf, sein Nachfolger im Amt des Vorsitzenden, ausdrückte. Faass stemmte mit seinen Vorstandskollegen zahlreiche Projekte, investierte ins Sportheim und in die gesamte Sportanlage Am Laubbrunnen. Der SVL blühte richtig auf.

Nach und nach rückten die Jugendlichen ins Männerteam auf und es stellte sich wieder sportlicher Erfolg ein. Mittlerweile sind in Spielgemeinschaft mit dem TuS Winzeln drei Fußballmannschaften, in der A-, B- und C-Klasse im Spielbetrieb. Die Jugendarbeit steht weiter im Mittelpunkt beim SVL, wo noch Dart gespielt, Rad gefahren und gesungen wird.

Mehr Zeit für anderes Hobby

Er hatte immer mal daran gedacht, sein Amt in jüngere Hände zu geben, „doch dann war da noch ein Projekt, das zu Ende gebracht werden sollte. Und dann weitere.“ Im vorigen Jahr war es dann aber so weit. Um den jungen, erst 25-jährigen Marc-Kevin Schaf, bildete sich ein „Schattenkabinett“, das einen reibungslosen Wechsel in der Vorstandschaft ermöglichte. Faass konnte sein Amt zur Verfügung stellen, kandidierte nicht mehr. „Der Zeitpunkt war da“, blickt Faass zurück. Überhaupt sei es für ihn nicht mehr nachvollziehbar, woher er die Zeit für den SVL genommen hatte, denn als selbstständiger Konditor und Vater von drei Kindern bleibt nicht viel davon übrig. Da habe er seiner Ehefrau sehr viel zu verdanken, diese stand stets hinter ihrem Mann. Übrigens: Eine Lieblingstorte hat Faass nicht. Dafür ein Hobby: Motorradfahren. Mit einer Gruppe aus dem Raum Hamburg/Bremen unternimmt er mit seiner 1300 ccm-Honda weite Touren (Nordkap, Griechenland) innerhalb Europas.

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