Pirmasens
Leihkräfte in der Pflege – Einblicke in ein lukratives Geschäft
„Die Menschen sind uns anvertraut“, sagt der Theologische Vorstand des Diakoniezentrums Stefan Höhn. In den Pflegeeinrichtungen der Diakonie in Pirmasens, Zweibrücken, Contwig und Thaleischweiler-Fröschen müssen die Bewohner auch versorgt werden, wenn mal Personalknappheit herrsche. Weil viele Träger von Pflegeeinrichtungen ähnliche Probleme haben, sei ein neuer Arbeitsmarkt entstanden. Es gebe Firmen, die sich darauf spezialisiert hätten, Personal für solche Fälle vorzuhalten.
Das Problem für das Diakoniezentrum und andere Träger: Die Pflegesätze sehen solche Vertretungen nicht vor. Und umgekehrt hat Höhn beobachtet, dass es Firmen gibt, die die hohe Krankheitsquote ausnutzen. „Die sind super teuer“, sagt der Geistliche.
Bis zu 150 Euro pro Stunde
Der Theologe verrät der RHEINPFALZ, was Personal-Leasingfirmen mitunter verlangen für Pflegekräfte. Er spricht von Grundkosten pro Stunde, die sich zwischen 50 und 55 Euro bewegen. Hinzu kommen Zulagen für Nacht- und Wochenenddienste. Für eine geleaste Pflegekraft zahle ein Träger in einer Nacht sonntags bis zu 150 Euro pro Stunde. Hinzu kommt, dass die Personen von den Stammkräften eingearbeitet werden müssen. Das sorge schnell für eine Zusatzbelastung des Personals. Bewohner der Einrichtungen bräuchten zudem vertrautes Personal, gerade das Diakoniezentrum lege darauf viel Wert. Der Pflegeberuf lebt laut Höhn von Beziehungen und Vertrauen.
Er macht zudem auf die Schattenseite des Personalleasings aufmerksam. So gebe es beispielsweise Firmen, die ihren Sitz in Sizilien haben. Einige zahlen laut Höhn nur den Mindestlohn und eine Anwesenheitszulage im Falle einer Buchung. In Krankheitsfällen oder an Urlaubstagen entfalle dieser Verdienst für die Leasing-Kräfte. „Das halte ich für unanständig“, sagt Höhn.
System war überstrapaziert
Das Diakoniezentrum will eigentlich auf Leihkräfte in der Pflege verzichten. Das gelingt auch gut, allerdings kam es bei der jüngsten Welle des Coronavirus zu einem so hohen Personalausfall, dass Ersatz notwendig wurde. Obwohl viele Mitarbeiter an ihre Grenzen gegangen seien, war laut Höhn ab einem bestimmten Punkt niemand mehr da, der einspringen konnte. Das System war überstrapaziert.
In der Regel werden die Leasingkräfte für vier Wochen gebucht, allerdings sei es zeitweise gar nicht so einfach, Anbieter zu finden, denn die gesamte Branche sei in Not. Im Diakoniezentrum helfen sich die Einrichtungen untereinander. So waren in der Corona-Hochzeit beispielsweise Kräfte aus Zweibrücken in Contwig im Einsatz. Aber in drei Fällen half das alles nichts. Es waren so viele Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen gleichzeitig erkrankt, dass auch das Diakoniezentrum auf geleastes Personal zurückgreifen musste.
Höhn will das vermeiden, wann immer es geht. Aber er sagt auch: „Wir brauchen bessere Bedingungen, dass mehr junge Menschen in die Pflege gehen.“