Coronavirus RHEINPFALZ Plus Artikel Leichtathletik: Christin Hussong aus Herschberg muss 2020 auf Olympische Spiele verzichten

Die Europameisterschaften Ende August in Paris hat sie noch nicht ganz abgeschrieben: Christin Hussong.
Die Europameisterschaften Ende August in Paris hat sie noch nicht ganz abgeschrieben: Christin Hussong.

Die Einschüsse kamen näher in den letzten Tagen, nur das IOC hatte sich noch gesträubt. Am Dienstag nun kam die Meldung, dass die Olympischen Spiele in Tokio wegen des Coronavirus auf das Jahr 2021 verschoben werden. Für Speerwurf-Europameisterin Christin Hussong aus Herschberg war es keine Überraschung mehr.

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hatte bezüglich der Olympischen Spiele in Japan – ursprünglich geplant vom 24. Juli bis zum 9. August – arg auf Zeit gespielt, sich selbst zuletzt noch eine Bedenkzeit von vier Wochen gegeben. Aber nachdem immer mehr Nationale Olympische Komitees und auch Nationen wie Australien und Kanada bekundet hatten, zu diesem Termin keine Sportler nach Tokio schicken zu wollen, zog das IOC gestern die Reißleine: Verschiebung der Spiele auf 2021.

Topfit und traurig

„Der Zeitpunkt der Entscheidung war jetzt schon überraschend, die Tatsache an sich nicht“, sagt Christin Hussong dazu. „Aber wir hatten schon im Trainingslager in der Türkei unter den Athleten intensiv über das Thema Olympia gesprochen und waren im ständigen Austausch mit den Bundestrainern“, erzählt die Athletin vom LAZ Zweibrücken. Da sei den meisten Sportlern schon klar gewesen, dass Olympia verschoben wird.

Für Außenstehende sei die Entscheidung sicher unumgänglich, als Sportlerin sei sie natürlich dennoch auch traurig, „schließlich trainiert man vier Jahre auf Olympia hin, und ich bin gerade topfit.“ Die 26-Jährige weiß aber genau, dass die Spiele verlegt werden mussten. „Es gibt keine andere Möglichkeit. Alle Sportler aus allen Disziplinen und allen Nationen an einem Ort, das kann man sich derzeit einfach nicht vorstellen.“ Und mögliche Geisterspiele im Herbst wären aus ihrer Sicht keine Alternative gewesen.

2021 auch WM angesetzt

Die Herschbergerin, 2019 Vierte der Weltmeisterschaft, hatte sich gute Chancen in Tokio ausgerechnet. Den Zeitpunkt der Absage sieht sie nicht kritisch, jetzt herrsche wenigstens Klarheit. Wie die Verschiebung konkret funktionieren soll, da ist sie gespannt. „2021 haben wir Leichtathleten ja schon wieder eine Weltmeisterschaft. Ich möchte nicht mit jemand tauschen, der das jetzt organisieren muss.“

Auch ihr LAZ-Kollege Raphael Holzdeppe sieht zur diesjährigen Olympia-Absage keine Alternative. „Die Verschiebung der Olympischen Spiele auf 2021 ist für mich die einzig richtige Entscheidung; so schwer es mir auch als Sportler fällt, ein weiteres Jahr warten zum müssen. Aber die Sicherheit und Gesundheit der Athleten, Betreuer und Zuschauer steht über dem Sport“, lautete das Statement des Ex-Weltmeisters im Stabhochsprung.

Hoffen auf EM im August

Christin Hussong hat zusammen mit Papa und Coach Udo ihr Training schon an die veränderte Lage angepasst. „Ein bisschen fühlt es sich gerade an wie im Training mitten im Winter. Und es weiß ja keiner, wie es mit Wettkämpfen in diesem Jahr aussieht“, sagt Christin Hussong, die eigentlich Anfang Mai in die Saison einsteigen wollte. Sie gehe nun davon aus, dass Wettkämpfe im Sommer am ehesten noch in Deutschland steigen – wenn überhaupt. „Vielleicht klappt’s ja mit den Europameisterschaften Ende August in Paris“, hofft sie ein bisschen. Schließlich wäre sie da vom 25. bis 30. August ja Titelverteidigerin.

Master vorziehen?

Inzwischen überlegt sie auch, ob sie nicht doch schon im Sommer anfängt, auf ihr abgeschlossenes Studium des Fachs Gesundheitsmanagement den Master draufzusatteln. Das hatte sie eigentlich erst ab Herbst – nach Olympia– geplant, jetzt könnte es sein, dass sie es vorzieht. „Eine Online-Fortbildung habe ich vorher schon gemacht, weil ich gemerkt habe, dass mir neben dem Sport einfach was fehlt.“

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