Leichtathletik
Lemberger Friedrich Hinkel startet auch mit 80 Jahren bei Volksläufen
Ans Aufhören denkt der mittlerweile 80-Jährige aus dem Lemberger Ortsteil Langmühle nicht. Immer noch schnürt er regelmäßig die Laufschuhe und schwingt sich aufs Fahrrad. Bei Volksläufen in der gesamten Region ist der Vater zweier Söhne und einer Tochter Stammgast.
275.000 Kilometer gelaufen
„Schade, dass wegen der Pandemie im vergangenen Jahr so viele Läufe ausgefallen sind, aber wenigstens konnte ich bei meinem Heimatlauf, dem Lemberger Laufspaß, starten“, sagt er, als sei es das Selbstverständlichste auf der Welt. Zeiten und Platzierungen spielen keine Rolle mehr, denn „Fritz“, wie er von seinen Freunden genannt wird, ist in seinem Sportlerleben mehr gerannt, als viele andere mit dem Auto zurücklegen: Nach seinen Worten kommt er auf 275.000 Kilometer. „Wie viele Laufschuhe ich verschlissen habe, darüber hab ich kein Buch geführt“, merkt er augenzwinkernd an.
303 Marathons gefinisht
Sage und schreibe 303 Marathonläufe hat Hinkel gefinisht: Bei sämtlichen großen deutschen Stadtmarathons wie in Berlin, Hamburg, Frankfurt und Köln startete er, darüber hinaus reiste er in Sachen Marathon nach New York und Helsinki. 17-mal (!) startete er auf den Champs-Élysées Paris und überlief die Ziellinie am Triumphbogen nach 42,195 Kilometern. Seine Bestzeit erzielte er mit 49 Jahren, als er den Kaiserberg-Marathon im Elsass in 2:58 Stunden schaffte.
Auch Ultraläufer
Die Marathondistanz war aber Hinkel nicht genug. Zahlreiche Ultraläufe und Distanzen bis 100 Kilometer hat der Laufbesessene im besten Sinne des Wortes bewältigt. Mit 65 Jahren absolvierte er den 50-Kilometer-Lauf in Darmstadt in 4:03 Stunden. Insgesamt 276-mal stand der Wahl-Langmühler ganz oben auf dem Podest als Altersklassensieger.
Friedrich Hinkel wurde 1940 im unterfränkischen Werneck bei Schweinfurt geboren. Die Eltern, waschechte Pirmasenser, waren dort während des Zweiten Weltkrieges zweimal evakuiert. 1945 zog es die Familie wieder zurück in die Horebstadt. Nach der Schulzeit fing Friedrich im Alter von 14 Jahren mit dem Geldverdienen in der Pirmasenser Schuhfabrik Welter & Brück an. Mit 19 wurde er Beamter auf Zeit im Bundesgrenzschutz, der heutigen Bundespolizei. Seine Ausbildung absolvierte er im niedersächsischen Clausthal-Zellerfeld. „Die 3000 Meter bin ich damals in 9:12 Minuten gelaufen“, weiß er noch heute aus dem Stegreif zu berichten.
Kanzler Adenauer bewacht
Während seiner acht Dienstjahre gehörte Hinkel einer Eliteeinheit an, bewachte unter anderem in Bonn den ersten Bundeskanzler der noch jungen Republik, Konrad Adenauer. Mit 27 wurde er Postbeamter, zunächst in Frankfurt und ab 1974 in Pirmasens. Er lief nicht nur, sondern er ging auch und das sehr erfolgreich. Bei der Europameisterschaft der Briefträger im Gehen über die 17 Kilometer Distanz im französischen Forbach wurde er Dritter. „Und das, obwohl ich kein Briefträger war, sondern Schalterdienst verrichtet habe“, merkt Hinkel schmunzelnd an.
Er spielt auch Gitarre
Wenn er nicht die Laufschuhe schnürt, hängt er sich die Gitarre um. Mit seinem 2019 verstorbenen Bruder Erich machte er nicht nur große Radtouren, sondern musizierte mit ihm auch auf Hütten gemeinsam: Friedrich mit der Gitarre, Erich mit der Zither. Zu Geburtstagen von Freunden und ehemaligen Arbeitskollegen lässt es sich Friedrich Hinkel bis heute nicht nehmen, ein Geburtstagsständchen zu spielen.
Seine Ziele für 2021 sind klar definiert: Laufen, Musizieren und Radfahren.